"Wir müssen das Haus neu ordnen": Neo-
Chef Kern rüffelt seine Bundesbahnen kräftig
- Für dieses Jahr wird neunstelliger Verlust erwartet
- Schwere Managementfehler in der Vergangenheit

·Bundesbahnen wollen
mehr Geld vom Staat
Neo-Chef Kern fordert
300 Mio. Euro für ÖBB
·Wunschzettel an
die Bundesbahnen
Fahrgäste erwarten mehr
Züge & gute Anschlüsse
·ÖBB: 4 Millionen Euro für Peter Hochegger
profil: Beraterhonorare in exorbitanter Höhe
Der neue ÖBB-Chef Christian Kern hat bei seiner "Antrittspressekonferenz" rund 100 Tage nach seinem Amtsantritt eine kritische Bilanz gezogen: Bei der Bundesbahn habe es schwere Managementfehler gegeben, die Bahnreform 2003 habe die Strukturen aufgespalten und die Verantwortlichkeiten zersplittert, es gebe kein Kostenbewusstsein und einen "Selbstbeschäftigungszirkus" durch interne Bürokratie.
"Wir müssen die Altlasten vom Tisch schaffen und das Haus neu ordnen", gibt Kern dem Unternehmen einen neuen Kurs vor. Heuer erwartet das Unternehmen einen dreistelligen Millionenverlust. Bis zum Jahr 2013 solle die Bundesbahn eine "schwarze Null" schreiben, also aus den Verlusten kommen. Um den Kurswechsel zu schaffen fordert Kern eine neue "Leistungskultur" bei der Bahn ein. Nicht die Mitarbeiter, sondern das frühere Management wird vom neuen Bahn-Chef gerügt.
Unter Verweis auf angeblich zu großen politischen oder gewerkschaftlichen Einfluss habe es kein Kosten- und Leistungsbewusstsein gegeben. Kern ortet "unterlassene Managementleistungen", das Management habe sich nicht getraut Reformen anzupacken. Für ihn sei ÖVP-Finanzstaatssekretär Lopatka, der die Bahn immer wieder kritisiert, "kein Maßstab", sondern sein Aufsichtsrat und das Aktienrecht gäben die Ziele vor, betonte Kern.
Die Lage ist ernst
Kern präsentierte nach dem Aufsichtsrat einen Kassasturz: Die Bundesbahn befinde sich in einer ernsten Lage und sei heuer mit einem "signifikanten Ergebniseinbruch" konfrontiert. Das Halbjahresergebnis sei schlechter als geplant ausgefallen, für das Gesamtjahr erwarten die ÖBB einen "negativen dreistelligen Millionenbetrag". Um die wirtschaftliche Lage zu verbessern und aus den roten Zahlen zu kommen fordert Kern eine Verbesserung um 500 Mio. Euro, um die Ergebnisziele zu erreichen.
Folgende Maßnahmen plant der Holding-Chef: Ein "maßvoller Lohnabschluss" soll dazu beitragen, ein Ende der betriebsbedingten Pensionierungen schon im nächsten Jahr, 100 Führungskräfte weniger innerhalb von drei Jahren und der Abbau von 1.000 Verwaltungsjobs. Die hohen externen Beratungskosten sollen deutlich reduziert werden, Ziel ist eine Halbierung bis zum Geschäftsjahr 2011. Der Einkauf werde künftig von der Holding strategisch gesteuert, um bei Beschaffungen zu sparen.
(apa/red)

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