Heinz Sichrovsky über den Vater der Pippi Langstrumpf
- Kunst ist ihrem Wesen nach unkorrekt
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Nach zähem Widerstand haben die Erben der Schriftstellerin Astrid Lindgren dem Drängen des Verlags nachgegeben Pippi Langstrumpfs Vater heißt in den Neuauflagen nicht mehr Negerkönig, sondern Südseekönig. Die Erfinderin der antiautoritären Kinderliteratur dürfte sich auf dem Friedhof von Vimmersby mehrfach umgebettet haben: Kunst, gleich für wen, ist ihrem Wesen nach unkorrekt.
Wer nicht in der Lage ist, die Lektüre seines Kindes mit entsprechenden Erläuterungen zu unterstützen, soll sich aus dem Wust an Unter-21-
Literatur bedienen (womit Wortschatz und Intelligenzquotient der Verfasser gemeint sind). In endloser Kohorte radeln da Papas mit dem kleinen Tim im Tragetuch zum Bioladen, um Gemüse für einen leckeren Salat zu erwerben, wenn Mama abends (gleichfalls per Rosthirsch) aus der Werbeagentur nachhause kommt. Tims große Schwester Mia spielt
derweil im Ganztagskindergarten mit ihrem besten Freund Süleiman Mülltrennung. Gattungspoetologisch haben wir es mit einem Zwitter aus dadaistischer Lyrik und Didaktik zu tun. Pädagogisch aber werden hier im verkrampften Bemühen, alles richtig zu machen, kleine, wortlose Spießer gezüchtet. Stimmvieh für Abstimmungen über Grätzelfeste und Fahrradständer.
Heinz Sichrovsky
sichrovsky.heinz@news.at
