Macht der Herbst die Gehaltsschecks fett?
Gewerkschaft wetzt vor Lohnrunde Messer
- Deutsche Metaller gehen selbstbewusst in Gespräche
- Pröll stellt Nulllohnrunde bei Beamten zur Debatte

·Macht der Herbst die
Gehaltsschecks fett?
Gewerkschaften wetzen
vor Lohnrunde die Messer
·Länger arbeiten und dafür Boni kassieren?
Pensionistenchef Blecha unterstützt Leitl-Vorstoß
·Freiwillig bis ins
hohe Alter arbeiten
Wirtschaftskammer will
Anreize für späte Pension
·Pensionsproblematik
gar nicht so schlimm?
Zukunftsforscher glaubt
an eine Finanzierbarkeit
Ein heißer Herbst steht bevor: Weil sich Wirtschaft und Unternehmensgewinner rascher erholen als erwartet, fordern Gewerkschaften für die Mitarbeiter ein größeres Stück vom Kuchen. In Deutschland, wo die Lohnrunden drei Wochen früher als in Österreich beginnen, sehen die Metaller keinen Grund zur Bescheidenheit: Um 6 Prozent soll der Lohn im kommenden Jahr angehoben werden. Einer Forderung, der auch heimische Funktionäre einiges abgewinnen können.
"Vom Profit des Aufschwungs müssen alle Beschäftigten profitieren", ist Oliver Burkhard, IG Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, überzeugt. Geht es nach dem Deutschen, sollen Mäßigung und Verzicht, die Arbeitnehmer während der Krise an den Tag legten, nun der Vergangenheit angehören. Um satte 6 Prozent soll der Lohn der deutschen Metaller im nächsten Jahr höher werden. Auch wenn der Arbeitgeberverband Stahl bereits abwinkt, steckt diese Ziffer erst einmal den Rahmen der Verhandlungen nach oben ab. Und hat einige Signalkraft - auch für Österreich.
Die Ziffer der IG-Metall sei sicherlich "gut überlegt", äußert sich so Erich Foglar gegenüber der "Presse". Zwar will sich der ÖGB-Chef auf keine "Zahlenspiele" einlassen, immerhin ist aber davon auszugehen, dass sich auch die heimischen Gewerkschaften angesichts der sich bessernden Wirtschaftslage nicht gerade in Bescheidenheit üben werden. Wir müssen einen Abschluss finden, der die Kaufkraft und den Inlandskonsum fördert. Und dafür brauchen wir Lohnerhöhungen im Rahmen des Möglichen, unterstreicht Foglar.
Ähnlich sieht das der oberste Verhandler der GPA-DJP: Im Gespräch mit der "Presse" kündigt er bereits jetzt eine "spannende Gehaltsrunde" an. Für die Gewerkschaften bestünde nämlich kein Grund für besondere Zurückhaltung.
Fingerspitzengefühl oder Nulllohnrunde?
Beim Verhandlungspartner dürfte man das naturgemäß etwas anders sehen. So ruft Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner die Gewerkschaften laut "Presse" bei der Lohnrunde zu "Fingerspitzengefühl und Augenmaß" auf. Noch drastischere Worte findet Finanzminister Josef Pröll zu den Lohnrunden. Zumindest im Staatsdienst könne eine Nulllohnrunde nicht ausgeschlossen werden. So ist sich auch der VP-Chef bewusst: "Es wird keine einfache Verhandlungsrunde, aber wir werden sie führen."
Vizepräsident Fritz Amann schlug indes unter Hinweis auf das verspätete Budget eine Verschiebung der Herbstlohnrunde vor. "Ohne die fiskalischen Rahmenbedingungen für das kommende Jahr auch nur im Ansatz zu kennen, kann keiner der Sozialpartner seriös Verhandlungen führen. Das wäre ein Blindflug - noch dazu ohne Fluglotsen am Boden", so Amann in einer Aussendung. Dass die Lohnrunden heiß werden, dürfte demnach außer Frage stehen. Vielleicht wird aus dem heißen Herbst allerdings eher ein heißer Winter.
(red)

