Donnerstag, 29. Juli 2010

Lebensversicherung nur ein fauler Zauber?
VKI kritisiert Prämien & wenig Sicherheiten

  • Österreicher fahren auf Lebensversicherungen ab
  • Vorzeitige Auflösungen kommen sehr teuer zu stehen

Lebensversicherungen sind in Österreich ein Renner. Bei einer Bevölkerung von gut 8 Millionen gibt es über 10 Millionen Verträge. Und doch sind die Produkte lange nicht so einträglich, wie ihre Anbieter behaupten. Das beginnt bei den Prämien, geht über nicht zufriedenstellende Rückzahlungen und endet bei mangelhaften Sicherheiten, wie der Verein für Konsumenteninformation kritisiert.

Von den Prämien für eine Lebensversicherung geht zumindest ein Fünftel für die Nebenkosten auf. Nur knapp 80 Prozent werden veranlagt. Das erkläre auch die relativ geringe versprochene Rendite von 1,15 bis 2,52 Prozent, heißt es in einer Analyse des Vereins für Konsumenteninformation, die in Wien vorgestellt wurde. Der VKI dazu: "Der Sparanteil ist schlicht zu gering".

Dabei sind Lebensversicherungen in Österreich sehr beliebt: Bei einer Bevölkerung von gut 8 Millionen gibt es über 10 Millionen Verträge. "Können so viele Menschen irren? Leider ja", kommentierte dies VKI-Geschäftsführer Franz Floss. Und die Versicherungsexpertin des VKI, Gabi Kreindl: "Ich rate, keine Er- und Ablebensversicherung abzuschließen".

Wer schon eine hat, soll seinen Vertrag "optimieren" und "nicht übereilt kündigen". Wer etwa die Prämie jährlich einzahlt, erspart sich den Unterjährigkeitszuschlag, wer Prämienerlass im Krankheitsfall nicht braucht, soll darauf verzichten. Auch die Wertanpassung sollte man überdenken und vor allem für die letzten fünf Jahre aussetzen.

Keine Sicherheit auf Rückzahlung
Die gesetzliche Mindestverzinsung von derzeit 2,25 Prozent gilt nur für den veranlagten Teil der Prämien. Tatsächlich wird einem 40-jährigen Mann, der 20 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt, also in Summe 24.000 Euro, nur die Rückzahlung von 22.600 bis 23.900 Euro garantiert. Er hat also keine Sicherheit, das eingezahlte Geld zurückzuerhalten. Die prognostizierte Rückzahlung inklusive Gewinnbeteiligungen bringt nur eine Rendite von 1,15 bis 2,33 Prozent. Frauen erhalten aufgrund des niedrigeren Sterberisikos geringfügig mehr.

Rund die Hälfte der Lebensversicherungen wird vorzeitig aufgelöst. Wer dann rasch ein neues Produkt abschließt verliert auf jeden Fall, warnt Kreindl: "Hin und Her macht Taschen leer", da bei einem neuen Vertrag alle Nebenkosten neuerlich zu tragen sind.
(apa/red)

29.7.2010 12:55
Viennese, 30. 07. '10 00:18
Lebensversicherungen
Der VKI hat gute Arbeit geleistet, doch diese kam ( wie in Österreich üblich) um Jahrzehnte zu spät. Jeder Hauptschüler konnte sich ausrechnen daß diese Er-und Ablebensversicherungen kein Geschäft für den betroffenen sind, sondern ausschliesslich für die Gesellschaft. Warum eisst es doch so schön. " Die einzigen die noch Geld habne sind Banken und Versicherungen". Von wo kommen die gelder für die Prachtbauten der Versicherungen her?Weil diese kein Geld verdienen?
günza, 30. 07. '10 09:35
Re: Lebensversicherungen
Ja von außen betrachtet stimmt das. Die Aussage des VKI greift zu kurz. Die Ablebenssumme ist bereits mit Zahlung der ersten Prämie fällig sofern die versicherte Person stirbt. Das Risiko muss sich der Versicherer bezahlen lassen. Die Produkte sind heute viel flexibler als früher und man sollte sich jährlich ein wenig Zeit nehmen und seine Vorsorge zu überdenken und entsprechend anpassen. Leider ist es in der Praxis aber nicht so. Einmal abgeschlossen ist weder der Kunde noch der Berater bereit sich darum zu kümmern. Der Kunde hat keine Zeit und glaubt sowieso, dass nur wieder etwas abgeschlossen werden soll und der Berater bekommt für die Betreuung auch nichts. Honorar wird keines bezahlt und wenn der Hut brennt, dann sollte am besten alles sofort und rückwirkend gemacht werden.
Viennese, 30. 07. '10 10:59
Re: Lebensversicherungen
@günza: Danke für die perfekte Aufklärung eines Versicherungsagenten.Wie sollten Sie mir auch recht geben können, wenn sie davon leben?