Nicht die feine englische Art: Doku enthüllt schreckliche Arbeitsbedinungen bei KiK
- TV-Film über den Billig-Textilhändler deckt vieles auf
- In- und ausländische Arbeitskräfte ausgebeutet
·Im Fadenkreuz
der Billigstläden
Überwachung bei KiK,
Lidl & Co Ehrensache?
·Wer im Minus ist,
der wird gekündigt
KiK soll seine Mitarbeiter ausspioniert haben
·Das Phantom, das
die Welt veränderte
Wer Aldi-Gründer Theo
Albrecht eigentlich war

Hervorragende Einschaltquoten erzielte die am Mittwochabend auf ARD gezeigte Doku Die KiK-Story über den Billig-Textilhändler. Billig, billig, billig ist dessen Devise. Möglich werden diese Preise natürlich durch die miese Bezahlung von Mitarbeitern und Ausbeutung von Nähern im Ausland, wie der sehenswerte Film zeigt.
Die Doku über den Textildiscounter KiK war bereits im April in einer früheren Fassung auf NDR gezeigt worden, damals jedoch mit einem Marktanteil von gerade einmal sechs Prozent. Dieses Mal lief sie im Hauptabendprogramm und erreichte fast vier Millionen Zuseher.
KiK-Gründer aufgespürt und konfrontiert
Die Story: KiK-Boss Stefan Heinig verhält sich ähnlich, wie es die Aldi-Brüder gemacht haben. Er scheut die Öffentlichkeit, gibt keine Interviews und lässt sich nicht fotografieren. Dennoch konnte er von den Machern der Doku aufgespürt werden. Dabei zeigt ihm NDR-Reporter Christoph Lütgert ein Bild von einem abgemagerten und offensichtlich kranken kleinen Jungen aus Bangladesch. Er konfrontiert den KiK-Gründer damit, dass die Cousine für den Jungen sorgen würde, sie jedoch für KiK arbeiten würde und sich die Behandlungskosten nicht leisten kann. Die knappe Antwort des Textil-Bosses lautet: Ich weiß schon, was sie wollen. Ich denke mir, das machen wir ein andres Mal.
Textilkonzern klagte
Wegen dieser kurzen Szene und anderen Bildern beantragte KiK die Unterlassung der Ausstrahlung, doch die Richter gaben dem NDR in acht von elf Fällen recht. Diese Szene darf genauso wie alle anderen erschütternden Szenen weiterhin gezeigt werden.
Neues Material
Das wiederum veranlasste den NDR für die nächste Ausstrahlung noch mehr Material zu sammeln und dies in den Film einzubauen. So reiste der NDR-Redakteur noch einmal nach Bangladesch, um die Näherin zu treffen. Täglich produziert sie mindestens neun Stunden lang KiK-Kleidung für 25 Euro im Monat. Dabei schneidert sie Hosen, die der Discounter für zwei bis drei Euro kauft und für 9,99 Euro in Deutschland verkauft.
Auch schlimme Bedingungen für heimische Mitarbeiter
Doch nicht nur die Näherinnen im Ausland arbeiten bei dem Discounter unter miesen Bedingungen, wie der Film aufdeckt. Auch die Mitarbeiter hierzulande werden ausgebeutet und nicht gerade rücksichts- und respektvoll behandelt. So etwa beschreibt ein Ex-Manager, der für 20 Filialen zuständig war, wie er seinen Angestellten nach Feierabend auflauern musste, um deren Taschen zu kontrollieren und nachzusehen ob sie nichts gestohlen hatten. Außerdem musste er Mitarbeiter entlassen, bei denen eine Creditreform-Auskunft negativ ausfiel. Nicht einmal die Müllgebühren wollte sich KiK leisten die Mitarbeiter mussten den Müll der Firma mit nach Hause nehmen und ihn dort entsorgen, geschweige denn Heizkosten bezahlen. Und das alles für Stundenlöhne von ca. 4,50 Euro.
Kein Statement des Konzerns
KiK wollte sich, laut Spiegel Online, nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Unternehmen erklärte nur: Für unsere Mitarbeiter sind wir Arbeits- und Chancengeber wir schaffen sichere Arbeitsplätze mit Perspektive. Ob der Konzern bei diesen Aussagen bleibt, nachdem fast vier Millionen Zuschauer das Gegenteil gesehen haben?
(red)
