Mittwoch, 25. August 2010

Heinz Sichrovsky über Salzburger Unrecht

  • Karajan und Ruzicka als warnende Beispiele
  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Zu dieser fortgeschrittenen Sommerzeit, in der die Salzburger Festspiele aus der Spätblüte (Barto, Pollini, Haitink, Rattle, Kirchschlager) in den Zustand des Welkens übergehen, ist unsereins schon froh über das bevorstehende Ende. Jürgen Flimm wurde allseits aus dem Amt geprügelt, und die Bilanzen waren nicht einmal bemüht höflich.

Ich aber muss daran denken, wie man es nicht erwarten konnte, dass der als starrer Fortschrittsfeind denunzierte Karajan die Festspiele endlich räumte. Bis er tot war – das Lamentieren um ihn hob noch am nämlichen Tag an. Vom Salzburger Bürgermeister aus dem Amt gepöbelt wurde Peter Ruzicka, der die Festspiele zwischen 2001 und 2006 leitete. Was war das für eine Zeit! Harnoncourt und Kusej schufen mit „Giovanni“ und „Titus“ die bis dato letzte bemerkenswürdige Mozart-Ästhetik. Anna Netrebko und Elina Garancá wurden entdeckt, und die Netrebko sang keine Schmarren-Opern in Hollywood-Adjustierung, sondern in einer fast idealformatigen „Traviata“. Die Sänger der Ära waren bis in die Nebenrollen sensationell, ehe man den Fehler beging, den ingeniösen Besetzungschef Hussek nicht halten zu wollen. Zemlinsky und Korngold wurden Festspielkomponisten und die 22 Mozart-Opern zum Abenteuer. Ganz glaube ich es nicht: Aber wer weiß, in welchem Glanz einst die Ära Flimm erscheinen wird.

Heinz Sichrovsky

sichrovsky.heinz@news.at

25.8.2010 10:07