Regierungskrach zu Schulbeginn: Koalition
gräbt bei Bildungsdebatte das Kriegsbeil aus
- Erwin Pröll sägt am Sessel von Ministerin Schmied
- Unstimmigkeit über Studiengebühren neu entfacht
·Ist für die Note
bald Bares fällig?
Ministerin Beatrix Karl will
Gebühren für Prüfungen
·Studenten rüsten sich
für "heißen Herbst"
ÖH kündigt neue Proteste gegen Uni-Politik an
·Karl stoppt Ausbau der Fachhochschulen
Keine Mittel für geplante Expansion vorhanden
·Fehlt Unis Kreativität
beim Geldauftreiben?
NEWS: Ministerin Karl
fordert "mehr Fantasie"
·Österreicher für Uni-
Zugangsbeschränkung
Umfrage: 81 % dafür. Hälfte auch für Gebühren.
·Freier Uni-Zugang
für Karl "ein Problem"
Will Aufnahmeverfahren in den Massenfächern

Pünktlich zum Schulbeginn hat die Koalition am Wochenende einen Bildungsstreit ausbrechen lassen. Gezankt wurde über eine Wiedereinführung der Studiengebühren, die von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ventiliert und von der SPÖ prompt abgelehnt wurde, sowie über die Kompetenz-Verteilung im Schulbereich. Hervor tat sich da vor allem Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, der Unterrichtsministerin Claudia Schmied kaum verklausuliert den Rücktritt nahelegte.
Die Ressortchefin konterte kühl. In der Tageszeitung "Österreich" meinte Schmied: "Heißt das, wer Reformen will, soll zurücktreten?"
Streitpunkt zwischen Pröll und der Ministerin ist das Begehr des Landeshauptmanns, alle Lehrer in den Einflussbereich der Länder zu bekommen, die bisher ja nur für die Pflichtschulen zuständig sind. Schmied hat dies in den vergangenen Tagen wiederholte Male abgelehnt. So meinte sie etwa zuletzt deutlich: "Den Kampf gegen die Föderalisierung müssen wir führen."
Pröll legte sogleich ein Schäuferl nach. Dass Schmied die Lehrer zur Gänze in Bundeskompetenz haben will, nannte er "herzig" und setzte noch weniger freundlich nach, die Unterrichtsministerin sei "durchdrungen von Machtgelüsten", während es ihm nur darum gehe, was gut für die Kinder sei. Abschließend empfahl der Landehauptmann auch noch indirekt die Entlassung der Ministerin: "Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen aus allen Lagern fragen: Wann wird diese Ministerin endlich abgelöst?"
ÖVP-Unterstützung für Pröll
Dass einzige Lager, das diese Pröll-Aussagen teilte, war freilich das eigene. VP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger verteidigte die Anwürfe des Landeshauptmanns, habe Schmied doch eine Reihe von Anlässen gegeben, die diese Meinung des Landeshauptmanns rechtfertigten. Die Ministerin solle nicht provozieren, umso mehr, als man ja mit den Ländern im Herbst eine Verwaltungsreform zusammenbringen wolle.
Die SPÖ wiederum eilte Schmied zur Hilfe. Die ÖVP solle die Ministerin bei ihrer ambitionierten Arbeit für ein modernes Schulsystem lieber unterstützen, forderte Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Ihr Kollege Günther Kräuter attestierte Pröll "einen ganz schlechten politischen Stil."
Ganz auf einer Linie fand sich die SPÖ da für einmal mit dem BZÖ. Dessen Generalsekretär Christian Ebner warf Pröll vor, "sich in seinem beginnenden Altersstarrsinn" nicht gegenüber einer Frau zu benehmen zu wissen. Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser meinte, die "Betonfraktion" in der ÖVP wolle nur vom Stillstand in der Bildungspolitik ablenken, für den sie verantwortlich zeichne.
(apa/red)
