Montag, 26. Juli 2010

Rücktrittsgerüchte um BP-Chef: Bekommt Hayward 14 Mio. Euro für seinen Abgang?

  • BP-Manager Bob Dudley gilt als Favorit für Nachfolge
  • Hayward soll Konzern aber weiterhin erhalten bleiben

Der Ölkonzern BP kämpft um sein Überleben als unabhängiger Weltkonzern. Alles deutet darauf hin, dass Konzernchef Tony Hayward zügig abgelöst werden soll. Nach Berichten britischer Medien ist es beschlossene Sache, dass der Amerikaner Bob Dudley sein Nachfolger wird. Die Nachricht löste Jubel an der Londoner Börse aus. Die Aktie stieg um 5,5 Prozent auf knapp 417 Pence.

Nach Börsenschluss und parallel zu einem Treffen des Aufsichtsrats berichteten mehrere Medien, dass Hayward zwar zurücktreten, aber weiter für den Energiekonzern tätig bleiben soll. Demnach soll der Vorstandschef nach heftiger Kritik an seinem Krisenmanagement bei der Ölpest im Golf von Mexiko im Oktober sein Amt aufgeben, jedoch eine andere Position übernehmen. Ein BP-Sprecher dementierte die Berichte. "Es gibt unglaublich viel Spekulationen in alle Richtungen", sagte David Nicholas der Nachrichtenagentur dpa. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen.

Hayward bleibt BP erhalten
Hayward soll den Berichten zufolge bei dem russisch-britischen Joint Venture TNK-BP einen Sitz im Aufsichtsrat bekommen. BP ist zu 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Nach FT-Angaben soll Hayward bis November in der Chefetage des britischen Energiekonzerns bleiben. Im Oktober soll er demnach als Vorstandschef zurücktreten. Als sein Nachfolger wird der Leiter des Krisenstabs, der Amerikaner Bob Dudley, gehandelt.

Rekordverluste befürchtet
Aufgrund der Ölkatastrophe wird BP möglicherweise den größten Verlust der britischen Unternehmensgeschichte bekanntgeben. Falls die zugesagten 20 Milliarden Dollar (16 Mrd. Euro) für Schadenersatz in die Halbjahresbilanz einfließen, rechnen Analysten mit einem entsprechenden Rekordverlust.

Das Ergebnis aus der normalen Geschäftstätigkeit soll sich nach Zeitungsberichten auf etwa fünf Milliarden Dollar für das zweite Quartal belaufen. Analysten bezeichnen dies als sehr anständig, doch das Interesse richtet sich angesichts der immensen Kosten vor allem auf die neue Führung und deren Strategie für BPs Überleben.

Dudley als Nachfolger gehandelt
Der voraussichtliche neue BP-Chef Dudley ist ein Amerikaner aus dem von der Ölpest betroffenen Staat Mississippi und spricht mit Südstaatenakzent. Dies könnte ihm in in den USA zugutekommen. Der Wechsel an der Spitze soll demnächst vom Aufsichtsrat beschlossen werden.

In den vergangenen Wochen wurde in Großbritannien auch über die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden Carl-Henric Svanberg diskutiert. Ebenso wie Hayward waren dem Schweden ungeschickte Äußerungen über die Ölkatastrophe vorgeworfen worden. Nach Informationen der "Financial Times" bleibt er jedoch vorerst im Amt, weil der Aufsichtsrat es für zu riskant hält, beide Spitzenmanager auf einmal auszutauschen.

Teure Abfertigung
Der erwartete Rücktritt Haywards bescherte BP keine positiven Schlagzeilen in der britischen Presse. Die Zeitungen prangerten vielmehr die Abfertigung von 14 Millionen Euro an, die der scheidende Chef ausgehandelt haben soll. Analysten aus der Wirtschaft sagten dagegen, der Aufsichtsrat habe gar keine andere Wahl gehabt, als ihm eine solche Summe zu gewähren. Ein anderes Vorgehen wäre nur denkbar gewesen, wenn Hayward dem Konzern fahrlässig oder aus bösem Willen geschadet hätte.

(apa/red)

26.7.2010 20:12
sidestep, 26. 07. '10 09:49
Gebt Ihm Aktien die im Moment noch mehr wert sind....
....den in Kürze wird man für die Dinger dann überhaupt nichts mehr erhalten. Er wäre der erste Manager, der für seine Unleistung nichts erhält!
keinauto, 26. 07. '10 06:54
BP!
Schluchz, Schluchz!!