Donnerstag, 12. August 2010

Anna Netrebko begeistert als Julia bei den Festspielen: "Romeo" ebenfalls umjubelt

  • Star mit weicherem Sopran und größerem Vibrato
  • Spitzenleistung auch von Polen-Romeo Piotr Beczala

Vor zwei Jahren hat die russisch-österreichische Star-Sopranistin Anna Netrebko die "Julia" wegen ihrer Schwangerschaft absagen müssen. Am Dienstag Abend aber ist Netrebko bei den Salzburger Festspielen in dieser Rolle zurückgekehrt und hat in Charles Gounods Oper "Romeo et Juliette" einen Riesenerfolg eingefahren. An Netrebkos Seite nicht weniger umjubelt wurde Tenor Piotr Beczala als "Romeo".

Auch das Mozarteum Orchester unter Yannick Nezet-Seguin, ein Großteil des Solistenensembles sowie Regisseur Bartlett Sher mit seiner leichtgängigen Inszenierung sicherten dieser Produktion auch im zweiten Aufguss das Wohlwollen des Premierenpublikums in der Felsenreitschule. Netrebkos Sopran ist ein wenig weicher geworden und das Vibrato wirkt deutlich größer. Doch mit ihrer Musikalität und vor allem ihrer dramatischen Ausdruckskraft holte sie ihr Publikum von den ersten Takten an auf ihre Seite und ließ es bis zum bitteren Ende nicht mehr los.

Spitzenleistung auch von Piotr Beczala
Auch Piotr Beczala sang und spielte in der selben Qualitätsklasse, auch wenn sein strahlend klarer Tenor nicht alle Übergänge elegant und nicht alle Spitzentöne ohne hörbare Anstrengung bewältigte. Trotzdem: Eine weitgehend gleichwertige Spitzenleistung des polnischen Romeo.

Orchester konventionell aber passend
Um einen Tick weniger konzentriert wirkte das Team Mozarteum Orchester und Yannick Nezet-Seguin, obwohl der Salzburger Klangkörper bewies, dass man ihm Oper bei den Salzburger Festspielen anvertrauen kann und soll. Die Regie des amerikanischen, vor allem im Musical erfahrenen Bartlett Sher ist ästhetisch konventionell und alles andere als experimentell-kreativ. Aber sie funktioniert kunsthandwerklich hervorragend - wie ein roter Teppich für Stars, Action und das größte Liebesdrama der Welt. (apa/red)

12.8.2010 10:53