22.10.2010 11:45

Befreiungsschlag für die Wiener Grünen: Nach Zankmarathon am Sprung in Regierung

  • Vassilakou hat ihre Partei im Wahlkampf konsolidiert
  • Optimismus vor Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ

Von einer Koalitionsbeteiligung zu träumen hätten die Grünen vor weniger Monaten wohl selbst kaum gewagt: Schließlich galt die Wiener Partei noch im Sommer infolge interner Bezirksquerelen und einhergehender Umfragetiefs alles andere als regierungsfähig. Auf Landesebene zeigte sich die von der Politkonkurrenz wiederholt verhöhnte "Chaostruppe" jedoch bereits seit längerer Zeit konsolidiert.

Erst kürzlich, unmittelbar nach der Wahl, erteilten die Grünen bei einer Landeskonferenz ihrer Klubobfrau Maria Vassilakou offiziell den Auftrag, mit der SPÖ in Koalitionsverhandlungen zu treten - und zwar einstimmig, was für die großteils basisdemokratisch organisierte Partei keinesfalls selbstverständlich ist. Auch die Fixierung der Kandidatenliste, die bereits knapp ein Jahr vor dem Urnengang erfolgte, lief ohne grobe Debatten ab. Derlei Konsens hätten sich die Parteigranden wohl auch in den diesjährigen Sommermonaten gewünscht.

Wickel in der Josefstadt und Mariahilf
Im Vorfeld der Wahlkampfes machten der Fraktion nämlich öffentlich ausgetragene Wickel in zwei Bezirken zu schaffen. In der Josefstadt stürzte die Bezirksgruppe den amtierenden Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian, der daraufhin mit einer eigenen Liste konkurrierte und so über Umwege einen erneuten Sieg der Grünen im 8. Bezirk verhinderte. In Mariahilf begehrten einige Mandatare nach der Listenbestimmung gegen die gewählte Spitzenkandidatin Susanne Jerusalem auf und spalteten sich ebenfalls ab. Schließlich lief auch noch der grüne Bundesrat Stefan Schennach zur Sozialdemokratie über.

Kaum verwunderlich, dass die Stimmung unter den Parteifreunden rund um den Wahlkampfauftakt Anfang September alles andere als euphorisch war. Schließlich prognostizierten manche Umfragen der Ökopartei damals weniger als 10 Prozent. Mit dem Näherrücken des Wahltags holten die Grünen allerdings auf, wobei Vassilakou von ihren Anhängern vor allem für ihre Auftritte in den Fernsehkonfrontationen Lob und Respekt gezollt wurde.

Ziel zum Greifen nah
Letztendlich kamen die Grünen auf 12,64 Prozent. Das bedeutete zwar einen Rückgang von 2 Prozentpunkten gegenüber 2005, das überraschende Wahldesaster der ÖVP ließ den kaum noch vorhandenen Optimismus im Hinblick auf eine Regierungsbeteiligung aber schlagartig zunehmen. Diesem Ziel - bereits im Wahlkampf formuliert - sind Vassilakou und ihr Team nun näher als je zuvor.

Um Reibereien im Vorfeld von Wahlen hinkünftig zu vermeiden, sollen demnächst die Parteistrukturen überarbeitet werden. Angedacht ist beispielsweise, jene Personen, die in den Bezirken um den Spitzenkandidatenposten rittern wollen, bereits länger im Vorfeld der tatsächlichen Listenerstellung festzulegen, hört man aus der Partei. Am basisdemokratischen Prinzip der Grünen soll aber nicht gerüttelt werden.

(apa/red)

22.10.2010 11:45
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So hat Wien gewählt