"Ich fürchte die megageilen Flachwurzler":
SPÖ-Landeschef Voves im Talk mit NEWS.at
- Über seine größte Angst und die "präpotente" ÖVP
- Führungsqualität? "Da braucht man nicht diskutieren"
·Wahlsieger ÖVP?
"Wäre eine Sensation"
ÖVP-Kandidat Schützen-
höfer im NEWS.at-Talk
·"Ziemlich wurscht, wie ich zu Kuba stehe"
KPÖ-Frontfrau Klimt-
Weithaler im Interview
·"Das bringt mehr als
die Kellernazi-Partie"
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·"Jörg Haider haben sie nachgeplärrt"
BZÖ-Kandidat Grosz im Interview mit NEWS.at
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FPÖ-Kandidat Kurzmann im NEWS.at-Interview
Die vergangenen fünf Jahre sind nicht spurlos an Franz Voves vorübergegangen. Die Verantwortung als steirischer Landeshauptmann lastet schwer auf den breiten Schultern des ehemaligen Eishockey-Nationalspielers. Da sei es nur "menschlich, dass man etwas nachdenklicher wird", erklärt der SPÖ-Landeschef. Zu denken gibt Voves vor allem die "Präpotenz" des Regierungspartners ÖVP, die zunehmende Oberflächlichkeit in der Gesellschaft und die Zeit nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag, wie er im Interview mit NEWS.at erzählt.
NEWS.at: Herr Landeshauptmann, welche Note würden Sie denn der steirischen Landesregierung der letzten fünf Jahre ins Abschlusszeugnis schreiben?
Franz Voves: Ein Befriedigend in Bezug auf das Bild, das wir nach außen hin abgegeben haben. Bei dem, was wir gemeinsam umgesetzt haben, würde ich uns aber ein Gut geben.
NEWS.at: Vor fünf Jahren haben Sie noch freudestrahlend von den Wahlplakaten heruntergelächelt, auf den jetzigen Sujets wirken Sie etwas grimmiger. Die letzten fünf Jahre haben offenbar ihre Spuren hinterlassen.
Voves: Wahlplakate sind natürlich eine Botschaft. Der Franz Voves schaut auf den jetzigen Wahlplakaten, glaube ich, ziemlich zielstrebig und entschlossen aus. Immerhin hat er schon fünf Jahre die erste Verantwortung in diesem Land getragen. Dass das nicht spurlos an einem vorübergegangen ist und man etwas nachdenklicher wird, ist nur menschlich. Aber trotzdem blicke ich mit verantwortungsvollem Blick in die Zukunft.
NEWS.at: 2005 haben Sie angekündigt, die Steiermark zu erneuern. Fünf Jahre später hat sich aber nicht viel verändert.
Voves: Was haben Sie denn erwartet? Die Wirtschaftskrise hat die Steiermark als exportorientiertes Land extrem zu spüren bekommen. Natürlich hat das die vielen tollen Dinge, die in den letzten fünf Jahren passiert sind, in gewisser Weise überlagert. Aber es ist mir gelungen, die Steiermark nach 60 Jahren ÖVP-Führung wieder offener zu machen. Wenn die ÖVP den Slogan Zurück zur Steiermark plakatiert, sagt sie ja, dass eine Steiermark ohne ÖVP-Führung keine Steiermark ist. Diese Präpotenz hat ihnen einmal schon den Landeshauptmann gekostet und so wird es heuer wieder sein.
NEWS.at: Die ÖVP spricht von Stillstand, Sie von Erneuerung. Wieso klaffen Ihre und die Darstellung der ÖVP der vergangenen fünf Jahre so weit auseinander?
Voves: Sechs Wochen nach Unterzeichnung des Arbeitsübereinkommens haben die lieben Berater des Herrn Schützenhöfer zu ihm gesagt: Pass auf, wenn wir unser Land wieder zurückerobern wollen, dann darfst du dem neuen SPÖ-Landeshauptmann überhaupt keinen Erfolg gönnen. Und jetzt kommt das Eigenartige: Die ÖVP hat unsere Vorhaben letztlich ja nicht blockiert. Alles, was wir in den letzten fünf Jahren geschafft haben, vom Gratiskindergarten, dem S-Bahn-Projekt bis zu den Landeskrankenhäusern, haben wir einstimmig beschlossen. Im Vorhinein hat die ÖVP stets all unsere Konzepte medial schlechtgemacht - nur um letztlich doch zuzustimmen.
