Montag, 6. September 2010

Regierungskrach zu Schulbeginn: Koalition
gräbt bei Bildungsdebatte das Kriegsbeil aus

  • Erwin Pröll sägt am Sessel von Ministerin Schmied
  • Unstimmigkeit über Studiengebühren neu entfacht

Pünktlich zum Schulbeginn hat die Koalition am Wochenende einen Bildungsstreit ausbrechen lassen. Gezankt wurde über eine Wiedereinführung der Studiengebühren, die von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ventiliert und von der SPÖ prompt abgelehnt wurde, sowie über die Kompetenz-Verteilung im Schulbereich. Hervor tat sich da vor allem Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, der Unterrichtsministerin Claudia Schmied kaum verklausuliert den Rücktritt nahelegte.

Die Ressortchefin konterte kühl. In der Tageszeitung "Österreich" meinte Schmied: "Heißt das, wer Reformen will, soll zurücktreten?"

Streitpunkt zwischen Pröll und der Ministerin ist das Begehr des Landeshauptmanns, alle Lehrer in den Einflussbereich der Länder zu bekommen, die bisher ja nur für die Pflichtschulen zuständig sind. Schmied hat dies in den vergangenen Tagen wiederholte Male abgelehnt. So meinte sie etwa zuletzt deutlich: "Den Kampf gegen die Föderalisierung müssen wir führen."

Pröll legte sogleich ein Schäuferl nach. Dass Schmied die Lehrer zur Gänze in Bundeskompetenz haben will, nannte er "herzig" und setzte noch weniger freundlich nach, die Unterrichtsministerin sei "durchdrungen von Machtgelüsten", während es ihm nur darum gehe, was gut für die Kinder sei. Abschließend empfahl der Landehauptmann auch noch indirekt die Entlassung der Ministerin: "Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen aus allen Lagern fragen: Wann wird diese Ministerin endlich abgelöst?"

ÖVP-Unterstützung für Pröll
Dass einzige Lager, das diese Pröll-Aussagen teilte, war freilich das eigene. VP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger verteidigte die Anwürfe des Landeshauptmanns, habe Schmied doch eine Reihe von Anlässen gegeben, die diese Meinung des Landeshauptmanns rechtfertigten. Die Ministerin solle nicht provozieren, umso mehr, als man ja mit den Ländern im Herbst eine Verwaltungsreform zusammenbringen wolle.

Die SPÖ wiederum eilte Schmied zur Hilfe. Die ÖVP solle die Ministerin bei ihrer ambitionierten Arbeit für ein modernes Schulsystem lieber unterstützen, forderte Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Ihr Kollege Günther Kräuter attestierte Pröll "einen ganz schlechten politischen Stil."

Ganz auf einer Linie fand sich die SPÖ da für einmal mit dem BZÖ. Dessen Generalsekretär Christian Ebner warf Pröll vor, "sich in seinem beginnenden Altersstarrsinn" nicht gegenüber einer Frau zu benehmen zu wissen. Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser meinte, die "Betonfraktion" in der ÖVP wolle nur vom Stillstand in der Bildungspolitik ablenken, für den sie verantwortlich zeichne.

(apa/red)

6.9.2010 07:37
Vasant, 05. 09. '10 22:28
SPÖ und ÖVP sind eine Zumutung für Österreich!
Wenn diese "Parteien", wenn man die noch so nennen
kann, ihre Zeit nicht für Brüssel und andere Streiterein
aktiv nutzen würden, dann wäre das eine Art Vorbild
Funktion ... so aber, kann man die einfach nicht mehr
ernst nehmen.

Da verdienen "Politiker" fast 20.000 Euro pro Monat
während einer Krise und bringen nachhaltig KEINE
Leistungen! Man hat uns auf eine leistungsbezogene
Gesellschaft hintrainiert und dann lebt man uns in
der Politik so ein Verhalten vor??

Meiner Meinung nach gehören da mindestens 50%
sofort suspendiert und der Rest nach effektiver
Leistung bezahlt. Und wer ned arbeitet der kann,
wie auch ein "normaler" Mensch sofort zum AMS
stempeln gehen.

