Knausern statt schmausen? Hunger nach
Rohstoffen macht unser Essen immer teurer
- Miese Ernten & Spekulanten lassen Preise explodieren
- Auch Bekleidung soll schon bald kostspieliger werden

·Striktes Knausern
statt dem Schmausen?
Hunger nach Rohstoffen
macht das Essen teurer
·Wohnen & Treibstoff sind teurer geworden
Juli-Inflation trotzdem auf 1,9 Prozent gesunken
Ein Königreich für einen vollen Einkaufskorb? Das könnte bald bittere Realität sein - denn ernüchternde Ernten samt spekulativer Aktivitäten sorgen dafür, dass die Preise von Gütern des täglichen Bedarfs unverhältnismäßig stark ansteigen. Konkret gefährdet sind zunächst Kaffee, Kakao und Brot. Aber nicht nur für Lebensmittel dürfen wir in Zukunft wohl tiefer in die Tasche greifen: Auch die Bekleidung könnte uns bald große Löcher in die Geldbörsen reißen.
Es ist der höchste Preis, der seit 1997 für das Pfunf Arabica auf den Tisch gelegt werden musste. Die Kaffeesorte notierte zu Handelsstart bei fast eineinhalb Euro pro Pfund - ein Anstieg, der den steilen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen bestätigt. "Wir erleben eine tolle Zeit für Produzenten", ereifert sich John Wolthers, Kaffeehändler beim brasilianischen Hersteller Comexim, "aber eine harte Zeit für Konsumenten."
Denn Missernten, die durch spekulative Geschäfte noch erschwert werden, sorgen für gravierende Versorgungsengpässe beim zweitwertvollsten Handelsgut der Welt. Bereits jetzt ist mehr als doppelt so viel für Kaffee zu löhnen wie noch vor eineinhalb Jahren. Noch halten sich die großen Röster mit Preiserhöhung zurück, "es ist aber eminent, dass eine Anhebung der Endverbraucherpreise kommt", prophezeit Rüdiger Krupp, Chefeinkäufer beim deutschen Rohkaffee-Handelshaus Rehm & Co.
Teure Croissants und unleistbares Getreide?
Lautet die einfache Lösung für Konsumenten, auf Kaffee zu verzichten? Vermutlich nicht. Denn am Frühstückstisch nagen längst weitere Preistreiber. Die spekulationsgetriebene Explosion beim Kakaopreis, die zuletzt kurzzeitig eingedämmt werden konnte, lässt beispielsweise Schokocroissants ab Herbst um satte 50 Prozent teurer werden.
Mitverantwortlich dafür ist neben dem Kakao- aber auch der Getreidepreis - und der bereitet den Ernährungsexperten weltweit die größten Sorgen. Denn Getreide ist nicht nur für entbehrbare Schokocroissants unverzichtbar, sondern auch für überlebenswichtige Brotwaren. Die schwere Dürre in Russland, einem der größten Weizenexporteure, lässt folglich vielerorts die Alarmglocken schrillen.
So auch bei Spekulanten: An den Getreidebörsen habe die Nachricht der Trockenheit laut der deutschen Umweltorganisation Germanwatch "ungehemmte Spekulation" freigesetzt, die den Getreidepreis weiter beflügelt habe. Der hat sich übrigens binnen eines Jahres fast verdoppelt - ohne, dass ein Ende des Anstiegs in Sicht wäre.
Baumwolle wird knapp
Als ob die Explosion bei Lebensmittelpreisen nicht reichen würde, dürfen sich Konsumenten allerdings auch auf eine drastische Verteuerung von Textilien einstellen. Weil sich der Rohstoff Baumwolle seit einem Jahr im Wert um bis zu 80 Prozent verteuert hat, stehen längst auch österreichische Textilbetriebe vor einer gewaltigen Herausforderung.
"Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Solche Preissteigerungen hatten wir zuletzt vor 20 Jahren", brachte Jörg Büsel, Geschäftsführer des Textilproduzenten Feinjersey die Problematik gegenüber der APA auf den Punkt. Sollte sich in den nächsten Monaten daran nichts ändern, wird der Preis unweigerlich an die Endkunden weitergegeben. Und spätestens dann werden wir das Leder unserer Geldbörsen einem Belastungstest unterziehen müssen. Und herausfinden, wie viele Löcher so eine Brieftasche überhaupt verkraftet.
(red)

