Montag, 26. Juli 2010

Banken-Stresstest verhallt fast ungehört:
Finanzmärkte lassen die Ergebnisse kalt

  • Streit um Sinnhaftigkeit der großen Belastungsprobe
  • Brüsseler Volkswirt wirft EU ausgelassene Chance vor

Die am Freitag veröffentlichten Stresstest-Ergebnisse für wichtige europäische Banken lassen die Finanzmärkte kalt. Die Banktitel sind zwar mehrheitlich im Plus - "aber das wird's wohl gewesen sein", sagte Alfred Reisenberger, Chefanalyst der Credit Agricole Cheuvreux Österreich. Indes wird die Kritik an Auswirkungen und Sinnhaftigkeit der Banken-Stresstests laut.

Vom Belastungstest der Banken zeigen sich heimische Analysten nicht sonderlich beeindruckt. Die Ergebnisse sind "nicht so spektakulär ausgefallen", meinte RCB-Analyst Stefan Maxian. "Es wäre eine Überraschung gewesen, wenn es eine Überraschung gegeben hätte."

Reisenberger sieht das Vertrauen in den europäischen Bankensektor mit dem Stresstest wiederhergestellt. "Das hat sich an der Entwicklung der Banktitel an den Börsen im Vorfeld gezeigt." Auch Maxian sprach von einer "vertrauensbildenden Maßnahme".

Nach Ansicht eines Brüsseler Politikinstituts hat die EU allerdings eine große Chance verspielt. "Der Stresstest hat Leichen für tot erklärt", sagte der Leiter des Centre for European Policy Studies, Daniel Gros. "Man weiß jetzt etwas mehr, wo die Wackelkandidaten sitzen - aber wirkliche Erkenntnisse hat der Test nicht gebracht."

Weichgespülte Kriterien
Gros kritisierte die "weichgespülten" Kriterien der Belastungstests, die so lange nachgebessert worden seien, bis sie keine Überraschungen mehr boten. "Der Test ist eine verpasste Gelegenheit, um richtig im Bankensektor aufzuräumen", kritisierte der Volkswirt. Es wäre wichtig gewesen, mit dem Belastungstest auch den deutschen Landesbanken - die als Wackelkandidaten mit niedriger Kapitalausstattung gelten - auf den Zahn zu fühlen.

Nach Ansicht des Politikinstituts haben die USA besser gehandelt als die EU. "Die Amerikaner sind entschlossener rangegangen und haben die schwachen Banken gezwungen, Kapital vom Staat zu nehmen", sagte Gros. Vor gut einem Jahr hatte die US-Regierung die größten heimischen Institute zu Stresstests und - wo erforderlich - zu Kapitalerhöhungen und Staatshilfen gezwungen. In Europa wurden dagegen viele Banken schon vor dem Test mit Staatsgeld aufgepäppelt. "Hier in Europa gibt es einfach zu viele rechtliche und politische Vorbehalte gegen solche Schritte", kritisierte der Volkswirt.
(apa/red)

26.7.2010 15:03