"Dem Jörg Haider haben sie nachgeplärrt":
BZÖ-Kandidat Grosz im NEWS.at-Interview
- Über "Damaskus-Erlebnisse" und sein Rowdy-Image
- 33-Jähriger "bald letzter erfolgreicher BZÖ-Politiker"
Gerald Grosz, BZÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in der Steiermark, gilt als politischer Hardliner, "verbaler Wirtshausraufer", vor allem aber als größter Verteidiger des verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider. Im Interview mit NEWS.at spricht der Grazer Gemeinderat und Nationalratsabgeordnete über prägende "Damaskus-Erlebnisse" mit seinem politischen Ziehvater Haider, die angebliche Verschwörung gegen die Orangen und seine Ziele für die Wahl am 26. September.
NEWS.at: Herr Grosz, waren Sie schon einmal in einer Moschee?
Gerald Grosz: Ja, mehrere Male in Damaskus und auch in Teheran.
NEWS.at: Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?
Grosz: Die Moschee in Damaskus zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf Ruinen einer christlichen Kultstätte aufgebaut worden ist. Damaskus ist heute durch und durch muslimisch, dennoch bin ich dort einer stolzen christlichen Stadt begegnet. Und zwar an allen Hausecken.
NEWS.at: Woher kommt Ihr Eindruck, wonach Moscheen Widerstandsnester einer demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Parallelgesellschaft sind?
Grosz: Das entnehme ich Berichten des BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Anm.) oder des deutschen Bundeskriminalamts. Das ist alles aktenkundig. Es gibt Hassprediger, die unsere Demokratie und unsere Menschenrechte in Frage stellen.
NEWS.at: Bauschen Sie nicht da eine Bedrohung auf, die es in diesem Ausmaß gar nicht gibt? Alexander Gaisch, Leiter des steirischen Landesamtes für Verfassungsschutz, sagt zum radikalen Element des Islam in Österreich: "Es gibt radikale Elemente. Aber das ist ein sehr, sehr geringer Prozentsatz."
Grosz: Er wird aber als Bedrohung wahrgenommen und ich verstehe das auch. Mich wundert es ja, dass gerade der Herr Gaisch das sagt. Jener Herr Gaisch, der in seinem ganzen Leben und in seinem Dienstgebiet noch nie etwas von Moschee und Minaretten gehört hat.
NEWS.at: In Graz gibt es immerhin fortgeschrittene Pläne zum Bau einer Moschee.
Grosz: In Graz ist keine Moschee in Planung, sondern ein vierstöckiges Gebetshaus, das mich von der Architektur her eher an ein Einkaufszentrum erinnert. Auch viele Muslime in Graz lehnen dieses Projekt ab.
NEWS.at: Welches Problem haben Sie eigentlich mit dem Islam?
Grosz: Ich habe kein Problem mit dem Islam.
NEWS.at: Warum gehen Sie dann so provokant und aggressiv mit dem Thema um?
Grosz: Ich gehe mit dem Thema weder aggressiv noch provokant um.
NEWS.at: Solange Islamisten in unserem Land die Moscheen als Kasernen, die Minarette als Bajonette und die Kuppeln als Helme der Glaubenssoldaten sehen, kommen für uns solche Bauwerke einer zutiefst verachtenden Religionsausprägung nicht in Frage, schreiben Sie in einer martialischen Aussendung.
Grosz: Islam und Islamismus sind zwei unterschiedliche Dinge. Mit dem Islam habe ich kein Problem, nur mit dem islamistischen Extremismus, der die Religion über dem Staat, der Demokratie und den Rechtsinstrumenten sieht.
NEWS.at: Vom gemäßigten Islam ist bei Ihnen selten die Rede. Sie spitzen das Thema ganz bewusst auf die Gefahr des Extremismus zu.
Grosz: Bei der katholischen Kirche ist in den letzten zwei Jahren auch nicht über Mutter Theresa, sondern über Kinderschänder die Rede gewesen. Da müssen sich die Medien an den eigenen Ohren nehmen, das ist nicht meine Schuld. Praktizierende Katholiken müssen sich mittlerweile in 50 Prozent aller Diskussionen den Satz Ah, du gehörst zu den Kinderschändern dazu" anhören.
NEWS.at: Das stimmt doch nicht.
