Montag, 13. Dezember 2010

Was soll bloß aus unseren Banken werden?
Geldhäusern droht von allen Seiten Gefahr

  • Kunden & heimische Betriebe dürfen Suppe auslöffeln
  • Sondersteuer und "Basel III" treffen uns empfindlich

Bankensteuer, Debatte um Manager-Boni, teure Staatshilfe - den heimischen Banken bleibt derzeit aber auch wirklich nichts erspart. Während Europas Geldinstitute noch ihr Stresstest-Abschlusszeugnis auswerten, wirft bereits eine neue Bedrohung ihren Schatten auf die heimische Finanzwelt: das internationale Regelpaket "Basel III", das die Stabilität der Finanzwelt verstärken soll - und Banken wie Kunden gleichermaßen in die Bredouille bringt.

"Das führt alles dazu, dass bald keine Bank mehr einen Gewinn wird machen können", ärgerte sich Walter Rothensteiner kürzlich gegenüber Ö1. Die Sorgen des Raiffeisen-Generaldirektors teilen in der Branche viele: Denn die Politik rückt Banken derzeit an mehreren Fronten zu Leibe.

Allen voran macht die geplante Bankensteuer Erste Group, Bank Austria, Raiffeisen und Co zu schaffen. Und zwar nicht nur im Inland: "Es gibt Verrückte wie in Ungarn, die diese Steuer so hoch ansetzen, dass die Wirtschaft darunter leidet", warnt IHS-Chef Bernhard Felderer vor der gefürchteten ungarischen Bankensteuer.

Eine Steuer, die am Ende nämlich erst recht die privaten Geldbörsen belasten könnte, wie WIFO-Bankenexperte Franz Hahn gegenüber NEWS.at prophezeit: "Die Einführung einer Bankensteuer in Zeiten, in denen Banken ohnehin Probleme haben, fordert geradezu heraus, dass die Institute zusätzliche Kosten auf die Kunden abwälzen. Es ist eine Scheindiskussion, anzunehmen, dass die Bankensteuer tatsächlich die Banken erwischt".

Basel III wirft Schatten voraus
Noch mehr in Mitleidenschaft könnte uns aber das geplante internationale Regelpaket "Basel III" ziehen. Das soll Kredithäuser dazu verpflichten, mehr Eigenkapital aufzubauen, bei Finanzgeschäften künftig also deutlich mehr Geldreserven einzubehalten. Während "Basel III" noch heftig debattiert wird, gibt es bereits erste Studien, die die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft messen - und dabei ein düsteres Bild zeichnen. Denn den Banken fehlt derzeit schlicht das nötige Kapital, die neuen Bestimmungen zu erfüllen. Sie müssten bei der Kreditvergabe knausern.

"Diese Regeln kosten Wachstum", warnt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl unmissverständlich. Bei der Einführung von Basel III wäre "ein Rückgang der Kreditvergabe um 10 bis 20 Prozent" zu erwarten, betont IHS-Chef Felderer, um daraufhin zu erläutern: "Funktioniert der Kreditapparat nicht, wird der Aufschwung noch langsamer, als er schon ist." Im schlimmsten Fall würde Basel III nach fünf Jahren einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von fast 2,5 Prozent verursachen. Das ließe die Zahl der Beschäftigten um 45.900 Personen und unsere Reallöhne um 1,21 Prozent schrumpfen lassen.

Für Franz Hahn liegt die besondere Dramatik von "Basel III" beim Zeitpunkt: "Basel III soll eingeführt werden", ist der WIFO-Experte zwar überzeugt, "aber sicher nicht in der Rezession." Denn die neuen Regeln würden Banken unweigerlich zu Kreditbeschränkungen veranlassen - Kredite, die Privatpersonen und vor allem Österreichs Betriebe so dringend brauchen. Sind Bankensteuer und "Basel III" damit also nur eine gut verpackte Massensteuer? Nicht notwendigerweise. Aber wie so oft könnte das Timing über Erfolg oder Misserfolg der Maßnahmen entscheiden.
(mei)

13.12.2010 14:19
BadLieutenant, 22. 07. '10 17:34
Da gibts jetzt wohl nur eines ...
Bankwerte österreich-/europaweit genau beobachten, und sobald die Aktienkurse zu schwächelnbeginnen - sofort verkaufen, am besten als Leerverkäufe.
Und dann bei tieferen Kursen billig nachkaufen ... ist doch schön, wenn einem die Politik so ein Zubrot schenkt.
geronimo75, 22. 07. '10 13:34
Arme Banken
welch tragödie. banken werden pleite gehen, weil die umwelt so gemein ist, weil man nicht mehr jedes fiese spiel mit den kundengeldern treiben kann. vielleicht passiert auch noch das schlimmste und die großen abzocker müssen ihre gehälte reduzieren. spätestens dann aber ist vermutlich grösste panik angesagt. in österreich stinkt es zum himmel hinaus und niemand mag es riechen! was soll das ganze? mit max. 4.000 euro netto könnte ein jeder manager wunderbar in österreich leben - die kommastellen haben sich aber immens verrückt - so ist es kein wunder, dass alles flöten geht
brabus, 22. 07. '10 10:53
Basel III
Jetzt tun alle so, als ob das was Neues und Unerwartes ist. Und ist es nicht mehr als logisch, dass Kreditunternehmen entsprechende Reserven und Eigenkapital haben müssen ? Von jedem kleinen Betrieb verlangt man diese Dinge, und Banken sollen ihren Betrieb aus der Kaffeekassa heraus fahren ? Entweder die hier sich sträubenden Banken und deren Manager haben keine Ahnung von ihrem Job oder wollen uns Steuerzahler nur als blöd verkaufen.
seppidemie, 22. 07. '10 11:12
Re: Basel III
neu is das nicht, aber jetzt wirds eben langsam konkret. was mich ärgert, is, dass die banken es immer wieder schaffen, sich an den kunden abzuputzen. die fahren auch jetzt noch jedes jahr hunderte millionen gewinn ein und beklagen sich dann über eine bankenabgabe....