Wenn der Gang zur Schule zur Qual wird:
Ein Drittel der Schüler leidet an Schulangst
- Leistungsdruck & Mobbing machen vielen zu schaffen
- Expertin: Eltern haben häufig zu hohe Erwartungen

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Wenn die Ferien zu Ende gehen, ist das nicht für jeden ein Grund zur Freude. Leistungsdruck, Mobbing und zu hohe Erwartungen können den Schulalltag zur echten Qual werden lassen. Rund ein Drittel der Schüler sind im Laufe der Schulzeit einmal von Schulangst betroffen, sagt Luise Hollerer, Leiterin der Fachsektion "Pädagogische Psychologie" des Berufverbands Österreichischer Psychologen. Genaue Zahlen lassen sich nur schwer eruieren, auch weil viele schweigen.
"Ich glaube, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt", betont Dagmar Hackl, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Wien. Viele sprechen gar nicht oder zu spät über ihre Probleme.
Leistungsdruck und Mobbing
Doch woran liegt es, dass sich Kinder vor der Schule fürchten? Häufige Auslöser sind Leistungsdruck, soziale Herausforderungen oder die Bewältigung von neuen Situationen, so Hollerer. Bei Erstklasslern kann beispielsweise die Ungewissheit vor dem ersten Schultag eine große Rolle spielen. Später haben viele mit dem Leistungsdruck zu kämpfen: Entweder stecken sich die Schüler ihre eigenen Ziele zu hoch oder sehen sich nicht in der Lage, die hohen Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen.
Doch nicht nur Eltern verlangen zu viel, auch Lehrer können einen Teil zur Schulangst beitragen. Hackl rät daher die Leistung nicht über alles zu stellen und den Unterricht ansprechend zu gestalten. "Wenn das Kind mit Freude Leistung erbringt, ist der Druck geringer", so die Pädagogin.
Daneben ist Gewalt und Aggressivität immer wieder Thema an Schulen. In jeder fünften Lehreinrichtung sind bis zu 40 Prozent der Schüler von Mobbing betroffen. "Mobbing ist ein gesellschaftliches Phänomen, das die Kinder natürlich auch von den Erwachsenen mitnehmen", so Hackl. Eine möglichen Lösungsansatz sieht die Rektorin in schulischen Programmen, in denen die unterschiedlichen Interessen der Kinder gefördert werden. "Je mehr man die Kinder für andere Bereiche interessiert, umso weniger interessieren sie sich für sich selbst", ist sie überzeugt.
Symptome
Woran erkennen Eltern, dass es ihrem Kind schlecht geht? Anzeichen von Schulängsten können sich in verschiedenen Symptomen äußern: Bauchschmerzen, Kopfweh, Verweigerungshaltung und Rückzug sind mitunter eindeutige Zeichen dafür, dass sich das Kind in der Schule nicht wohl fühlt, weiß Hollerer.
Maßnahmen gegen die Angst
Je nach Art der Schulangst sind integrative Maßnahmen, motivationsförderliche Hilfen oder Elterngespräche zur Problemlösung hilfreich.
"Lehrer können einen Gutteil dieser Schulangst abfangen, indem sie klare Anforderungen stellen und gegebenenfalls bei Schwierigkeiten die Anforderungen herunterschrauben", so Hollerer. Zudem ist der Kontakt beziehungsweise das Gespräch mit den Eltern wichtig. Präventiv hilft es, wenn Eltern über ihre Ängste, die sie während der Schulzeit erlebt haben, sprechen und erzählen, wie sie diese bewältigen konnten.
(pc)
