Salzburger Festspiele starten in ihr 90.
Jahr: Letzte Intendanz für Jürgen Flimm
- Ein Überblick über die zentralen Produkionen 2010
- 59 von 192 Veranstaltungen sind bereits ausverkauft
·Ofczarek begeisterte als neuer Jedermann
Gelungener Auftakt der 90. Salzburger Festspiele
·Salzburger Festspiele
gehen in ihr 90. Jahr
Minichmayr und Ofczarek im heurigen "Jedermann"
·Fischer eröffnete 65. Bregenzer Festspiele
Wiederaufnahme von
"Aida" im Mittelpunkt
·Jonas Kaufmann wird
Stammgast in Salzburg
NEWS: Top-Tenor beehrt
Oper nun jeden Sommer
·Minichmayr: "Habe Angst vor der Sonne"
"Buhlschaft" & ihr "Jeder- mann" über ihre Rollen
Wer sich vergangenen Montag auf der Homepage der Salzburger Festspiele umgesehen hat, hat bemerkt: 59 der insgesamt 192 Veranstaltungen waren ausverkauft. Das ist - eine Woche vor der Eröffnung - fast ein Drittel aller Opern- und Theateraufführungen und Konzerte. Die Salzburger Festspiele (25. Juli bis 31. August) stellen in ihrem 90. Jahr den Anspruch eines qualitativen und quantitativen Superlatives und werden wohl auch im Sommer 2010 die nationalen und zum Teil auch die internationalen Kulturseiten dominieren.
Auffallend ist, dass sich das Publikum der Festspiele nicht nur Karten von Dauerbrennern und "logischen Hits" wie etwa "Jedermann" (der am Sonntag nicht nur als Abend-Vorstellung, sondern sogar einen Tag vor der offiziellen Eröffnung den Reigen startete) oder "Romeo & Juliette" mit Anna Netrebko reißt. Nein, auch für ausgefallene Theaterproduktionen, Liederabende, Mozart-Matineen, Kirchenkonzerte, Lesungen und sogar Auftritte des "Composers in Residence", Wolfgang Rihm, gibt es zum Teil keine Karten mehr.
"Dionysos" als Flimms einzige Urauführung
Das mag an der Krise liegen, die gar keine ist, vielleicht auch am 90-Jahr-Jubiläum, das die Salzburger Festspiele heuer begehen. Unter dem Motto "Wo Gott und Mensch zusammenstoßen, entsteht Tragödie" präsentiert Intendant Jürgen Flimm in seinem letzten Jahr (und den, so Flimm, letzten "25 Prozent harter Arbeit" seiner Intendanz) die einzige Opern-Uraufführung seiner Salzburger Zeit, und zwar "Dionysos" von Wolfgang Rihm. Pierre Audi wird diesen Mythos im Haus für Mozart in Szene setzen, Ingo Metzmacher dirigiert das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Nach der Premiere am 27. Juli und drei folgenden Vorstellungen geht diese Koproduktion nach Amsterdam und an die Deutsche Staatsoper Berlin.
Dreimal Wiener Philharmoniker
Neu kommen heuer auch Glucks "Orfeo ed Euridice" von Dieter Dorn und Riccardo Muti im Großen Festspielhaus (ab 31. Juli) und Bergs "Lulu" von Vera Nemirova und Marc Albrecht in der Felsenreitschule (ab 1. August). Erstmals zu sehen sein wird zudem eine "Elektra" von Strauss in der Regie von Nikolaus Lehnhoff und mit Daniele Gatti am Pult. In allen drei dieser Opern-Neu- und Ko-Produktionen werden die Wiener Philharmoniker im Graben sitzen. Mit den Wiederaufnahmen von Claus Guths "Don Giovanni" und Bartlett Shers "Romeo & Juliette" mit Anna Netrebko sowie einer konzertanten "Norma" mit Edita Gruberova in der Titelrolle runden die Salzburger Festspiele ihr Opernangebot 2010 ab.
Ofczarek, Minichmayr und Brandauer
Schauspielchef Thomas Oberender bringt heuer die zwei Bühnen- und Film-Jungstars Nicholas Ofczarek (Jedermann) und Birgit Minichmayr (Buhlschaft) im alten Christian Stückl-"Jedermann" von 2002 (ab 25. Juli). Auf der Pernerinsel in Hallein wird Peter Stein "Ödipus auf Kolonos" mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle neu inszenieren (ab 26. Juli). Es folgen mit "Angst" von Koen Tachelet nach Stefan Zweig (ab 28. Juli) und Jean Racines "Phädra" in der Regie von Matthias Hartmann (ab 18. August) jeweils im Landestheater zwei weitere Neuinszenierungen.
Lesungen und Picknick-Theater
Der Dichter zu Gast heißt heuer Claudio Magris, und die vier Produktionen der Reihe "Young Directors Project" kommen aus Holland, Frankreich, Deutschland und Belgien. Diverse Lesungen und ein Picknick-Theater im Schlosspark Leopoldskron ergänzen das Schauspielprogramm 2010.
Rihm und Brahms
Die zentralen Komponisten im Konzert heißen heuer Wolfgang Rihm und Johannes Brahms. Diesen beiden hat Konzertchef Markus Hinterhäuser, der ja 2011 für ein Jahr die Intendanz der Salzburger Festspiele übernehmen wird, die Reihen "Kontinent Rihm" und "Brahms-Szenen" gewidmet. In den Besetzungslisten dieser überwiegend kammermusikalischen Konzerte stehen die ohne Zweifel bekanntesten Interpreten-Namen der Gegenwart.
Große Dirigenten und ein Gast-Orchester
Die Dirigenten der fünf traditionsreichen Konzerte der Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus heißen Daniel Barenboim, Riccardo Chailly, Riccardo Muti, Christoph Eschenbach und Bernhard Haitink. Als Gastorchester kommen die Berliner Philharmoniker mit Simon Rattle, das World Orchestra of Peace mit Valery Gergiev sowie das Concertgebouworchestra Amsterdam mit Mariss Jansons. Die Solisten der Kammer- und Symphonie-Konzerte und Liederabende: Anne-Sophie Mutter, Elina Garanca, Gerard Depardieu, Martha Argerich, Matthias Goerne, Gidon Kremer, Rolando Villazon, Ian Bostridge, Anna Netrebko, Grigory Sokolov, Maurizio Pollini, Angelika Kirchschlager u.v.m.
Die Mozartmatineen des Salzburger Mozarteum Orchesters, der Young Conductor Award, das Young Singers Project, eine Schule des Hörens mit Matthias Goerne und Wolfgang Rihm, diverse Jugendprojekte und die Salzburger Festspiel-Dialoge, in der die Kraft des Mythologischen analysiert werden soll, runden das Programm der Salzburger Festspiele 2010 ab. (apa/red)
