Montag, 16. August 2010

Sparen bei Kindern und Prassen fürs Auto:
Fuhrpark ist uns wichtiger als Nachwuchs

  • Fahrbarer Untersatz verschlingt jeden sechsten Euro
  • Noch mehr Geld geben wir nur für das Wohnen aus

Jetzt ist es offiziell: Österreich ist ein Volk voller Autonarren. Jeder sechste Euro, den wir ausgeben, wird in den Verkehr investiert. Während Autos, Pkw-Zubehör und Treibstoff jährlich 17 Milliarden Euro verschlingen, ist beim Nachwuchs Sparen angesagt: Für unsere Kinder geben wir inzwischen deutlich weniger aus als für den fahrbaren Untersatz.

Arme und Reiche in Österreich geben ihre Einkommen sehr unterschiedlich aus: Das unterste Einkommensviertel investiert 40 Prozent des Haushaltsbudgets in das Wohnen inklusive Energie und vier Prozent in den Verkehr. Das oberste Viertel gibt hingegen 18 Prozent für Wohnen und Energie aus, aber fast 25 Prozent für den Verkehr, geht aus einer Studie hervor, die Reinhold Popp von der Fachhochschule Salzburg für Zukunftsforschung erstellt hat.

"Es gilt: Je höher das Einkommen, desto höher der Ausgabenanteil für den Pkw." Offensichtlich signalisiere das Auto Kaufkraft und werde - wie alle Konsumerhebungen zeigten - als Unterscheidungsmerkmal immer wichtiger, folgerte Popp.

Auto schluckt jeden sechsten Euro
Durchschnittlich geben die Österreicher fast ein Fünftel des Haushaltsbudgets für Wohnen inklusive Energie aus. An zweiter Stelle steht mit über 16 Prozent schon der Verkehr: Fast jeder sechste Euro wird vom Pkw geschluckt. Die gefahrenen Kilometer haben sich in den vergangenen 40 Jahren verachtfacht, die Zahl der Pkw stieg auf das Zehnfache.

Rund 17 Mrd. Euro geben die Österreicher jährlich für das Auto, Zubehör und Treibstoff aus, führte der Zukunftsforscher aus. "Inzwischen übertreffen die Pkw-Ausgaben die Ausgaben für Kinder deutlich." Verantwortlich dafür seien insbesondere die höheren Einkommensklassen. Auch im durchschnittlichen Zeitaufwand schlage der Verkehr deutlicher zu Buche als die Kinderbetreuung. Österreich liegt der Nachwuchs eben wohl doch nicht zu sehr am Herzen.
(apa/red)

16.8.2010 16:19
mfp7764, 17. 08. '10 08:03
Wer
braucht kinder bitte-ps sind wichtig;-)
josaa, 16. 08. '10 17:00
und trotzdem geht es der Autoindustrie schlecht?
Der Staat fördert es ja noch. Gabs nicht letztes Jahr die Verschrottungsprämie, damit noch mehr Autos verkauft werden? Wie würde es der Fahrzeugindustrie denn gehen, wenn weniger Geld fürs Auto ausgegeben werden würde? Oder sind etwa die Sprittpreise und Steuern zu hoch?!?! Fazit ist, dass es ohne Auto nicht geht. Ich fahr nicht 2 Stunden mit den Öffis zur Arbeit, wenn ich es mit dem Auto in 20 Min. schaffe.
maierhofer____, 16. 08. '10 23:12
Re: und trotzdem geht es der Autoindustrie schlecht?
Ich habe daraus meine Konsequezen bezogen, ich beziehe zwar ein sehr hohes Gehalt kaufe aber nur Gebrauchte (in gutem Zustand) bis 20.000 Euro, dabei achte ich nicht auf Marken sondern nur auf Aussen- Innendesign sowie auf Verbrauch und eine Motorleistung unter 150 PS.

Zum rumheizen hab ich eine Yamaha R1, hat neu 16.000 Euro gekostet und zieht so ziemlich jedem Sportwagen davon ;)
brabus, 16. 08. '10 16:03
Autos statt Kinder
Wenn wundert es ? Schliesslich wird uns seit Jahren gepredigt, dass ein Arbeitnehmer flexibel und mobil sein muss, sodass er seine Arbeitszeiten den Erfordernissen anpassen kann. Mit der knöchernen Infrastruktur der Bahn geht das nur sehr schwer. Und was macht die Wirtschaft ? LKWs werden zu rollenden Lagerhallen auf unseren Strassen weil sich niemand mehr ein Lager vorort leisten will. Damit noch mehr Stau und mehr zeit im Auto täglich verbringen. Alles falsche Wirtschaftspolitik, kinderfeindlich und ausbeuterisch. Hoffentlich bezahlt die Autoindustrie und alles was dazugehört auch eines Tages unsere Pensionen und bietet allen Menschen ein soziales Netzwerk in dem sie in Würde alt werden können - aber vielleicht spielt man in Zukunft lieber mit Autos statt mit Enkelkindern.