Heinz Sichrovsky über die neue Oper in Salzburg
- Karajan bahnte die heutigen Triumphe an
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Erst dachte ich an eine Verwechslung, dann durchglühte mich das Hochgefühl, es geschafft zu haben: Der Pressechef der Salzburger Festspiele war am Telefon und lud mich zu einer Reprise der Oper Die schwarze Maske von Penderecki ein. Als ich dann unter anderen Handnotverlesenen im leeren Festspielhaus saß, wusste ich, dass ich Komparserie war.
Das ist 24 Jahre her. Karajan wollte sich nicht Verhinderer heißen lassen und beauftragte Spezialisten mit einem exquisiten Uraufführungsprogramm, dem das Publikum in Scharen auswich. Am vergangenen Sonntag hörte ich aus dem Festspielhaus Trampeln und Bravorufe: Eine ausverkaufte Vorstellung der Nietzsche-Oper Dionysos war zu Ende. Wenig später rauschte vor dem Lokal Triangel Applaus auf, als Wolfgang Rihm, der Komponist des Werks, erkannt wurde. Im Februar wurde an der Staatsoper Reimanns Medea gefeiert. Vor einigen Jahren fahndete man in Salzburg mit Tafeln nach Karten für Henzes LUpupa. Was wurde nicht alles unternommen, um die Gattung zu retten, Modernisten zankten sich mit Urhebern würdelosen Kitschs (Sophies Choice). Jetzt haben nach einer Phase der Resignation wieder die Meister das Kommando, die Erzähler zeitloser Menschheitsgeschichten. Zu danken ist Karajan, dem Avantgardisten, der vor zweieinhalb Jahrzehnten in die Triumphe von heute investiert hat.
Heinz Sichrovsky
sichrovsky.heinz@news.at
