Was soll bloß aus unseren Banken werden?
Geldhäusern droht von allen Seiten Gefahr
- Kunden & heimische Betriebe dürfen Suppe auslöffeln
- Sondersteuer und "Basel III" treffen uns empfindlich

·Banken-Stresstest
verhallt fast ungehört
Streit um Sinnhaftigkeit
der Belastungsprobe
·Gut gerüstet für das Worst-Case-Szenario
Österreichs Banken bestehen Stress-Test
·Was passiert, wenn
die Bank durchfällt?
Folgen eines Misserfolgs
beim Banken-Stresstest
·Was soll bloß aus
den Banken werden?
Den Geldhäusern droht
Gefahr von allen Seiten
·Bankensteuer bringt
Ungarn in Bedrängnis
IWF und EU stoppen die
Vergabe weiterer Kredite
·Banken drohen mit Streichung von Jobs
BA-Chef Cernko: Bis zu 10.000 Stellen gefährdet
Bankensteuer, Debatte um Manager-Boni, teure Staatshilfe - den heimischen Banken bleibt derzeit aber auch wirklich nichts erspart. Während Europas Geldinstitute noch ihr Stresstest-Abschlusszeugnis auswerten, wirft bereits eine neue Bedrohung ihren Schatten auf die heimische Finanzwelt: das internationale Regelpaket "Basel III", das die Stabilität der Finanzwelt verstärken soll - und Banken wie Kunden gleichermaßen in die Bredouille bringt.
"Das führt alles dazu, dass bald keine Bank mehr einen Gewinn wird machen können", ärgerte sich Walter Rothensteiner kürzlich gegenüber Ö1. Die Sorgen des Raiffeisen-Generaldirektors teilen in der Branche viele: Denn die Politik rückt Banken derzeit an mehreren Fronten zu Leibe.
Allen voran macht die geplante Bankensteuer Erste Group, Bank Austria, Raiffeisen und Co zu schaffen. Und zwar nicht nur im Inland: "Es gibt Verrückte wie in Ungarn, die diese Steuer so hoch ansetzen, dass die Wirtschaft darunter leidet", warnt IHS-Chef Bernhard Felderer vor der gefürchteten ungarischen Bankensteuer.
Eine Steuer, die am Ende nämlich erst recht die privaten Geldbörsen belasten könnte, wie WIFO-Bankenexperte Franz Hahn gegenüber NEWS.at prophezeit: "Die Einführung einer Bankensteuer in Zeiten, in denen Banken ohnehin Probleme haben, fordert geradezu heraus, dass die Institute zusätzliche Kosten auf die Kunden abwälzen. Es ist eine Scheindiskussion, anzunehmen, dass die Bankensteuer tatsächlich die Banken erwischt".
Basel III wirft Schatten voraus
Noch mehr in Mitleidenschaft könnte uns aber das geplante internationale Regelpaket "Basel III" ziehen. Das soll Kredithäuser dazu verpflichten, mehr Eigenkapital aufzubauen, bei Finanzgeschäften künftig also deutlich mehr Geldreserven einzubehalten. Während "Basel III" noch heftig debattiert wird, gibt es bereits erste Studien, die die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft messen - und dabei ein düsteres Bild zeichnen. Denn den Banken fehlt derzeit schlicht das nötige Kapital, die neuen Bestimmungen zu erfüllen. Sie müssten bei der Kreditvergabe knausern.
"Diese Regeln kosten Wachstum", warnt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl unmissverständlich. Bei der Einführung von Basel III wäre "ein Rückgang der Kreditvergabe um 10 bis 20 Prozent" zu erwarten, betont IHS-Chef Felderer, um daraufhin zu erläutern: "Funktioniert der Kreditapparat nicht, wird der Aufschwung noch langsamer, als er schon ist." Im schlimmsten Fall würde Basel III nach fünf Jahren einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von fast 2,5 Prozent verursachen. Das ließe die Zahl der Beschäftigten um 45.900 Personen und unsere Reallöhne um 1,21 Prozent schrumpfen lassen.
Für Franz Hahn liegt die besondere Dramatik von "Basel III" beim Zeitpunkt: "Basel III soll eingeführt werden", ist der WIFO-Experte zwar überzeugt, "aber sicher nicht in der Rezession." Denn die neuen Regeln würden Banken unweigerlich zu Kreditbeschränkungen veranlassen - Kredite, die Privatpersonen und vor allem Österreichs Betriebe so dringend brauchen. Sind Bankensteuer und "Basel III" damit also nur eine gut verpackte Massensteuer? Nicht notwendigerweise. Aber wie so oft könnte das Timing über Erfolg oder Misserfolg der Maßnahmen entscheiden.
(mei)
