Geheimdokumente zu Afghanistan-Krieg:
Tötung von Zivilisten wurde geheimgehalten
- Sicherheitslage im Konflikt demnach äußerst prekär
Wikileaks wurden 90.000 Militärpapiere zugespielt - Weißes Haus über Internet-Veröffentlichung empört
·USA machen Jagd auf
anonymen Aufdecker
"Akte Afghanistan" sei
"sehr reale Bedrohung"
·Tötung von Zivilisten wurde geheimgehalten
Geheimdokumente zu Afghanistan-Krieg im Netz
·"Haben Afghanistan
anfangs unterschätzt"
NATO-Generalsekretär
legt Karten auf den Tisch
·Petraeus stößt auf Widerstand von Karzai
Streit über US-Plan zur Bekämpfung der Taliban
·US-Militär-Massaker:
Soldat wird angeklagt
Irak-Video: Soll Infos weitergegeben haben

Nach fast neun Jahren Krieg in Afghanistan verlieren die USA und die Verbündeten nach geheimen Militärberichten gegenüber den radikal-islamischen Taliban dramatisch an Boden. Die Sicherheitslage für die internationale ISAF-Schutztruppe ist nach den Informationen aus mehr als 90.000 zumeist geheimen Dokumenten prekär. Sie geben auch Aufschluss über bisher nicht bekannte Fälle versehentlicher Tötung von Zivilisten bei Kommandoaktionen. Nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft soll die Führung Afghanistans ab Ende 2014 selbst für die Sicherheit des Landes sorgen.
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sowie die Zeitungen "New York Times" und "Guardian" aus London analysierten jeweils für sich die gewaltige Datenmenge der amerikanischen Streitkräfte. Sie glichen nach eigenen Angaben die Informationen mit den offiziellen Darstellungen der Lage in Afghanistan ab. Die Blätter veröffentlichten ihre Berichte am Sonntagabend zeitgleich im Internet.
Empörung im Weißen Haus
Die Unterlagen waren zunächst der Internetplattform Wikileaks zugespielt worden. Wikileaks sammelt geheime offizielle Dokumente aus anonymen Quellen, um Missstände öffentlich zu machen. Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, zeigte sich empört. "Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht wird."
Der "Spiegel" teilte mit, die Unterlagen zeigten den Krieg aus der unmittelbaren Sicht der US-Soldaten. Es geht beispielsweise um Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit. Sie sei darauf spezialisiert, Top-Taliban gezielt auszuschalten. Die Dokumente geben demnach auch Auskunft über Opfer unter Zivilisten bei den Kommandoaktionen. Viele dieser Fälle versehentlicher Tötung von Zivilisten seien bisher geheim gehalten worden, schreibt der Londoner "Guardian".
Wikileaks-Gründer Julian Assange sagte dem "Spiegel": "Das Material wirft ein Schlaglicht auf die alltägliche Brutalität und das Elend des Krieges. Es wird die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss." In der Fülle stelle das Material alles in den Schatten, was über den Krieg in Afghanistan gesagt worden sei. "Diese Daten sind die umfassendste Beschreibung eines Krieges, die es jemals während eines laufenden bewaffneten Konflikts gegeben hat (...)." Assange versicherte, dass das gesamte Material vor der Veröffentlichung auf eine mögliche Gefährdung von Soldaten im Einsatz geprüft worden sei.
Gezielte Jagd auf Taliban
Laut "Spiegel" macht eine US-Eliteeinheit namens Task Force 373 in Afghanistan gezielt Jagd auf mutmaßliche Taliban und andere Aufständische. "Oft wird den Jägern überlassen, ob sie die Zielpersonen festsetzen oder töten", schreibt das Nachrichtenmagazin auf seiner Internetseite. Es komme immer wieder zu verheerenden Irrtümern. So heißt es in einem Bericht vom Juni 2007, dass bei einem Raketenangriff auf eine Koranschule statt eines gesuchten Al-Kaida-Funktionärs sieben Kinder getötet wurden. 300 Soldaten der Task Force 373 seien abgeschirmt im deutschen Lager Mazar-i-Sharif untergebracht. Die Spezialeinheiten stünden unter direktem Kommando des US-Verteidigungsministeriums. Laut "Spiegel" sei die Lage der deutschen Soldaten im bisher eher ruhigen Norden Afghanistans bedrohlich, weil die Zahl der Kampfhandlungen und Anschläge drastisch zugenommen habe.
Die Dokumente legen auch nahe, dass der pakistanische Geheimdienst der wichtigste ausländische Unterstützer der Aufständischen sei. So werde in einem Bericht vom Jänner 2009 ein Treffen eines früheren Geheimdienstchefs mit Aufständischen in der pakistanischen Stammesregion Süd-Waziristan beschrieben. Bei diesem Treffen habe Generalleutnant Hamid Gul, der von 1987 bis 1989 Chef des pakistanischen Geheimdienstes SIS war, mit den Aufständischen einen Anschlag zur Vergeltung für den Tod eines pakistanischen Al-Kaida-Funktionärs ausgeheckt.
US-General: Gewalt wird zunehmen
US-Generalstabschef Mike Mullen warnte indes vor einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan. Über den Sommer werde die Gewalt zunehmen, sagte der Admiral am Sonntag in Kabul. Dennoch sei das Ziel der US-Regierung erreichbar, bis zum Jahresende die Wende im Konflikt mit den radikal-islamischen Taliban zu erzwingen.
Weitere Infos auf:
wikileaks.org
(apa/red)
Causa Buwog15:53
KHG-Anwalt verurteiltAnklage wegen Urkundenunterdrückung - Kanzlei weist die Vorwürfe zurück
US-Präsidentschaftswahlen15:05
Romneys Klotz am BeinDer milliardenschwere Investor macht dem Obama-Rivalen das Leben schwer
Altkanzler in Ungarn13:52
Schüssel lobt OrbanEx-Kanzler bei Konferenz in Budapest: "Regierung verdient Achtung für ihre Arbeit"
