"Man kann auch einmal verlieren": FPÖ-
Obmann Strache im Interview mit NEWS.at
- "Politische Erdbeben finden immer wieder statt"
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Auf ein "politisches Erdbeben" hofft Heinz-Christian Strache bei der Wien-Wahl 2010. Doch sollte er eine Niederlage einfahren, so ist das für den Spitzenkandidaten der FPÖ auch kein Problem. "Man kann auch einmal verlieren", gibt Strache im NEWS.at-Interview offen zu.
NEWS.at: Herr Strache, was macht die SPÖ in Wien richtig?
Heinz-Christian Strache: Eine gute Frage. Wenn man heute sozialdemokratische Persönlichkeiten sucht, die einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben, muss man die Ehrengräber am Zentralfriedhof besuchen.
NEWS.at: Trotzdem hat die SPÖ 2005 die Absolute errungen und liegt auch in jetzigen Umfragen bei weit über 40 Prozent. Wie erklären Sie sich das?
Strache: Warten wir erst einmal die Wahl ab. Die Jungwähler haben der SPÖ schon längst den Rücken gekehrt. Die ältere Generation, das waren treue Wähler, die aufgrund der früheren Leistungen eines Bruno Kreisky, eines Leopold Gratz und eines Helmut Zilk immer noch der SPÖ ihre Stimme gegeben haben, obwohl diese Partei schon längst den Weg einer unverantwortlichen Politik eingeschlagen hat. Das bricht jetzt alles auf.
NEWS.at: Sie sprechen von unverantwortlicher Politik und bezeichnen die SPÖ als Islamistenpartei und rote Nazis. Trotzdem haben Sie sich nun zu einer Zusammenarbeit bereiterklärt. Bekommen Sie etwa Angst vor der eigenen Courage?
Strache: Was ich damit aufzeigen will, ist, dass wir von der SPÖ ausgegrenzt werden. Nach den Wahlen in Wien und der Steiermark wird es dort aber Veränderungen geben, weil die Basis sich diese Reihe an Niederlagen auf Dauer nicht gefallen lassen wird. Und vielleicht finden sich dann dort auch Persönlichkeiten, mit denen man zusammenarbeiten kann.
NEWS.at: Sehen Sie dort jetzt schon Persönlichkeiten, mit denen eine Annäherung möglich wäre?
Strache: In der aktuellen SPÖ-Führungsriege nicht. Da muss man wohl auf eine neue Generation hoffen.
NEWS.at: Mit Kreisky, Gratz und Zilk führen Sie nur zu gerne SPÖ-Politiker als Beispiele eines Paradepolitikers an. Sind Sie in der freiheitlichen Geschichte bei der Suche nach einem Vorbild etwa nicht fündig geworden?
Strache: Ich habe keine politischen Vorbilder. Als Mensch, Freund und Wegbegleiter hatte für mich Rainer Pawkowicz eine Bedeutung, der es als ehemaliger Parteiobmann der Wiener FPÖ geschafft hat, 1996 das historisch beste Ergebnis einzufahren. Ich bin durch seine Schule gegangen. Jörg Haider hat mich als junger Mensch fasziniert, aber da kannte ich ihn nicht näher. Später habe ich festgestellt, dass er das Versprochene in Regierungsverantwortung nicht umgesetzt hat.
NEWS.at: Obwohl Haider seit fünf Jahren nicht mehr der FPÖ angehört, seit zwei Jahren nicht mehr am Leben ist, scheint er in Ihrer Partei immer noch präsent zu sein. Zuletzt meinte einer Ihrer Gemeinderäte, dass man 17 Jahre lang von einem Schwulen geleitet wurde.
Strache: Er ist seit fünf Jahren kein Thema mehr bei uns, weil er Obmann einer anderen Partei war und ich mich im direkten Duell auch deutlich durchsetzen konnte. Wenn Sie diesen Herrn zitieren, so ist das seine Privatmeinung. Ich behalte Jörg Haider, trotz aller politischen Unterschiedlichkeiten, als liebevollen Familienvater in Erinnerung.
NEWS.at: Doch betrachtet man seine und Ihre Wahlkämpfe, so dürften Sie sich trotzdem einiges von ihm abgeschaut haben.
Strache: Ganz und gar nicht. Mein Stil ist ein ganz anderer. Im Unterschied zu ihm habe ich nie das Thema Ausländer plakatiert. Bei mir wurde immer differenziert, denn ein Ausländer, der sich gut integriert, mit dem hat kein vernünftiger Österreicher ein Problem. Wir unterscheiden zwischen anständigen und unanständigen Migranten.
NEWS.at: Wo wird beim Slogan Daham statt Islam differenziert? Hier wird doch eine gesamte Religionsgruppe attackiert,
Strache: Es geht darum, dass der Islam kulturell nicht in Wien beheimatet ist. Zudem wird er oft politisch missbraucht, und er definiert sich ja auch politisch. Dadurch sind Radikalismen viel stärker vorhanden.
NEWS.at: Vor ein paar Monaten haben Sie einen gemäßigten Wahlkampf angekündigt. Prompt folgte gleich zu Beginn das Wiener Blut-Plakat, danach wurde die SPÖ als Islamistenpartei und rote Nazis verunglimpft. Geht es bei der FPÖ nicht ohne Krawall?
Strache: Wir führen einen erfolgreichen Wahlkampf, in dem wir sehr differenziert in unserer Argumentation vorgehen. Leider haben wir erlebt, dass politische Mitbewerber darauf mit Gewalt reagieren und Gegendemonstranten schicken, die mit Pflastersteinen oder vollen Bierdosen werfen. Bei uns dagegen findet man nur Sachargumente vor. Auch beim Wiener Blut-Plakat differenzieren wir mit dem Zusatz Zuviel Fremdes tut niemandem gut, denn wir haben ja nichts gegen gut integrierte Ausländer.
NEWS.at: Die Strategie ist aber schon bewusste Provokation.
Strache: Nein, das ist künstliche Aufregung unserer Mitbewerber.
NEWS.at: Mit der rechnen Sie aber.
Strache: Nein, das ist der Fehler der Mitbewerber. Bei allem, was ein Freiheitlicher macht, wird sofort etwas unterstellt, anstatt sich sachlich damit auseinanderzusetzen.
NEWS.at: Rote Nazis ist nicht unbedingt ein Sachargument.
Strache: Das stimmt, und das ist auch die Antwort auf unsachliche Argumente unserer Mitbewerber. Wenn mit Steinen geworfen wird, dann ist das ein Verhalten, das die Nazis damals an den Tag gelegt haben. Und so etwas hat in unserer heutigen Gesellschaft nichts verloren.
NEWS.at: Wenn die anderen Parteien angeblich unter der Gürtellinie attackieren, wieso machen Sie da mit?
Strache: Ich mache da nicht mit, ich zeige die Verhaltensmuster auf.
NEWS.at: Bürgermeister Häupl geht also zu diesen Demonstranten und erteilt ihnen den Auftrag, da und dort Radau zu machen?
Strache: Es sind nachweislich Personen, die aus der Sozialistischen Jugend kommen. Auch SPÖ-Funktionäre wurden dort fotografiert.
Teil II: "Ich habe nicht so ein großes Ego"










