Keine WC-Gebühr auf unseren Autobahnen:
Rückzieher der Asfinag bei WC-Pilotprojekt
- Österreichische Autofahrerclubs lehnen Einführung ab
- Experte: Tankstellen sind die "Raubritter der Neuzeit"

Österreichische Autofahrerclubs lehnen die Einführung von Gebühren für die WC-Nutzung auf heimischen Autobahntankstellen ab. Der ARBÖ lässt ab sofort via Internet über die Frage abstimmen."Das kann man sich sparen" meinte ÖAMTC-Verkehrschef Willy Matzke. Es sei bereits seit Jahren bekannt, dass man dieser Causa in ganz Europa ablehnend gegenübersteht.
Vor allem älteren Reisenden sei diese Vorgangsweise nicht zumutbar - nicht zuletzt, da diese statistisch gesehen öfters von einem dringenden Bedürfnis geplagt werden. Er befürchtet, dass die Notdurft nun wild in Wald und Wiesen verrichtet wird. Ganz generell lehnt der Experte die Einführung einer Gebühr nicht unbedingt ab; die aktuelle Praxis weist er aber strikt zurück.
Sache der Asfinag
"Derzeit ist der ganze Vorgang widerlich", kritisiert Matzke. Wenn schon, dann müsse der Konsument im Vorhinein auf das Procedere hingewiesen werden. Immerhin werde die Asfinag von den Autofahrern finanziert - dass gerade diese dann zur Kasse gebeten werden, sei abzulehnen. Alle, die hierzulande das Autobahn- und Schnellstraßennetz benutzen, müssen ohnehin bereits Maut zahlen, betonte auch der ARBÖ.
"Auf heimischen Autobahntankstellen sind Diesel und Eurosuper im Schnitt um 15 Cent teurer als sonst. Bei diesen Preisen ist den Tankstellenbetreibern ein sauberes Gratis-WC für die Autofahrerinnen und Autofahrer wohl zumutbar", kritisierte der ARBÖ in einer Aussendung am Donnerstag. Man habe keinerlei Verständnis dafür, dass man mit diesem "zutiefst menschlichen Bedürfnis" Zusatzgeschäft machen will.
Auslöser ist Raststätte in Zöbern
Ausgelöst wurde die Aufregung durch den Fall der Shell-Tankstelle auf der A2-Südautobahn in Zöbern. Hier verlangt man seit kurzem 50 Cent für die Benutzung des stillen Örtchens. Dafür erhält man einen Gutschein, den man an dieser Tankstelle einlösen kann. Nicht für Treibstoff allerdings.
Werden nun immer mehr Tankstellen zu "Raubrittern der Neuzeit", wie Experte Matzke befürchtet? Gerade entlang der Autobahn scheinen die Betreiber generell Höchstpreise zu verlangen - nun lukrieren einige zusätzliches Körberlgeld. Gerüchten zufolge wurden bereits 77.000 Euro durch die neue WC-Abgabe eingenommen - weitere Tankstellenbetreiber hören schon die Kasse klingeln und wollen nachziehen, hieß es.
Pilotprojekt der Asfinag
Die Asfinag hat auf die heftigen Proteste der Autofahrer-Interessensvertretungen gegen die Zutrittsgebühr von 50 Cent zu Autobahntankstellen-WCs reagiert: Das Pilotprojekt, das man Shell an der Tankstelle Zöbern genehmigt habe, solle umgehend beendet werden. Man sei mit Shell diesbezüglich bereits im Gespräch, hieß es in einer Aussendung. "Weitere Pilotprojekte soll es nicht geben."
Diese Entscheidung wurde mit den Reaktionen der vergangenen Tage begründet, die gezeigt hätten, "dass ein derartiges System, das in Deutschland bereits seit Jahren gut funktioniert, in Österreich grundsätzlich abgelehnt wird", so die Asfinag. Gleichzeitig betonten die Autobahn-Betreiber, dass das System der freiwilligen Spenden zur Instandhaltung der Sanitäranlagen "aus Gründen der fehlenden Serviceorientierung nicht akzeptabel" sei. Im Rahmen des Rastplatzkonzeptes sollen 85 neue Standplätze bis 2016 zur Verfügung stehen, auf denen die Toilettenanlagen "selbstverständlich kostenlos" angeboten würden.
(apa/red)
