Natascha Kampusch
"Wollte ein neues Leben beginnen"
- Zahlreiche Zuhörer verfolgten die Präsentation ihrer Biografie
·Kein Ansturm auf
Kampusch-Biografie
Buch "3096 Tage" ist ab
sofort im Handel erhältlich
·Natascha: "Ich
wollte aber leben"
Im TV-Interview spricht sie offen über ihre Flucht
·Er hat "mich nicht psychisch geformt"
Natascha über ihr Buch und Wolfgang Priklopil
·Kampusch: "Im
Keller war ich Bibiana"
Erste Auszüge aus ihrer Biographie "3096 Tage"
·Der Entführungsfall
Eine Chronologie der Causa: Von ihrem Verschwinden bis hin zur Flucht
Es war ihr erster Auftritt vor öffentlichem Publikum. In der Thalia-Filiale in der Landstraße in Wien hat Natascha Kampusch am 8. September 2010 aus ihrer Biografie "3096 Tage" vorgelesen und zahlreiche Besucher sind erschienen, um ihr zuzuhören. Gespanntes Warten und dann war es endlich soweit: Mit einer Viertelstunde Verspätung betrat Natascha die Bühne und war zunächst einmal überwältigt: "Ich bin sprachlos. Es ist irgendwie wie im Theater", sagte sie angesichts des großen Interesses. Unter den Anwesenden befanden sich auch die engsten Vertrauten der jungen Autorin, darunter ihre Mutter Brigitta Sirny. Alle Sitzplätze waren besetzt. Zahlreiche Zuhörer mussten das Geschehen daher auf einem der vier Monitore verfolgen.
Nach einem Ansturm hatte es zunächst eigentlich nicht ausgesehen. Um 18.00 Uhr, rund eine Stunde vor der Präsentation, warteten lediglich die Fotografen ungeduldig auf Natascha. Oftmals ertönte von Seiten neugieriger Passanten die Frage: "Auf wen warten hier eigentlich alle?" Natürlich auf Natascha Kampusch, die sich in einem Nebenraum noch der versammelten Presse zum Fototermin stellte. Blitzlichtgewitter pur, doch sie lächelte tapfer, nur manchmal musste sie die Augen zusammenkneifen. Nach etwa drei Minuten war alles vorbei, die Fotografen mussten gehen und Natascha bereitete sich auf ihren großen Auftritt vor.
"Wollte kein Kapital daraus schlagen"
Applaus erschallte, nachdem sie die Bühne betreten hatte, mit ihr am Podest ORF-Moderator Christoph Feurstein. Warum sie diese Biografie geschrieben habe, lautete seine Frage gleich zu Beginn. "Ich wollte einfach eine neues Leben beginnen", erwiderte Natascha. Und sie stellt klar: "Ich habe dieses Buch nicht gemacht, um primär Kapital daraus zu schlagen. Ich wollte das Ganze aufarbeiten und den Leuten, die es interessiert, die Möglichkeit geben, die wahre Geschichte zu lesen."
Fünf Passagen las sie aus ihrer Autobiografie vor und geriet dabei nur selten ins Stocken. Nervös wirkte sie eigentlich nicht, sprach dem Moderator sogar noch Mut zu: "Seien Sie nicht so unsicher, Herr Feuerstein, Sie machen das schon." Aus dem Publikum ertönte Gelächter. Doch es gab auch bewegende Momente. Als sie schilderte, wie schwer es war, jemanden zu finden, der ihr nach der Flucht weiterhilft, wird es still im Publikum. Manche schütteln den Kopf angesichts der geringen Hilfsbereitschaft ihrer Mitbürger.
Über Aggressionen und Medienpräsenz
Auch heute, Jahre nach ihrer Flucht, erlebt Natascha nicht nur Wohlwollen. Oft begegne man ihr im Alltag mit Aggression, schilderte sie. "Das ist sehr unangenehm für mich. Und es verletzt mich auch", beschrieb Natascha ihre Gefühle. Mit dem Medienrummel kann sie nicht viel anfangen. Viele Menschen würden das Vorkommen in den Medien mit gesuchter Medienpräsenz verwechseln, versuchte sie den Ärger vieler Menschen über ihre Person zu erklären. "Es ist für mich auch nicht immer leicht mein Konterfei ständig in den Medien zu sehen", betonte sie.
Ihre Zukunftspläne? Als nächstes will sie ihre Geschichte verfilmen lassen. Dabei habe sie auch selbst ein Mitspracherecht, wie sie erzählte. Auch für gewisse Sozialprojekte möchte Natascha sich künftig engagieren.
