Montag, 2. August 2010

Immer mehr Leiharbeiter in Österreich: Gewerkschaft warnt vor 2-Klassen-Firmen

  • Leiharbeiter verrichten oft gefährlichste Tätigkeiten
  • ÖGB fordert maximal 10 Prozent pro Unternehmen

Angesichts der immer noch unsicheren Konjunkturaussichten scheuen derzeit offenbar viele Unternehmen vor Fixanstellungen zurück. Seit Jahresanfang ist die Zahl der Leiharbeiter in Österreich von 50.000 auf 80.000 gestiegen, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Gefragt seien Leiharbeiter derzeit vor allem in der Autozuliefer- und Lebensmittelindustrie.

Der Chef des drittgrößten Arbeitskräfteverleihers Manpower, Erich Pichorner, verbuchte eine Steigerung um 1.200 auf 3.500 Mitarbeiter seit Jahresbeginn. "Das ist eine bisher noch nicht gesehene enorme Steigerung", sagte Pichorner gegenüber Ö1.

Gleiche Arbeitsbedingungen
Unternehmen können Leiharbeiter unkompliziert anheuern und auch schnell wieder loswerden. Pichorner verweist darauf, dass Verleihfirmen auch die gesamte Personalauswahl ("Recruiting") für die Unternehmen übernehmen. Zugleich betont er, dass die Leiharbeiter gleich hoch bezahlt werden wie das Stammpersonal in den betroffenen Unternehmen. Auch sonst achte man auf gleiche Arbeitsbedingungen.

Mitarbeiter zweiter Klasse?
Für die Gewerkschaft sind Leiharbeiter Mitarbeiter zweiter Klasse. Rene Schindler von der Produktions-Gewerkschaft Pro-Ge sagte Ö1, dass Leiharbeiter oft ohne notwendige Schulung gefährlichste Tätigkeiten verrichten müssen. In der Branche der Arbeitskräfteüberlasser sei die Zahl der Arbeitsunfälle "um ein Mehrfaches höher" als in anderen Branchen, verweist Schindler auf Statistiken der Unfallversicherungsanstalt (AUVA).

Extrem armutsgefährdet
Leiharbeiter seien auch extrem armutsgefährdet, weil sie zwischen zwei Aufträgen in der Regel nicht weiterbeschäftigt werden. Zudem laufen sie Gefahr, ihren Job schon bei der geringsten Auffälligkeit wieder zu verlieren. Die Leihfirma könne es sich nämlich nicht leisten, einen Kunden durch auffällige Mitarbeiter zu vergraulen. Die Gewerkschaft verlangt daher von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S), die Zahl der Leiharbeiter gesetzlich auf zehn Prozent der Arbeitskräfte in einem Unternehmen zu beschränken. Derzeit liege man in einigen Branchen schon darüber. (apa/red)

2.8.2010 08:25
luftifranz, 04. 08. '10 12:21
Es ist schon schauderhaft...
mit welchem Nachdruck die Wirtschaft/Firmen versuchen die Leiharbeit als das beste was es gibt anzupreisen. Es gibt ein AÜG für Verleiherfirmen. Nur wie man mit Arbeitsuchenden Menschen bei den Leiharbeitsfirmen umgeht sieht man nur wenn man mit dieser Materie befasst ist.Es werden Dienstverträge vorgelegt und schnell schnell unterschreiben.Wenn man dann mal einen Dienstvertrag von einem Leiharbeiter vor Augen hat, dann kann man nur mehr sagen, Sklavenhandel ist das.
Bedauerlicherweise schaut auch da Sozialminister Hundsdorfer bisher nur ratlos zu. Wiedereinstellungsabmachngen von Aussetzverträgen gelten nicht mal das Papier worauf es geschrieben ist.
Einfach ein Trauerspiel in einem so reichen Staat wie Österreich.
Koitsmuehle, 02. 08. '10 12:16
Leiharbeiter sind die neuen Sklaven
Du brauchst Arbeit? Dann hast Du zu nehmen was Du bekommst. Eine Einschulung? Dazu fehlt die Zeit. Arbeitsunfall? Du bist gekündigt. Keine Arbeit mehr nach kurzer Zeit, weil die Leiharbeiter im Akkord arbeiten um die Stelle zu behalten und ihnen die Hoffnung gemacht wird "fest" beschäftigt zu werden. Jede noch so unzumutbare Arbeitszeit (ob übermüdet oder nicht) wird freudig ergriffen - nicht nur in der Autozuliefer- und Lebensmittelindustrie. Firmen wo man nicht mal ansatzweise daran denken würde, beschäftigen in OÖ bis zu 60% Leiharbeiter - und alle diese sind froh einen Job zu haben.
Suhs, 04. 08. '10 10:55
Re: Leiharbeiter sind die neuen Sklaven
Eigentlich schon hammerhart in einem Land, dass sich Sozialdemokratie nennt. Das zeigt wie wichtig es ist, in welchem Dienstverhältnis man sich befindet. In meinen Augen ist das nichts anderes als Arbeit auf Werksvertragsbasis wie es viele Österreicher zu tun pflegen, teils aus freien Stücken, teils weil keine andere Wahl vorhanden ist. Diese atypischen Beschäftigungsverhältnisse mögen ja ihre Vorteile mit sich bringen wie schnelles Geld etc., jedoch sind die meisten so kurzsichtig, dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie kaum Rechte gegenüber ihrem Arbeitgeber haben und demnach auch keinerlei Versicherungen, beispielsweise im Alter.
founder, 02. 08. '10 11:26
Die EU ist der neue Ostblock
Mit dem Steuersystem zum Menschensparen und Energie vergeuden manövriert man sich systematisch in den Untergang.

Von der Schuldenkrise schwer angeschlagen, was passiert in der nächsten Ölkrise?

Für die Zeit danach
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