Freitag, 10. September 2010

Keine "Milderungsgründe" für Gerd Honsik:
Weitere 2 Jahre Haft für Holocaust-Lugner

  • Hatte Nazi-Jäger Wiesenthal "massiv verunglimpft"
  • Unbedingte Haft: Verteidigung kündigt Berufung an

Der bereits im Vorjahr verurteilte Holocaust-Leugner Gerd Honsik ist in einem zweiten Prozess zu weiteren zwei Jahren unbedingte Haftstrafe nach dem Verbotsgesetz verurteilt worden. Gegenstand der stundenlangen Verhandlung am Wiener Straflandesgericht waren zwei Bücher des 68-Jährigen. Richter Andreas Böhm rechnete Honsik als erschwerenden Umstand an, dass er den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal "massiv verunglimpft" habe. Die Verteidigung kündigte Berufung an, das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Honsik war schon im April 2009 für zahlreiche, im Zeitraum 1997 bis 2003 von ihm veröffentlichte Ausgaben der Zeitschrift "Halt!" im Wiener Straflandesgericht schuldig erkannt worden. Das Wiener Oberlandesgericht (OLG) reduzierte allerdings die dafür verhängte Strafe von fünf auf vier Jahre Haft. Daraufhin machte die Anklagebehörde in einer separaten Verhandlung zwei Bücher Honsiks zum Prozessgegenstand. Die inkriminierten Werke "Schelm und Scheusal" und "Der Juden Drittes Reich" waren bereits Inhalt der Anklage im vorangegangen Prozess gewesen, wurden damals jedoch zur Vermeidung von Verfahrensverzögerungen ausgeschieden und nun zum Gegenstand eines neuen Prozesses gemacht.

Keine Milderungsgründe
Die Staatsanwaltschaft warf Honsik vor, in diesen Büchern den NS-Massenmord zu bestreiten, indem er etwa von einem "Gasbetrug" spricht. Der Angeklagte habe zwar im Prozess bestritten, was er geschrieben habe, er zweifle aber noch immer die NS-Verbrechen an, im Konkreten die Existenz von Gaskammern auf "großdeutschem Boden", und verlange eine "forensische Untersuchung" des Holocaust. Darüber hinaus sei er bereits mehrfach vorbestraft. Das alles führte die Anklägerin als erschwerende Umstände an, Milderungsgründe konnte sie dagegen keine finden.

Die Verhandlung verlief nicht so stürmisch wie die erste im Juli. Die Verteidigungslinie des Angeklagten war aber ähnlich. In seinen Büchern sei es nicht um das Leugnen von NS-Verbrechen gegangen, sondern um Kritik an Wiesenthal. Die Kritik richte sich dabei aber "nicht gegen den Juden Wiesenthal, sondern gegen den Lügner Wiesenthal".

Honsik spricht von "Schauprozess"
Er, Honsik, sei auch kein Antisemit, sondern treten genau dagegen auf und bedaure die Juden-Verfolgung. "So einen Nazi werden Sie nie wieder finden", führte Honsik "Milderungsgründe" an. Er sprach weiters von einem "Schauprozess" und bezichtigte die "US-geführten Alliierten" des "Völkermordes", der in eine "Befreiung umgedichtet" werde. Der Staatsanwaltschaft sei es egal, dass die "Alliierten 13,5 Millionen Deutsche am Gewissen haben", so Honsik, der sein Schlussplädoyer mit einem Vers schloss.

Lange Zeit drehte sich der Prozess um unzählige Anträge des Verteidigers Herbert Schaller, die allesamt abgelehnt wurden. Der Anwalt beantragte u.a. die Einvernahme von Bundespräsident Heinz Fischer zu Wiesenthal. Unter den Beweisanträgen, für deren Beantragung der Verteidiger zwei Stunden brauchte, fand sich auch die Verlesung des Stichwortes "Lüge" aus dem "Brockhaus"-Lexikon.

"Herr Doktor, was suchen Sie?"
Honsik musste zwischendurch seinen etwas betagten Verteidiger zu Recht weisen, dass er nie für den Anschluss eingetreten sei und keine diesbezüglichen Anträge nötig seinen. Für Belustigung sorgte auch ein weiterer Dialog zwischen den beiden: Während der Anwalt nach Unterlagen für weitere Anträge suchte, fragte Honsik: "Herr Doktor, was suchen Sie?" Schaller hielt ein Papier hoch und antwortete: "Das hier. Haben Sie was besseres?"

(apa/red)

10.9.2010 09:39
DerLeutnant, 10. 09. '10 07:45
Und was sagt uns das?
Ist der Prozess und das Urteil auf "bewiesene bzw. untersuchte" Fakten abgeschlossen worden oder leider wieder einmal nur auf der emotionellen Ebene? Wo ist da der Rechtssinn geblieben? Oh ein Wortspiel "Rechts-sinn"!!!!!!!...
brabus, 09. 09. '10 14:25
Honsik
Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist, dass wir Steuerzahler für den Schwachsinn den dieser Herr verzapft aufkommen müssen, wenn sich Gutachter und Anwälte und Gerichte mit ihm beschäftigen müssen. Steckt ihn in die Klappsmühle und werft den Schlüssel weg.
DerLeutnant, 09. 09. '10 08:18
"Unabhängige Gutachter"?
Werden die von Hr. Honsik vorgebrachten "Beweise" eigentlich von neutralen Gutachtern auf ihre "Richtigkeit" untersucht oder verfahrt man da wieder mit der gleichen kindischen "da nicht sein kann was nicht sein darf" Rechtssprechung? Ich denke das es endlich einmal an der Zeit ist den Holocaustleugnern ein für allemal die (nicht gefälschten und ehrlichen) Beweise dafür sachlich vorzulegen. Wenn es dann von unabhängigen Gutachtern eindeutig belegbar ist und nicht immer als Tabuthema behandelt bzw. als unantastbar eingestuft wird sollten auch die letzten Zweifel beendet sein und unsere Gerichte würden dann Zeit für die wichtigeren Dinge in unserer Zeit haben. Oder besteht da vielleicht gar kein Bedarf das die "Wahrheit" bzw. Fakten der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden?
drahthuhn, 09. 09. '10 08:10
Kommentieren gefährlich!
Eigentlich sollte es hier nicht um die ewig Gestrigen gehen, sondern um die Dogmatisierung dieses Themas. Mit freier Meinungsäußerung hat das nämlich nichts zu tun. Auch nicht mit Demokratie. Sperren sie ihn ein, tun sie was sie wollen, aber lassen sie die Leute ihre MEINUNG sagen. Jeder, der Bescheid zu wissen glaubt, oder Bescheid weiß, steht ohnehin über den Dingen.
Was kümmert es den Baum, wenn sich das Schwein daran reibt!
Ist das verständlich genug?
keinauto, 09. 09. '10 10:49
Re: Kommentieren gefährlich!
JA!