Donnerstag, 29. Juli 2010

Nach Auseinandersetzungen mit Polizei:
Frankreich schlägt harte Linie bei Roma ein

  • Präsident Sarkozy erklärt Krawallmachern den Krieg
  • Abschiebungen und Siedlungsabrisse sind in Planung

Nach Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Polizei schlägt Frankreich eine harte Linie im Umgang mit der Volksgruppe ein. Die Hälfte der rund 300 illegalen Roma-Siedlungen im Land sollen abgerissen und Roma aus Bulgarien und Rumänien nach Straftaten umgehend abgeschoben werden, wie Innenminister Hortefeux sagte. Betroffene und Opposition kritisierten den Beschluss scharf.

Nach Angaben von Hortefeux sollen die Siedlungen von Roma und "fahrenden Leuten" in den kommenden drei Monaten geräumt werden. Roma aus Bulgarien und Rumänien sollen nach Gesetzesverstößen "nahezu umgehend" in ihre Heimatländer abgeschoben werden, wie Hortefeux nach einer Krisensitzung der Regierung sagte. Zudem sollen Steuerfahnder die Bewohner der illegalen Siedlungen unter die Lupe nehmen, da nach den Worten des Innenministers viele Franzosen "mit Recht verwundert" seien über die Größe mancher Autos der Roma.

Auslöser der Krisensitzung waren Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Polizei in der Bretagne. Frankreichs Präsident Sarkozy hatte Krawallmachern in der vergangenen Woche den "Krieg" erklärt. Die Ausschreitungen in der Bretagne verdeutlichten "die Probleme, die das Verhalten von manchen fahrenden Leuten und Roma verursacht".

Mit dem Krisentreffen handelte sich Sarkozy scharfe Kritik der Betroffenen und der Opposition ein. Ein Zusammenschluss von Roma-Organisationen drohte der Regierung mit einer Anzeige wegen "Aufstachelung zum Rassenhass". Die Betroffenen waren zu der Sitzung im Elyseepalast nicht eingeladen.

(apa/red)

29.7.2010 09:48