Donnerstag, 2. September 2010

Bundesbahnen wollen mehr Geld vom Staat:
Neo-Chef Kern fordert 300 Mio. Euro für ÖBB

  • Regierungsparteien über Kapitalspritze offenbar einig
  • Pröll sieht in der Finanzhilfe nur ein Nullsummenspiel

Nach dem Stromkonzern Verbund wollen nun auch die ÖBB mehr Geld vom Staat. Wie informierte Kreise verlauten lassen, soll Bahnchef Christian Kern anlässlich seiner ersten 100 Tage im Chefsessel des Staatskonzerns einen Forderungskatalog an den Bund präsentieren. Kernpunkt darin: Die Bundesbahnen wollen 300 Mio. Euro.

Dies soll so auch zwischen den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP auspaktiert sein, dafür habe die SPÖ beim ÖVP-Wunsch nach einer Kapitalerhöhung beim Verbund nachgegeben. Die Bahn selbst will ihre Forderungen kommenden Mittwoch bei einer Aufsichtsratssitzung festschreiben.

Finanzminister Pröll hat in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" bekräftigt, dass es Hilfen für die ÖBB nur unter dem Titel "Kraftkwerksausbau" geben wird. Die Bahn betreibt eigene Wasserkraftwerke, mit denen sie Strom für die elektrisch betriebenen Loks erzeugt. Pröll stellte aber auch klar, dass die Staatsbahn - wie bereits in der Vergangenheit fixiert - jene 300 Mio. Euro an Steuern zurückzahlen muss, die sie zu viel an Rückvergütungen erhalten hat. Damit wäre der Regierungs-Deal für die Bahn und den Staatshaushalt ein Nullsummenspiel - während der Verbund über 500 Mio. Euro erhält.

Geldspritze Ende Oktober
Laut "WirtschaftsBlatt" soll das Geld für die Bahn Ende Oktober fließen. Eine mögliche Variante, wie die Geldspritze dargestellt werden könnte, wären auch Kompensationen für die so genannten gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Der Bund finanziert den Schienen-Personen-Verkehr mit mehr als einer halben Milliarde Euro pro Jahr.

Eisenbahnergewerkschafter Wilhelm Haberzettl sagte in einem Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" zur Causa Verbund/ÖBB: "Wichtig ist, dass der Bund sich bereiterklärt hat, auch für die ÖBB Zuschüsse zu geben, wenn sie in ihre Kraftwerke investieren. Ich nehme das zur Kenntnis. Freude habe ich damit keine."

(apa/red)

2.9.2010 13:59
Manolo19870, 02. 09. '10 23:07
Einfach lächerlich
was da jährlich in unsere - angeblich - privatisierte ÖBB fließt! Ich verstehe, dass es vor allem bei den Nebenstrecken notwendig ist, dass subventioniert wird. Aber wenn man bedenkt, welche Unsummen dieser Subventionen in die Rail Cargo fließen, wird einem einfach nur schlecht. Zum Glück sind das Aktionen, die die EU mittel- bis langfristig eh unterbinden wird...
miwoka18, 02. 09. '10 15:27
Ein Wirtschaftsbetrieb...
...und ein Faß ohne Boden, wenn man bedenkt, welche horrenden Summen bereits die erfolg- und ahnungslosen "Manager" und "ÖBB-Wunderwuzzis" in den Rachen geschmissen bekamen...vielleicht sollte man einmal ein ernsthaftes und funktionierendes Konzept für die ÖBB erstellen, das sich auch mal amortisiert, ohne ständig nur Geld vom Bund zu fordern.