Disziplin, Leistung und Einsatz ist bei ALLEN nicht
zu erkennen und Versager sitzen immer noch in
ihrem Amt! Sagt schon alles!
belwalter, 05. 09. '10 19:48
Viel Lärm un nichts
ist ja wieder mal nur viel Lärm um nichts!!
mr.sauer, 05. 09. '10 16:01
Politischer Stil
Man kann speziell in der Schupolitik unterschiedlichster Auffassung sein (Gott sei Dank), aber eines bleibt für mich unbestritten. Man kann über die Politik und Machtgelüste des Hr. Pröll streiten, unbestritten für mich ist jedoch,dass der LH einen gepflegten Sprachkultur bevorzugt. Wenn ich mir die proletenhaften Schreiduelle von Hr.Häupl und Hr.Strache anhöre, wirkt Hr.Pröll wie ein Sir.
sidestep, 05. 09. '10 21:12
Armer Mister Sauer
Sie haben das Video auf Youtube nicht gesehen, wo der ach so eine guteGesprächskultur pflegende Herr LH E. Pröll einen 72 jährigen Geistlichen vor laufender Kamera im wahrsten Sinne des Wortes "vernichtet". Hätten Sie das gesehen, würden Sie nicht so große Stücke auf den dort fast verbal "Amok" laufenden LH Erwin Pröll halten!
mr.sauer, 05. 09. '10 21:26
Re: Politischer Stil
Sie haben recht ich habe das nicht gesehen, dennoch werden sie nicht abstreiten können, dass die Sprachkultur eines Hr.Häupl oder Hr.Strache noch immer um 1000 % katastrophaler ist als jene des Hr.Pröll. Wie gesagt ich habe den von ihnen erwähnten Amoklauf nicht gesehen oder gehört. Aber während (wenn auch nicht entschuldigbar) ich es als Entgleisung werte, ist das rüpelhafte Gesprächsklima der beiden Wr.Bürgermeisterkanditaten usus und an der Tagesordnung und (mir sowieso) egal wer das Rennen macht, muss sich die Weltstadt Wien für seinen Bürgermeister von der Haarwurzel bis in die kleinste Zehe genieren.
Vasant, 05. 09. '10 22:30
Re: Politischer Stil
Hier nun das Video:

http://www.youtube.com/watch?v=GxOnpOAZXyQ

Freundlwirtschaft beim ORF haben Politiker an den Pranger
gestellt und bei den Pröll´s und der Politik ist das kein
Thema?

Ist ein Familiengrad eine Qualifikation zum Finanzminister?
Werden bei uns Ämter und Positionen also so vergeben?
sidestep, 05. 09. '10 15:04
So weit wird es wohl nicht sein
So weit wird es wohl noch nicht sein, dass die Schwarzen bestimmen wer bei den Roten zu gehen hat. Der "alte" Pröll hat zwar in NÖ das Sagen, den Faymann aber darf er nur um etwas bitten aber ihm nichts befehlen!
silbermond66, 05. 09. '10 12:41
Machtgelüste
Wer hier wohl Machtgelüste hat, Frau Minister Schmied
sicher nicht, die hatte auch schon in der Privatwirtschaft
einen guten Job, was man von Herrn Pröll nicht behaupten
kann, er ist ein Berufspolitiker und strebt wie fast alle
seiner Sorte zu immer mehr Macht.
Musician, 05. 09. '10 13:21
Re: Machtgelüste
stimmt, aber der hat mehr macht als man glaubt.. in meinen Augen mehr als unser Bundeskanzler..
Verbesserer, 05. 09. '10 12:19
Ich sehe eher bei Pröll Machtgelüste.
Er selbst wird es wohl nie bemerken wie ungeliebt er im übrigen Österreich ist.
Vasant, 05. 09. '10 22:30
Re: Ich sehe eher bei Pröll Machtgelüste.
Beide Pröll´s sind unbeliebt und machtgeil!
arbono, 05. 09. '10 11:12
Schulen
Ich hätte Hrn.Pröll besser eingeschätzt.Was will er denn??
Will er Kaiser von Österreich werden??
Die Gangtagsschule ist unbestritten und wird trotzdem von
der ÖVP abgelehnt.
Welche Interressen (wirtschaftlich) stehen dagegen???
Na ja Wirtschaft was sonst.Und das alles auf den Rücken
der Bürger die es ja zu Zahlen haben.
mr.sauer, 05. 09. '10 11:26
Re: Schulen
Vorsicht bei Fachausdrücken. Es geht hier nicht um die Ganztagsschule (dafür fehlt Geld und Personal) sondern um das Modell der Gesamtschule, das abgelehnt wird.
Rasso, 05. 09. '10 13:04
Re: Schulen
Und die Gesamtschule kann man vergessen