40 brutale Tage bis zur Wahl: Viererbande sagt "Majestix" Michael Häupl den Kampf an
- NEWS.at wagt einen Vorausblick auf die Wien-Wahl
- Politikberater: "Auch ein Häupl hat ein Ablaufdatum"
·"Majestix" Häupl gegen die Viererbande
Ein Vorausblick auf 40 brutale Wahlkampf-Tage
·"Ich wähle nicht, weil ich enttäuscht wurde"
Erwartungen an die Wahl in Wien. VIDEO-UMFRAGE
·Schuss vor den Bug von Michael Häupl?
Grüne für Sondersitzung
kurz vor der Wien-Wahl

In Wien stehen die Zeichen auf Krieg. Eine Viererbande aus schwarzen, blauen, grünen und orangen Oppositionellen tritt an, um den mächtigen Majestix Michael Häupl am 10. Oktober von seinem Bürgermeister-Schild zu stoßen. Aber ist der rote Stadtchef überhaupt verwundbar? Und läuft tatsächlich alles auf ein "brutales Zweier-Duell" mit FPÖ-Chef Strache hinaus? NEWS.at hat sich gemeinsam mit Politikberater Hermann Holzer-Söllner die Ausgangslage zur Wien-Wahl sowie die Stärken und Schwächen der fünf Spitzenkandidaten angesehen.
Das von den Freiheitlichen zum Kampf um Wien hochstilisierte Duell um den Bürgermeistersessel hält Holzer-Söllner für stark überschätzt: Um Häupl ernsthaft zu gefährden, braucht man mehr als das. Polemisieren ohne wirkliches Konzept dahinter sei zu wenig, irgendwann müsse die FPÖ ins Spektrum der Rationalität wechseln, rät der Geschäftsführer von Communication Skills International (CSI). Bei Parteichef Heinz-Christian Strache sieht der Kommunikationsberater darüber hinaus eine latente Abnützungsgefahr: Seine Inhalte kennt mittlerweile schon jeder. Wenn man das zu lange hinausposaunt, hört irgendwann mehr keiner zu. Viele Wähler hätten es zudem bereits begriffen, dass hinter dem blauen Frontmann personaltechnisch gähnende Leere herrscht.
Unglaubwürdige "Witwe Bolte"
Trotzdem: Die FPÖ versteht es nach wie vor, die Themen im Wahlkampf vorzugeben und für Provokation ("Mehr Mut für unser Wiener Blut") zu sorgen, wenn auch rein auf der emotionalen Schiene. Die Themenkreise Sicherheit, Islam und Zuwanderung werden die nächsten 40 Tage bis zur Wahl sicherlich bestimmen, glaubt Holzer-Söllner. Da kommt es auch nicht von ungefähr, dass die eigentlich liberal gesinnte ÖVP-Frontfrau Christine Marek seit einiger Zeit auf Law & Order macht, etwa mit ihren Forderungen nach einer Stadtwache oder Zugangsschleusen in der U-Bahn. Der Politikberater nimmt ihr die wundersame Wandlung zur strengen Witwe Bolte zwar nicht ab, aber: Es ist durchaus ein zielführendes Rezept, um Stammwähler, die vielleicht in eine andere Richtung tendieren, wieder zu sich zurückzuholen. Den politischen Gegner Häupl auf das eigene Wahlplakat zu setzen und somit den Willen zu einer rot-schwarzen Koalition auszudrücken, sei jedoch kein sonderlich geschicktes Manöver gewesen: Ich bezweifle, dass die Wähler mit einem klaren Koalitionsbekenntnis im Vorfeld etwas anzufangen wissen.
"Eine Amateurtruppe"
In eine Koalition mit den Roten wollen auch die Grünen um Maria Vassilakou. Daraus dürfte allerdings nichts werden. Parteiinterne Streits und Abspaltungen in der Josefstadt bzw. in Mariahilf haben die Ökopartei stark ausgebremst, "der Zug ist wohl abgefahren", orakelt der Coach: Die Grünen sind für mich eine Amateurtruppe. Sie sind führungsschwach und haben verlernt, die Themen im Wahlkampf vorzugeben. Mit dem Kernthema Umwelt locke man niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, die Grünen müssen sich daher gehörig anstrengen, wollen sie eine Pleite am 10. Oktober noch abwenden.
Häupls wunde Punkte
Ganz anders stehen die Vorzeichen für SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl, den Holzer-Söllner mit dem Häuptling Majestix aus den Asterix-Comics vergleicht. Der Politikberater glaubt, dass Häupl im Wahlkampf seine zwei größten Stärken, seine Authentizität und Volksnähe, voll ausspielen wird: Auf die Menschen zuzugehen das kann er. Es sei im Übrigen nicht unintelligent von Häupl gewesen, dass er Strache bereits vor einem Jahr mit Verbalattacken eingedeckt habe. Allerdings müsse er aufpassen, dass er sich nicht auf dasselbe untergriffige Niveau begebe, spielt Holzer-Söllner auf den "Dummer Mensch"-Sager Häupls an. Aber auch der Rathaus-Häuptling ist nicht unverwundbar: Irgendwann gibt es auch für Herrn Häupl ein Ablaufdatum. Nach 16 Jahren im Bürgermeistersessel läuft man natürlich Gefahr, etwas abgehoben und abgenützt zu wirken. Zweiter wunder Punkt Häupls: Wie bei der FPÖ überstrahlt auch bei der SPÖ ein charismatischer Frontmann manch Personaldefizit in den Reihen dahinter.
"Es wird brutal"
Wie das Rennen um die begehrten Sitze im Wiener Landtag letztlich ausgeht, ist fünfeinhalb Wochen vor der Wahl völlig offen. Hermann Holzer-Söllner ist überzeugt: "Es wird ein brutaler Wahlkampf werden." Viel dürfte sich an den Verhältnissen im Rathaus allerdings nichts ändern. Die alles entscheidende Frage wird wohl sein, ob die SPÖ ihre absolute Mehrheit halten kann oder künftig die Macht mit einem Koalitionspartner teilen muss. Die FPÖ hingegen habe anteilsmäßig bereits ihr Limit erreicht, meint der Kommunikationscoach. Für das BZÖ dürfte hingegen kein Platz im Rathaus sein: Zum orangen Spitzenkandidaten Walter Sonnleitner fällt mir eigentlich wenig ein. Er ist bisher nicht präsent.
(jt)
