Straches Wahlkampf-Ballon geht in die Luft:
Nur ein Stromausfall & Stinkbomben stören
- Lugner-City: FPÖ läutet den Wiener Wahlkampf ein
- Demonstranten protestieren mittels Walzer-Flashmob
PLUS: Bilder vom FPÖ-Auftakt und den Gegendemos
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ist jetzt der Islamist?"
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Laut Umfrage ist jeder
Zweite gegen Minarette
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Anti-Minarett-Spiel ist
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·'Wir werden vor den Rechten nicht kuschen'
IGGiÖ-Chef Schakfeh verteidigt Moscheen-Plan
·Straches Wahlkampf-
Ballon geht in die Luft
Nur der Stromausfall und die Stinkbomben stören
Es hat schon eine gewisse Tradition. Wenn eine Veranstaltung der FPÖ stattfindet, hat das automatisch eine Gegendemonstration zur Folge. Wenn auch noch Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache persönlich die Nähe zur Bevölkerung sucht, dann folgt ein Straßenprotest dem anderen. Nur ein Stromausfall und mehrere Stinkbomben, die haben die gewohnte Routine etwas gestört.
Es ist unüblicherweise die Lugner-City im 15. Wiener Bezirk, in der HC, wie im Konsumtempel im Laufe des Abends immer wieder skandiert wird, den Wiener Wahlkampf einläutet. Der ansonsten frequentierte Viktor-Adler-Markt in Favoriten steht aufgrund von Terminproblemen erst am 9. September auf dem Programm. Ansonsten aber verläuft anfangs alles wie erwartet. Rund um den Konsumtempel scharen sich die Gegendemonstranten verschiedensten Ursprungs, doch vorwiegend linker Couleur. Neben Parolen, Transparenten und Miskübeln, in denen die Propaganda entsorgt werden kann, sticht vor allem ein Flashmob vor der Hauptbücherei ins Auge. Dieser, vom grünen Politiker Marco Schreuder initiiert, lässt die zahlreich erschienenen Teilnehmer zum Wiener-Blut-Walzer von Johann Strauß tanzen. Protest der charmanten Art gegen das umstrittene FPÖ-Plakat.
Warten auf den Hauptakt
Szenenwechsel: Vorbei an weiteren Demonstranten geht es in die prall gefüllte Lugner-City. Blau scheint alles zu sein, an Luftballons, Transparenten und entsprechend gekleideten Helfershelfern wurde in keinster Weise gespart. Die Nummer zwei der Landesliste, Johann Gudenus, mimt den verbalen Einheizer, während die John Otti Band in gewohnter Art und Weise den musikalischen Sidekick gibt. Alles schön und gut, doch wo bleibt er, der Hauptakt?
Will man etwas gelten, dann ist Pünktlichkeit in keinster Weise förderlich. Und so betritt Heinz-Christian Strache mit fünfzehnminütiger Verspätung den Boxring, der auf der Bühne des Lugner-City-Atriums errichtet wurde. Der von ihm hochstilisierte Kampf um Wien, das Duell mit Bürgermeister Häupl, es wird in jeder Hinsicht ausgeschlachtet. Natürlich darf beim Marsch in die Wahlkampf-Arena nicht der pompöse Sound, nicht der Nebel fehlen, den Strache bei großen Auftritten so gerne um sich hat. Der Applaus, er will zunächst nicht enden, doch er tut es schließlich doch. Operation Attacke kann nun beginnen. Tradition ist schließlich Tradition.
Zwangspause für "HC"
Doch das Unglück nimmt seinen Lauf. Gerade als Straches Stimmbänder so schön warm geredet wurden, setzt er zum Verbalangriff in Richtung Michael Häupl an, bis
ja, bis die Technik eine zehnminütige Zwangspause verordnet. Ein Stromausfall bringt Strache zum Schweigen. Doch hilft ihm das treue Publikum aus der peinlichen Klemme: HC, HC, HC. Stille hat an einem freiheitlichen Abend nichts zu suchen.
Der Saft meldet sich wieder zurück und Strache kann die lange, allseits bekannte Liste seiner Feindbilder der Reihe nach abhaken. Dem SPÖ-Bürgermeister wird in bekannter Manier ein ausgiebiger Hang zum Alkoholismus unterstellt, ein mehrwöchiger Toskana-Urlaub vorgeworfen, die gesamte SPÖ als Karikatur der einstmals stolzen Sozialdemokratie. Weiter geht es mit der ÖVP, die als Handlanger der Sozialdemokraten kritisiert wird. Die Grünen machen es Strache angesichts der internen Krise leicht, Applaus zu ernten. Und natürlich wird auch wieder scharf gegen Zuwanderung, Minarette, Sozialabbau und Raiffeisen geschossen. Womit wir wieder bei der Tradition wären.
Stinkbomben mitten in die freiheitliche Idylle
Damit, mit der Tradition, haben Stinkbomben aber überhaupt nichts zu tun. Und dass diese von Unbekannten in die Menge geworfen wurden, sorgte nicht nur für kollektives Naserümpfen, sondern trübte zumindest für ein paar Minuten die freiheitliche Idylle. Im Gegensatz dazu konnte man eine Zwischenruferin, die Strache unbedingt persönlich ansprechen wollte, zumindest ignorieren.
Es ist eine gute Stunde vergangen, als sich Strache dem Ende seines Arbeitstages nähert. Doch ein pathetischer Abschluss, der muss noch sein. Der 10. Oktober, der Wahltag in Wien, wird laut Strache ein historischer Tag sein. Denn das Ablaufdatum des Michael Häupl, das wird heute eingeläutet und am 10. Oktober umgesetzt. (
) Glück auf. Ärmel aufkrempeln. Ich brauche jeden Einzelnen von euch. Minutenlanger Applaus. Und dann die Bundeshymne. Womit die Tradition auch den Abend beendet.
(hoa)