NEWS.at: In der politischen Kultur im Land hat es allerdings keine Veränderung gegeben. Schon 2005 haben sich Rot und Schwarz im Wahlkampf beinahe die Schädel eingeschlagen.
Voves: Als Streitverursacher wird aber mehrheitlich die ÖVP angesehen. Dieses parteitaktische Verhalten war doch fünf Jahre lang offensichtlich.
NEWS.at: Müssen Sie die Streitereien in der Landesregierung nicht auch auf Ihre eigene Kappe nehmen? Vor fünf Jahren sind sie angetreten und haben Ihre Führungsqualitäten als eine Ihrer Stärken angepriesen. Als Landeshauptmann sind diese aber offenbar nicht so zur Geltung gekommen.
Voves: Lassen wir das die Steirer beurteilen. Bis auf die Abschaffung des Proporzes und die Gründung der Steiermark-Holding haben wir alle Projekte aus unserem Arbeitsübereinkommen umgesetzt. Da braucht es schon ein bisschen Führungsqualität. Wissen Sie, wenn man 13 Jahre Finanzvorstand in einem großen Konzern war, dann braucht man über meine Führungsqualitäten eigentlich nicht mehr diskutieren.
NEWS.at: Ihre Landespartei dürften Sie aber nicht ganz in Griff haben. In Graz hat sich die Stadt-SPÖ praktisch in die Luft gesprengt, darüber hinaus wurden Kurt Flecker und Christian Faul aus der Partei hinaus komplementiert.
Voves: In jeder großer Partei gibt es Paierls und Hirschmanns (zwei ÖVP-Dissidenten, Anm.). Das ist völlig normal. Nennen Sie mir eine dieser sogenannten Affären, die nicht erledigt ist. Die Geschichte mit Faul habe ich so schnell gelöst, so schnell konnte kaum einer schauen.
NEWS.at: Die Außendarstellung war aber eine äußerst unglückliche. Flecker etwa hat Ihnen nach seiner Versetzung ins Landtagspräsidium noch einiges nachgeworfen.
Voves: Die Partei hat ihm eine Antwort gegeben. Er wurde zu 100 Prozent abgelehnt, als es um die Besetzung der Landesliste ging. Wenn einer aus einer demokratisch organisierten Partei ausbrechen will, dann kannst du ihn ja nicht aufhalten. Und den Grazer Sozialdemokraten habe ich wochenlang zugeredet. Letztlich ist die Kampfabstimmung dort so ausgegangen, wie ich es ihnen prophezeit habe.
NEWS.at: Hätte es keine Möglichkeit gegeben, den "Querdenker" Flecker weiter einzubinden?
Voves: Ich hätte dem Kurt Flecker diesen Abgang angesichts seiner wunderbaren Beiträge über Jahrzehnte nie gewunschen. Ich bin ja selbst ein unglaublicher Querdenker, das ist ja genau das Salz in der Suppe, das eine Partei braucht, damit ihr die Knöpfe aufgehen. Ich habe von Flecker viel profitiert, wir waren auch bestens befreundet. Aber er hat sich mit seinem Verhalten in den letzten eineinhalb Jahren viel zu weit weg vom gemeinsamen Ziel der Landespartei bewegt.
NEWS.at: In Ihrer Rede zum Wahlauftakt haben Sie einen ungewöhnlichen Schwerpunkt gesetzt: Sie wollen in den Steirern wieder die Lust auf Kultur wecken. Seit wann gewinnt man damit Wählerstimmen?
Voves: Wenn mich Leute fragen, wovor ich mich am meisten fürchte, dann antworte ich: Vor der zunehmenden Zahl an "megageilen Flachwurzlern" in unserer Gesellschaft. Wir haben bei der Betrachtung von gesellschaftlichen Zusammenhängen mittlerweile eine Oberflächlichkeit erreicht, die für die nächsten Generationen sehr gefährlich sein kann. In den letzten Jahrzehnten stand großteils das Materielle im Vordergrund. Irgendwann wird man versuchen müssen, das Humanistische wieder in den Vordergrund zu rücken und unseren Kindern andere Werthaltungen zu vermitteln. Deshalb möchte ich als Politiker ein Zeichen setzen und wieder Lust auf Musik, Literatur, bildnerische Kunst und Wissenschaft machen.
Teil II des Interviews - "Ich bin ja kein Grufti"










