Mittwoch, 21. Juli 2010

Ramprecht im Rücken und Pilz im Visier:
Grasser klagt und wird auch selbst geklagt

  • Ex-Mitarbeiter Ramprecht beklagt Übler Nachrede
  • Grüner Peter Pilz wegen Verleumdung angezeigt

Rund um die strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Causa Buwog werden nun zwei neue Klagen eingebracht: Michael Ramprecht, früherer Kabinettsmitarbeiter von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und von diesem selbst wegen Übler Nachrede beklagt, reicht nun seinerseits gegen Grasser eine Klage wegen Übler Nachrede ein, weil dieser ihm Erpressung vorwerfe. Grasser wiederum zeigt den Grünen Abgeordneten Peter Pilz wegen Verleumdung an, weil der Grüne ihm in seiner Klagsbeantwortung der Novomatic-Klage vorhalte, dass Grasser vom Glücksspielkonzern Novomatic bestochen worden sei.

Der Anwalt von Ramprecht, Michael Pilz, bestätigte einen Medienbericht, in dem Ramprecht seine Klage gegen Grasser näher erläutert. "Ich mache weiter", sagt Ramprecht dort, "alle Unregelmäßigkeiten müssen und werden ans Licht kommen". Ramprechts Klagsgrund: "Grasser hat wiederholt gesagt, er werde von mir seit zwei Jahren erpresst. Ein Unsinn, den ich nicht auf mir sitzen lassen kann", so Ramprecht zu "Österreich". Die Klage werde gerade vorbereitet, erklärte Anwalt Michael Pilz.

"Abgekartetes Spiel"?
Ramprecht war von Grasser wegen Übler Nachrede geklagt und vergangenen Freitag in erster Instanz teilweise freigesprochen und teilweise zu einer bedingten Geldstrafe von 3.600 Euro verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Ramprechts Anwalt legt Rechtsmittel ein und setzt auf eine Aufhebung wegen Verfahrensfehler. Ramprecht hatte Grasser vorgeworfen, die Buwog-Privatisierung wäre ein "abgekartetes Spiel" gewesen, dieser hatte das entschieden dementiert.

Der Ex-Finanzminister, gegen den selber wegen der Buwog-Privatisierung von der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch und Untreue ermittelt wird, zeigt sich bezüglich der Klage seines ehemaligen Kabinettsmitarbeiters ungerührt: "Grasser sieht der Klage mit größter Gelassenheit entgegen. Er hat nie gesagt, dass er von Ramprecht erpresst wird", so Grassers Anwalt Manfred Ainedter. Grasser sei in der Causa Buwog noch immer nicht von der Staatsanwaltschaft einvernommen worden, so der Anwalt.

Pilz wegen Verleumdung angezeigt
Gegen den Grünen Abgeordneten Peter Pilz erstattet nun Grasser Strafanzeige wegen Verleumdung - ein Offizialdelikt, das heißt, es wird vom Staatsanwalt verfolgt. Peter Pilz habe Grasser in seiner Klagsbeantwortung vor dem Handelsgericht Wien, wo die Novomatic-Klage gegen Pilz behandelt wird, vorgeworfen, dass er von Novomatic bestochen worden sei, sagte Ainedter. Hintergrund ist eine Anzeige von Peter Pilz, der bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft den Glücksspielkonzern, Grasser sowie den Lobbyisten und früheren FPÖ-Politiker Walter Meischberger wegen Bestechungsverdachts angezeigt hatte.

Vom Glücksspielkonzern Novomatic seien insgesamt 450.000 Euro an den Grasser-Freund Meischberger geflossen, davon 330.000 Euro über die Gesellschaft Valora, an der Grasser nach seinem Ausscheiden als Finanzminister beteiligt gewesen sei, hatte Pilz im Mai bei einer Pressekonferenz unter Berufung auf Einvernahmeprotokolle Meischbergers vor der Staatsanwaltschaft erklärt. Novomatic wies die Vorwürfe als "nicht nachvollziehbar und unschlüssig" zurück und klagte Peter Pilz. Die Einvernahme Meischbergers vor der Staatsanwaltschaft war im Zuge der Buwog-Ermittlungen erfolgt, wo neben Grasser auch gegen Meischberger, Peter Hochegger und Ernst Karl Plech sowie nun gegen Michael Ramprecht ermittelt wird.

(apa/red)

21.7.2010 13:49
brabus, 21. 07. '10 13:39
KHG und Co
Wird höchste Zeit diesen Sumpf trockenzulegen. KHG wehrt sich mit Gegenklagen die sich letztlich nur auf Wortklaubereien beziehen, zur Klärung eines möglichen Verbrechens (es gilt die Unschuldsvermutung) aber nicht beitragen sondern diese Ermittlungen lediglich in die Länge ziehen, was den Steuerzahler nur Unmengen an Geld kostet.
sidestep, 21. 07. '10 18:24
Re: KHG und Co
Sie werden doch nicht im Ernst glauben, dass hier auch irgendwelche Sümpfe trocken gelegt werden. Ich hoffe Sie haben kapiert, in welche Richtujg das geht. Was sollte ein Ramprecht für Beweggründe haben, dass er einen Finanzminister klagt, wenn das nicht stimmt was er sagt? Die Justiz in Österreich ist so korrupt wie in Bulgarien. Nicht ein einziges Konto von Grasser ist bisher geöffnet worden um Geldflüsse nachvollziehen zu können. Inzwischen hat der seine Spuren längst verwischt. Aber der kleine Ramprecht wird verurteilt. Der Richter, der diese Urteil gefällt hat, war wahrscheinlich geschmiert, weil er den Antrag von Ramprechts Anwalt über die Öffnung der Konten abgewisen hat. Oh Verzeihung das mit dem Schmieren war ein Irrtum den ich hiermit mit dem Ausdruck des Bedauerns widerrufe ha ha ha.