Grosz: Ich verwehre mich eh dagegen, aber es passiert.
NEWS.at: Ist es legitim, das Gleiche bei einer anderen Religionsgemeinschaft zu machen und etwa den Propheten Mohammed als Kinderschänder zu bezeichnen?
Grosz: Nein. Was ich betonen möchte ist, dass ich den Islam anerkenne, aber die extremistische Ausprägung dieser Religion scharf ablehne.
NEWS.at: Wie viele Muslime in Österreich sind Ihrer Einschätzung nach extremistisch?
Grosz: Das weiß ich nicht, es gibt kein sicheres Zahlenmaterial. Bei den Muslimen fehlt ja auch der direkte Ansprechpartner. Anas Schakfeh spricht nur für eine sehr kleine Zahl der Muslime in Österreich. Die sind sich untereinander auch spinnefeind. Oder glauben Sie wirklich, dass sich ein Iraker mit einem Iraner unterhält? Die reden kein Wort miteinander.
NEWS.at: Stichwort Irak. Wie erklären Sie sich denn die besondere Vorliebe Ihres politischen Ziehvaters und Mentors Jörg Haider für den Irak?
Grosz: Österreich hatte immer beste Kontakte in den Nahen Osten, erinnern Sie sich an Kreisky und Waldheim. Als ich gemeinsam mit Jörg Haider, Herbert Haupt und Herbert Scheibner in Syrien war, haben Sie dem Jörg Haider am Souk in Damaskus alle nachgeplärrt: El Haider! El Haider!. Die Menschen dort haben ihn als Verbindungsmann in den goldenen Westen sehr geschätzt. Deswegen war sein Irak-Engagement für mich nie ungewöhnlich, im Gegenteil.
NEWS.at: Glaubt man den jüngsten Enthüllungen, dürfte Haider für seine "Vermittlerrolle" von Saddam fürstlich entlohnt worden sein. Können Sie ausschließen, dass Haider und auch Ewald Stadler in Bagdad die Hände aufgehalten haben?
Grosz: Ja. Ewald Stadler bereitet soeben Klagen und einstweilige Verfügungen vor, die alle zu gewinnen sein werden. Für das, was Jörg Haider postum und das BZÖ in den letzten Wochen erleben mussten, müssen diese Medien bluten.
NEWS.at: Wir sind gespannt. Auch angebliche Liechtenstein-Konten Haiders schließen Sie aus?
Grosz: Ja, ich schließe auch aus, dass Jörg Haider den Schatz vom Toplitzsee oder das Nazi-Gold hütet, dass er das Pharaonen-Gold in irgendeiner Form bewacht und ich schließe auch aus, dass er uneheliche Kinder in Botswana hat. Es gibt bis heute keinen einzigen Beweis für diese Konten.
NEWS.at: Sollte Muammar Gaddafi bei Ihnen anklopfen und Ihnen eine Wahlkampfspende anbieten - würden Sie annehmen?
Grosz. Nein. Aber der Herr Gaddafi wird bei mir nicht anklopfen.
NEWS.at: Wie erklären Sie sich, dass das BZÖ immer wieder ins Visier der Justiz gerät?
Grosz: Es ist schon sehr kurios, dass ständig versucht wird, BZÖ-Politiker madig zu machen. Das hängt auch sicherlich damit zusammen, dass das BZÖ seit seiner Gründung als Betriebsunfall in der österreichischen Politgeschichte dargestellt wird. Wir haben bei der Nationalratswahl 2006 4,1 Prozent erreicht jene 4,1 Prozent, die der ÖVP auf Platz eins gefehlt haben. Das gleiche Spiel hat sich 2008 wiederholt, als wir 10,7 Prozent erreicht haben.
NEWS.at: Sie wittern also eine politische Verschwörung?
Grosz: Nein, aber ich nehme zur Kenntnis, dass die Nachfolger des Engelbert Dollfuß, die schon einmal erfolgreich die Demokratie in Österreich ruiniert haben, mittlerweile wieder zwei Sicherheitsressorts in ihren Händen haben und auch auf Medien erheblichen Einfluss ausüben. Das ist eine Machtkonzentration, die mich stark an die 1930er Jahre erinnert.
Teil II des Interviews: "Verarschen kann ich mich selber"
