"Die Islamisierung hat schon begonnen": FPÖ-Kandidat Kurzmann im NEWS.at-Talk
- "Habe gerne mit dem Maschinengewehr geschossen"
- Wahlkampf: "Abwarten, was wir noch in petto haben"
VIDEO: Kurzmann stellt sich dem NEWS.at-Wordrap
Er gilt als einer der Unscheinbaren der freiheitlichen Partei, doch dass auch Gerhard Kurzmann gerne provoziert, bestätigt der aktuelle steirische Wahlkampf. Im NEWS.at-Interview verteidigt der FPÖ-Spitzenkandidat erneut seine Mitgliedschaft zur Kameradschaft IV, einer Veteranenorganisation der Waffen-SS. Er attackiert SPÖ und ÖVP, formuliert sein Wahlziel, warnt vor der Islamisierung Österreichs und erläutert, dass er seine Pflicht im Zweiten Weltkrieg erfüllt hätte, wäre er dreißig Jahre früher geboren worden.
NEWS.at: Denkt man an Gerhard Kurzmann, denkt man automatisch an Kameradschaft IV. Sind Sie noch Mitglied? Und ärgert es Sie nicht, darauf reduziert zu werden?
Gerhard Kurzmann: Ich bin weiterhin Mitglied. Aber ich fühle mich nicht darauf reduziert. Hunderttausende denken an ganz andere Dinge: FPÖ-Politiker, Einsatz im Außenpolitik- und Kulturausschuss, Obmann der steirischen freiheitlichen Partei, die sich für mehr Arbeitsplätze und mehr Unabhängigkeit von Brüssel einsetzt.
NEWS.at: Wir werden jetzt nicht diese Mitgliedschaft hinterfragen, ihre Argumentation haben sie bereits mehrfach von sich gegeben. Aber was sagen Sie eigentlich dazu, dass ungarische Neonazis zu einem Treffen eingeladen wurden?
Kurzmann: Ich kenne diese Leute nicht und war auch nicht bei diesem Treffen dabei. Was ich allerdings ablehne, ist die Kollektivschuld, die man über sämtliche Kriegsteilnehmer stülpen will. Mein Vater war selbst Wehrmachtsangehöriger, und ich lasse nicht, dass eine ganze Generation unter Generalverdacht gestellt wird. Ich bin auch überzeugt, dass das die große Masse der Österreicher so sieht.
NEWS.at: Sie sind FPÖ-Menschenrechtssprecher. Wie ist das vereinbar mit der Sympathie zu einer Organisation, die Ihrer Meinung nach zwar nicht in Ihrer Gesamtheit, aber dann zumindest teilweise eine verbrecherische Organisation war?
Kurzmann: Im Zweiten Weltkrieg gibt es kein Land, bei dem keine Kriegsverbrechen stattgefunden haben. Doch im Regelfall wurden sie durch die Gerichtsbarkeit der entsprechenden Armeen geahndet.
NEWS.at: Legitimieren Verbrechen der Gegenseite automatisch die eigenen?
Kurzmann: Überhaupt nicht. Verbrechen bleiben Verbrechen, egal von welcher Seite.
NEWS.at: Kommen wir zum steirischen Wahlkampf. Betrachtet man die FPÖ-Wahlplakate, scheinen Sie wieder auf eine Politik des Angstschürens zu setzen.
Kurzmann: Überhaupt nicht. Wir sprechen nur die Dinge an, die die Steirer beschäftigen. Tausende haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Auch kümmern wir uns um Fragen der Sicherheit, weil in Graz nicht nur die Drogen-, sondern auch die restliche Kriminalität zunimmt. Wir sprechen einfach Themen an, die die Bevölkerung als Probleme betrachtet.
NEWS.at: Auf einem Ihrer Wahlplakate warnen Sie vor Spitalsschließungen, die SPÖ-Staatssekretär Schieder vorgeschlagen hat. Landeshauptmann Voves hat dem aber sofort einen Riegel vorgeschoben. Leben Sie gerne in der Vergangenheit?
Kurzmann: Nein, ich traue nur Politiker-Aussagen vor einer Wahl nicht. Wer garantiert uns, dass die Spitäler nicht nach der Wahl doch geschlossen werden? Wir wollen nicht, dass man so leichtfertig mit den Interessen der ländlichen Bevölkerung umgeht.
NEWS.at: Aufgrund der steirischen Budget-Probleme muss aber auf jeden Fall gespart werden. Wo würden Sie den Rotstift ansetzen?
Kurzmann: Es ist nicht unsere Aufgabe, den Sparstift anzusetzen. Wir brauchen nach der Wahl aber auf jeden Fall einen ehrlichen Kassasturz. Danach wird man weitersehen.
NEWS.at: FPÖ-Wahlplakate kennzeichnen sich ja oft durch provokante Sager. Im Vergleich zum Wiener Blut-Sujet hinken Sie ein bisschen hinterher. Sind Sie einer der Braven in der FPÖ?
Kurzmann: Das kann man so nicht sagen. Es gibt keine Braven und keine Bösen in der FPÖ. Jedes Land ist unterschiedlich, die Situation in Wien ist sicher dramatischer, in der Steiermark ist es nicht notwendig, manche Dinge so plakativ zu formulieren. Die Themen sind aber doch die gleichen. Mehrere Entwicklungen zeigen, dass es eine radikal-islamische Bedrohung gibt, und wir stellen fest, dass die Islamisierung Österreichs schon begonnen hat. Vor allem, wenn ein Vorsitzender wie Anas Schakfeh (Anm. d. Red.: Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich) ordentliche Parolen zum Besten gibt.
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