Baustelle Nationalmannschaft: Constantinis ÖFB-Team steht auf schwachem Fundament
- Kasachstan-Spiel legt Versäumnisse und Mängel offen
- NEWS.at auf Ursachenforschung nach EM-Quali-Start
·ÖFB-Team plan-,
hilf- und ideenlos
Teamchef Constantini
"beunruhigt das nicht"
·Constantini will Linz-
Experiment fortsetzen
Spielte gegen Kasachstan
als hängender Stürmer
·Team startet mit Zittersieg in EM-Quali
2:0 vs. Kasachstan durch zwei Tore in Nachspielzeit
·Durchgefallen: ÖFB-
Kicker in Einzelkritik
Kollektives Versagen beim Sieg vs. Kasachen
·Salzburg: Gellendes Pfeifkonzert für Team
Spieler verärgert über Publikum und den Rasen
·Besser spät als nie: Sieg in Nachspielzeit
BILDER vom Spiel der ÖFB-Elf gegen Kasachstan

Österreich startete mit einem 2:0-Sieg gegen Kasachstan in die EM-Qualifikation 2012. Der erste Pflichtsieg, die ersten drei Punkte auf dem Weg nach Polen und Ukraine sind eingetütet. So weit so gut. Die Realität hinter dem Resultat gibt allerdings weniger Anlass zur Hoffnung auf eine erfolgreiche Quali als die nackten Zahlen selbst. Keine Spielzüge, Hektik, Unordnung, viele Fehler im Spielaufbau und Akteure, die in völlig neue Rollen schlüpfen mussten und damit nicht zurechtkamen. NEWS.at ist bei der Frage nach dem Warum auf Ursachenforschung gegangen.
Fehlender roter Faden
Die Entwicklung der österreichischen Nationalmannschaft stagniert auf niedrigem Niveau. Auch nach zwölf Spielen unter Dietmar Constantini ist keine klare Linie, kein klares Spielkonzept zu erkennen. Das Team befindet sich immer noch in einer Experimentierphase, dabei sollte der Selbstfindungsprozess längst abgeschlossen sein oder sich zumindest dem Ende zuneigen. Dass die ÖFB-Elf derzeit keinen Plan hat, mag auch daran liegen, dass für den Teamchef ("Meine Meinung ist, man gewinnt nicht mit dem System, sondern mit den Spielern") die Bedeutung von Taktik generell überbewertet wird. Die Partie gegen Kasachstan widerlegt die These des obersten Fußball-Feldherren. Die Einzelqualität der österreichischen Spieler hätte theoretisch locker ausreichen müssen, um das Spiel gegen den Fußball-Zwerg ohne Zittern zu gewinnen. Tat es aber nicht. Also muss es im Umkehrschluss am System gelegen haben, dass gegen die Kasachen fast nichts funktionierte. Außerdem: Wenn Taktik so unwichtig wäre, warum beschäftigt sich Trainer-Großmeister Jose Mourinho dann stundenlang mit jedem noch so kleinem taktischen Detail? Constantini und seine Assistenten müssen endlich einen roten Faden spinnen und an ihm festhalten.
Führungsspieler
Zu einer Topmannschaft fehlt der ÖFB-Equipe noch einiges - unter anderem eine Führungspersönlichkeit, die das Spiel in schwierigen Phasen ordnen und führen kann. Zwar gäbe es in der Kabine drei, vier Spieler, die das Heft in die Hand nehmen würden, wie Constantini versichert, auf dem Spielfeld scheint eine klare hierarchische Struktur aber nicht verankert zu sein. Auf dem Rasen fehlt jemand, an dem sich die anderen Spieler ob dessen Leistung anhalten und mitziehen lassen können.
Mittelfeld
Die wohl größte Baustelle ist das Mittelfeld, die Schaltzentrale jeder Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld setzte Constantini zuletzt oft auf zwei "Sechser", die sich zumeist auf Defensivaufgaben beschränkten und wenig Impulse im Spielaufbau lieferten. Dabei stünden etwa mit Christoph Leitgeb oder David Alaba auch zwei sogenannte "Achter", also Spieler mit einer offensiveren Auslegung dieser Rolle, zur Verfügung. Womit man bereits beim Hauptproblem angelangt wäre: Dem zentralen offensiven Mittelfeld. Hier fehlt ein Spielmachertyp, der den Aufbau aus der Zentrale heraus stemmen kann, der Bälle verteilen, Tempowechsel und Spielverlagerungen einleiten und somit den Spielrhythmus bestimmen kann. Constantini gelang es bislang nicht, einen Weg zu finden, dieses Manko mit einer entsprechenden Taktik und adäquaten Rollenverteilung im Mittelfeld zu überbrücken. Gegen Kasachstan versuchte es der Teamchef mit Roland Linz als hängender Spitze und Veli Kavlak als dahinter agierenden zentralen Spieler. Der Versuch hielt dem ersten Test nicht stand. Einer, der diese Rolle vielleicht einmal ausfüllen könnte, wäre der technisch beschlagene und vor Spielwitz sprühende Marko Arnautovic.
(red)
