Freitag, 3. September 2010

Missstände in Geburtenabteilung des AKH?
Mangel an Hebammen und Ausstattungen

  • Wien: Grüne prangern schlechte Arbeitssituation an
  • AKH-Chef Krepler: "Dankbar für alle Anregungen"

Die Wiener Grünen orten schwere Missstände im Geburtenbereich des AKH und schalten nun das Kontrollamt ein. Die Vorwürfe beziehen sich nicht nur auf Mängel bei der technischen und sanitären Ausstattung, sondern betreffen auch die Arbeitssituation der Hebammen. Diese seien durch Unterbesetzung in den Kreißsälen chronisch überbelastet, kritisierte die grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz.

Viele Geburtshelferinnen seien ausgebrannt und würden teilweise in andere Bundesländer abwandern. Die zuständige Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) nehme offenbar achselzuckend zur Kenntnis, dass dem "Flaggschiff der österreichischen Gesundheitsversorgung" das Personal davonlaufe.

Die Gesundheitssprecherin erhob nicht nur Vorwürfe gegen die Stadt, sondern auch gegen das Spitalmanagement: "Die Hebammen fühlen sich von der Politik und ihren Vorgesetzten im Stich gelassen." In den betroffenen Bereichen - die Abteilungen für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin sowie für Neonatologie, Pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie - herrsche "Führungsschwäche und inadäquate Führung auf allen Hierarchieebenen", insbesondere was die fachliche Kompetenz und praktische Erfahrung betreffe. Für die Patientinnen sei es zudem unzumutbar, wenn sie etwa Sanitäranlagen mit hoch infektiösen Personen teilen müssten. Außerdem gebe es Berichte, wonach Neugeborene wegen Bettenmangels in andere Krankenhäuser transferiert werden müssten, wodurch es bei Kindern mitunter zu gesundheitlichen Folgen komme.

Mängel schon seit 2007 bekannt
Bereits im Jahr 2007 hatte die Assekuranz AG im Auftrag des ärztlichen Direktors des AKH das Projekt "Evaluierung der Arbeitsbedingungen der Hebammen" durchführen lassen. Damals sei man bereits auf beinahe idente Probleme gestoßen, betonten Pilz und Essl unisono. Es sei daher unverständlich, warum sich nach wie vor nichts zum Besseren gewendet habe.

Die Kritik führte zu Reaktionen. Der Chef des Wiener AKH, Reinhard Krepler, betonte gegenüber der APA, er sei "dankbar" für alle Anregungen. Sie würden im Rahmen des Qualitätsmanagements sofort bearbeitet. Eine Gefährdung für Patientinnen wäre nie gegeben gewesen. Geburtshilfe und Neonatologie würden im internationalen Vergleich Spitzenleistungen erbringen.

(apa/red)

3.9.2010 14:32