Freitag, 10. September 2010

"Dem Jörg Haider haben sie nachgeplärrt":
BZÖ-Kandidat Grosz im NEWS.at-Interview

  • Über "Damaskus-Erlebnisse" und sein Rowdy-Image
  • 33-Jähriger "bald letzter erfolgreicher BZÖ-Politiker"

NEWS.at: In der Öffentlichkeit haben Sie das Image eines ständig polternden Polit-Rowdys, parteiintern nennt man sie einen „verbalen Wirtshausraufer“. Privat genießen Sie die Nestwärme im gemeinschaftlichen Haus mit Ihrem Vater und Ihrer Großmutter. Ist ihr öffentliches Auftreten nur aufgesetzt?
Grosz: Nein, ich bin der, der ich bin und das 24 Stunden am Tag. Es gibt natürlich Personen, auch in meiner Partei, die der Meinung sind, dass ich mit meinen Formulierungen zurückhaltender sein muss. Aber ich denke gar nicht daran, dass ich mich verstelle. Ich nehme mir als bald letzter erfolgreicher BZÖ-Politiker das Recht heraus, meine Politik so zu gestalten, wie ich es für vernünftig halte. Wenn die anderen gern weiterhin ihre Valiumtabletten im Schlafwagen fressen, sollen sie das machen.

NEWS.at: Ihr Vater soll mit dem scheidenden KPÖ-Landesrat Ernest Kaltenegger sympathisieren. Gibt es da nicht öfter Krach im Hause Grosz?
Grosz: Nein, ganz im Gegenteil. Ich verstehe meinen Vater, dass er Ernest Kaltenegger unterstützt und auch gewählt hat. Auch ich hatte große Sympathie mit Herrn Kaltenegger, leider wurde er jetzt von seinen eigenen Leute rausgemobbt. 2005 hat mein Vater aber schon mich gewählt und er unterstützt mich natürlich auch jetzt.

NEWS.at: BZÖ-Chef Bucher hat Ihrer Partei einen rechtsliberalen Kurs verordnet und sogar die FDP als Vorbild genannt. Ihre Parteigefährten Stadler, Westenthaler und Petzner gelten ja nicht gerade als Paradebeispiel liberaler, weltoffener Politiker. Wie liberal sind Sie denn, Herr Grosz?
Grosz: Sehr! Ich bin parteipolitisch nur nicht einordenbar. In der Sozialpolitik stehe ich etwa weiter links als die SPÖ. Wenn es um Sicherheitsfragen geht, nehme ich mir in Anspruch, rechts der Mitte zu stehen. In gesellschaftspolitischen Fragen wiederum bin ich äußerst liberal. Jetzt gebe ich Ihnen die Chance, einen Begriff dafür zu finden.

NEWS.at: Ideologischer Fleckerlteppich?
Grosz: Nein, ich sage, es ist logischer Hausverstand. Ich versuche an jedes Problem mit einem Quäntchen Logik heranzugehen. Was dann schlussendlich für eine Richtung herauskommt - links, rechts, oben, unten - diese Analyse überlasse ich den Politologen.

NEWS.at: Ihr Wahlprogramm klingt nicht zwingend nach FPD. Die Schwerpunkte sind: Bettelverbot für die ganze Steiermark und Abschiebung von kriminellen Asylwerbern. Ihr Mitbewerber von der FPÖ, Gerhard Kurzmann, will 500 Polizisten mehr in der Steiermark, Sie gleich 1.000.
Grosz: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Personalstand der Exekutive nicht verändert. In der Kriminalitätsbekämpfung fehlen uns diese 1.000 Exekutivbeamten, quer durch alle Bezirke.

NEWS.at: Laut Sicherheitspakt zwischen Innenministerin Fekter und ÖVP-Spitzenkandidat sollen in Kürze 300 Polizisten dazukommen.
Grosz: Auf diese 300 Polizisten warten wir in der Steiermark schon seit vier Jahren. Dieses Kasblattl wurde ja mittlerweile schon zum dritten Mal unterschrieben und nichts ist passiert.

NEWS.at: Laut Kriminalstatistik sinkt die Zahl der Anzeigen in der Steiermark seit 2002 kontinuierlich, im letzten Halbjahr um sieben Prozent. Wozu dann das Personal aufstocken?
Grosz: Die Kriminalstatistik ist ja dadurch, dass Deliktsgruppen einfach zusammengefasst werden, eine Fälschung, der ich keinen Glauben schenke. Verarschen kann ich mich nämlich selber.

NEWS.at: Bei der Gemeinderatswahl im März erreichte das BZÖ landesweit nur mickrige 0,57 Prozent. Kein gutes Omen für die Landtagswahl, oder?
Grosz: Wenn man nur in 20 von 542 steirischen Gemeinden kandidiert, dann ist das natürlich eine organisatorische Schwäche. In jenen Gemeinden, in denen wir kandidiert haben, waren wir aber sehr erfolgreich.

NEWS.at: Wie lautet Ihr Ziel für den 26. September?
Grosz: Wir haben ein Potenzial zwischen fünf und neun Prozent, das wollen wir ausnützen und in den Landtag einziehen.

NEWS.at: Werden Sie im Wahlkampf noch verstärkt mit dem Erbe des Jörg Haider werben?
Grosz: Nein. Ich trage Jörg Haider seit 17 Jahren bei mir im Herzen, auch über seinen Tod hinaus. Es weiß jeder, welche Politik ich vertrete, da brauch ich Jörg Haider nicht plakatieren.

NEWS.at: Wenn Sie nicht in den steirischen Landtag einziehen, wollen Sie sich aus der Politik völlig zurückziehen. Gilt diese Aussage noch?
Grosz: Alles, was ich sage, gilt.

NEWS.at: Gibt es schon Angebote aus der Privatwirtschaft?
Grosz: Ich mache mir jetzt einmal Sorgen um die Lebensstandards der Steirerinnen und Steirer, erst danach um meine eigenen. Ich bin 78 Kilogramm schwer, 1,73 Meter groß, 33 Jahre alt – ich habe das ganze Leben noch vor mir. Um mich braucht man sich keine Sorgen machen.

(jt/hoa)

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10.9.2010 11:34