Samstag, 14. August 2010

Die Privilegienritter von Wien-Schwechat:
Großzügige Pensionen für Flughafenbosse

  • Flughafen laut Rechnungshof eine Privilegienoase
  • FORMAT: Zusatzpensionen nur Spitze des Eisbergs?

Nichts als Ärger. Mit der Riesenbaustelle Skylink. Mit dem Hauptkunden AUA, der ständig Geld fordert. Und jetzt sorgt auch noch der Rechnungshof für Wirbel. Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann haben sich ihren Sommer sicher anders vorgestellt. Bereits Mitte Juni mussten sich die Flughafenvorstände bei der Schlussbesprechung mit den staatlichen Kontrolloren wegen hoher Jahresgagen rechtfertigen. Die sieben Rechnungshofprüfer kritisierten, dass 406.400 Euro im Jahr zu viel sind.

Dass der Vorstand auf seinen Erfolgsprämien beharrt, sorgte ebenfalls für Kopfschütteln, weil doch immerhin die Kostenexplosion beim Skylink von 430 Millionen Euro auf fast eine Milliarde Euro zu verantworten ist.

Doch nicht nur die Aktivgehälter sind dem Rechnungshof ein Dorn im Auge. Laut FORMAT-Informationen nehmen die Prüfer auch Anstoß an den großzügigen Pensionsregelungen für Schmid und Kaufmann. Dass die Flughafen Wien AG eine Privilegienoase für den Vorstand ist, hat sogar schon die Polizei festgestellt, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Korneuburg ermittelt. Die Behörde interessiert sich auch für häufige Upgrades von Economy- auf Business-Class, die Airport-Managern von Airlines geschenkt bekommen haben sollen. Dienstlich erworbene Flugmeilen darf der Vorstand privat einlösen, was gewöhnlichen Flughafen-Dienstnehmern prinzipiell verboten ist.

Für die Zukunft ausgesorgt
Jedenfalls haben Kaufmann und Schmid für ihre Altersruhe bestens vorgesorgt. Die beiden sitzen seit Oktober 1999 im Flughafenvorstand und haben die gleiche Ruhestandsregelung in ihrem Dienstvertrag. Demnach garantiert ihnen der Flughafen Wien eine Rente, die 40 Prozent des Jahresgrundgehalts ausmacht – umgerechnet 8.433 Euro im Monat. Eine schöne Summe, doch das ist nicht alles. Hinzu kommen Zusatzpensionen aus früheren Tätigkeiten.

Im Wissen um die fetten Pensionen seiner Kollegen will auch Finanzvorstand Gabmann das Gelände in Schwechat einmal als Superrentner verlassen. Ihm soll vom ehemaligen Aufsichtsratschef Johannes Coreth ebenfalls eine Altersversorgung von 40 Prozent des Letztbezugs zugesagt worden sein.

Doch die Zusatzpensionen sind nur die Spitze des Eisbergs. Am Flughafen gibt es offenbar eine Menge Privilegien, die neben dem Rechnungshof auch die Staatsanwaltschaft interessieren. Über den Ermittlungsstand herrscht ein Austausch: Inhalte des Rechnungshofprüfberichts werden auch der Staatsanwaltschaft Korneuburg zur Verfügung gestellt. „In den nächsten Wochen wird der Bericht dem Flughafen zugestellt. Im Anschluss daran geht er an die Staatsanwaltschaft Korneuburg, die einen entsprechenden Antrag gestellt hat“, bestätigt Rechnungshofsprecherin Doris Grabherr.

Hochegger als Berater
Die Serie von Negativschlagzeilen nimmt jedenfalls kein Ende. So arbeitete der in der Buwog-Sache unter Beschuss geratene PR- und Lobbyingberater Peter Hochegger auch für den Flughafen Wien. Rund eine Million Euro soll Hochegger laut Tageszeitung „Die Presse“ im mehreren Tranchen verdient haben. Airport-Sprecher Peter Kleemann erklärt, das verrechnete Honorarvolumen lag nur bei 230.000 Euro. Welche Beratungsleistung Hochegger zwischen Mitte 2004 und Anfang 2007 für den Flughafen konkret erbracht hat, wird nicht verraten. „Die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit war seine Aufgabe“, heißt es kryptisch, nicht aber das Thema Skylink. Dabei wäre das die ideale Spielwiese für Hochegger gewesen. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg sucht nämlich eifrig nach Personen, die von der Kostenexplosion auf fast eine Milliarde Euro profitiert haben.

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14.8.2010 13:11