Sarrazin verteidigt strittiges "Sachbuch":
"Weder diffamierend noch unsachlich"
- Werk "Deutschland schafft sich ab" heute vorgestellt
- SPD will Bundesbanker aus der Partei ausschließen

·Sarrazin verteidigt strittiges "Sachbuch"
"Weder diffamierend noch
unsachlich argumentiert"
Das Präsidium der deutschen SPD hat beschlossen, ein Parteiordnungsverfahren gegen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin mit dem Ziel des Ausschlusses aus der Partei einzuleiten. Auch die Deutsche Bundesbank distanzierte sich von ihrem wegen Äußerungen über Ausländer und Juden in die Kritik geratenen Vorstandsmitglied.
Sarrazins Äußerungen würden der Bundesbank schweren Schaden zufügen, teilte die Bundesbank nach einer außerordentlichen Sitzung des Gremiums amin Frankfurt mit. Die Bundesbank werde nach einem Gespräch mit Sarrazin zeitnah über das weitere Vorgehen entscheiden.
Der Streit um Sarrazin war zuletzt eskaliert. Am Wochenende hatte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel der deutschen Notenbank indirekt nahegelegt, sich von Sarrazin zu trennen. Darüber muss noch der Parteivorstand entscheiden. Im März war ein vom Berliner Landesverband angestrengtes Ausschlussverfahren gescheitert.
SPD:"Für seine Thesen ist kein Platz"
Präsidiumsmitglied Ralf Stegner sagte der Berliner "tageszeitung": "Es wäre besser, wenn er selber austreten würde, aber ich befürchte, dies wird er nicht tun." Deshalb sei das Ausschlussverfahren unvermeidlich. "Für seine Thesen ist in der SPD kein Platz", betonte Stegner.
Sarrazin beschwichtigt
Sarrazin rief seine Kritiker zu einer fundierten Diskussion auf. "Ich lade alle ein, Unstimmigkeiten in meiner Analyse zu finden", sagte der frühere Berliner Finanzsenator in Berlin. Bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab" sagte Sarrazin, das werde aber nicht einfach sein. Der 65-Jährige fügte hinzu, er habe als Bundesbankvorstand das Recht, sich frei zu äußern. Zudem bedauerte Sarrazin die zahlreichen "Irritationen und Missverständnisse". "Als ich sagte, dass 'alle Juden ein bestimmtes Gen teilen', habe ich mich nicht hinreichend präzise ausgedrückt", erklärte er.
In einem Zeitungsinterview habe er sich "leider verkürzt auf neuere Forschungen aus den USA" bezogen. "Ich bin kein Genetiker. Aber ich habe zur Kenntnis genommen: Aktuelle Studien legen nahe, dass es in höherem Maße gemeinsame genetische Wurzeln heute lebender Juden gibt, als man bisher für möglich hielt." Sarrazin stellte außerdem fest, damit "keinerlei Werturteil" verbinden zu wollen.
(apa/red)

