Montag, 6. September 2010

Durchbruch in deutschem Atomstreit: Lauf-
Zeit der Atommeiler um 12 Jahre verlängert

  • Stromkonzerne: Milliarden-Zahlungen für Öko-Strom
  • Berlakovich-Kritik an Plänen der deutschen Regierung

Durchbruch im monatelangen Atomstreit in Deutschland: Die Spitzen von Union und FDP haben sich auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verständigt. Die 17 Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant - gestaffelt nach älteren und jüngeren Kraftwerken.

Das teilten Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach knapp zwölfstündigen Verhandlungen im Kanzleramt mit.

Im Gegenzug werden die Stromkonzerne mit Milliarden-Zahlungen auch für den Ausbau von Öko-Strom zu Kasse gebeten. Röttgen sprach hier von einem "substanziellen Beitrag" für erneuerbare Energien, Brüderle nannte einen Betrag von bis zu 15 Milliarden Euro.

 Der im Kanzleramt ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass jüngere Kernkraftwerke - ab dem Baujahr 1980 - 14 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, ältere Meiler 8 Jahre zusätzlich. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen.

Großer BRocken weggeräumt
Bisher gilt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen. Mit der Einigung hat Schwarz-Gelb einen seiner größten Streitpunkte ausgeräumt.

Röttgen sprach von einem "großen Erfolg" für die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Energie: "Der Fahrplan in das Zeitalter der erneuerbaren Energie ist aufgestellt." Es gebe dafür eine seriöse langfristige Finanzierung und ein energiepolitisches Gesamtkonzept für die nächsten Jahrzehnte.

Brüderle nannte die Einigung ein gutes Konzept. Es würden in den nächsten Jahren 15 Milliarden Euro für die Öko-Energie "generiert". Der Umbau der Stromversorgung werde somit forciert. "Die Mühe hat sich gelohnt. Uns ist ein großer Wurf gelungen." Dies sei nicht nur wichtig für den Klimaschutz. Es gehe auch um die Technologieführerschaft Deutschlands, sagte Brüderle. 

(apa/red)

6.9.2010 07:50