Heinz Sichrovsky über komplizierte Verhältnisse
- Auch Jürgen Flimm hat gute Werke vorzuweisen
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Die Häme, mit der Jürgen Flimm nach vier Amtsjahren aus der Salzburger Intendanz eskortiert wird, mag sachlich zur Not belegbar sein. Fair ist sie nicht: Nach chaotischer, parteipolitisch vergifteter Findungsprozedur war er mit seiner Intendantenroutine der womöglich Einzige, der den Riesenapparat in marginaler Vorbereitungszeit überhaupt anwerfen konnte.
Was aber in Deutschland Standard ist Theaterleuten ohne musikalisches Spezialwissen Opernhäuser auszuliefern , geht in Österreich (noch) nicht: Hier wünscht man erstklassig dirigierte und besetzte Opernvorstellungen und erst dann die möglichst adäquate Regie. So geriet Flimm in den Teufelskreis: Hatte er szenisch etwas zu melden etwa mit Claus Guths Da-Ponte-Zyklus , logierte das Resultat im musikalischen Souterrain. Riccardo Muti wiederum nützte die musikalische Mangelwirtschaft, um zu tun, was ihm gefiel, worüber zu diskutieren gewesen wäre. Am besten fand sich Flimm in der Moderne zurecht, wobei Nonos Al gran sole und Rihms Dionysos bezeichnenderweise mehr vom Dirigenten Ingo Metzmacher als von der Szene profitierten. Zweimal aber kam es zu idealen Konstellationen: Daniel Barenboim mit Andrea Breth (Onegin) und Franz Welser-Möst mit Jossi Wieler (Rusalka) schufen großes Musiktheater. Mögen Flimm diese seine Guten Werke angerechnet werden.
Heinz Sichrovsky
sichrovsky.heinz@news.at
