Dienstag, 13. Juli 2010

Polanskis Freilassung empört USA: Staats- anwalt zeigt sich 'überrascht und enttäuscht'

  • 'Das ist keine Frage, bei der es um Formalitäten geht'
  • Ehefrau freut sich über das "Ende eines Alptraums"
    Auch Opfer Samantha Geimer begrüßt die Entlassung

Die US-Regierung ist empört über die Freilassung des Starregisseurs Roman Polanski. "Ein 13-jähriges Mädchen wurde unter Drogen gesetzt und von einem Erwachsenen vergewaltigt. Das ist keine Frage, bei der es um Formalitäten geht", sagte Philip Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums zu der Entscheidung der Schweiz, Polanski nicht auszuliefern.

Die USA hätten kein Verständnis für die juristischen Argumente der Schweizer Behörden und würden weiter versuchen, den 76-jährigen Polanski zur Verantwortung zu ziehen. Die zuständigen US-Behörden müssten allerdings zunächst ihre Optionen prüfen, meinte Crowley.

"Überrascht und enttäuscht"
Auch die Bezirksanwaltschaft Los Angeles hat sich enttäuscht gezeigt. Er sei "echt überrascht und enttäuscht" über die Entscheidung, sagte der Bezirksstaatsanwalt Steve Cooley der Zeitung "Los Angeles Times". Zunächst stehe noch nicht fest, ob die Staatsanwaltschaft weitere Schritte einleiten werde, Polanskis Auslieferung in die USA doch noch zu erreichen. "Mr. Polanski ist schließlich immer noch wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen verurteilt", betonte Cooley.

Anwalt "glücklich"
Einer von Polanskis Anwälten, Georges Kiejman, äußerte sich dagegen erleichtert. "Ich bin natürlich sehr glücklich für Roman", betonte er gegenüber der Zeitung "New York Times" in einem Telefoninterview. Der ganze Fall sei ein "amerikanisches Missverständnis", so der Anwalt. Er hoffe, dass der Filmemacher eines Tages wieder unbehelligt in die USA reisen könne. "Intellektuell und künstlerisch ist es eines seiner adoptierten Heimatländer", so Kiejman.

Ehefrau hoch erfreut über "Ende des Alptraums"
Auch die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, Emmanuelle Seignert, hat sich erwartungsgemäß hoch erfreut darüber gezeigt, dass ihr Mann nicht an die USA ausgeliefert wird und sich wieder frei bewegen kann. "Mit großer Freude habe ich von der Freilassung meines Mannes erfahren", erklärte die französische Sängerin und Schauspielerin. "Das ist für meine Kinder sowie für mich selbst das Ende eines Alptraums, der neun Monate gedauert hat."

Sie könne es kaum erwarten, wieder ein "normales Familienleben zu führen", sagte Seigner. Dies sei besonders wichtig für ihre Kinder, die "ein solches Leiden nicht verdient haben". Polanski und die 44-jährige Seigner sind seit elf Jahren verheiratet und haben zwei Kinder im Teenageralter.

Auch Opfer begrüßt Freilassung
Auch US-Bürgerin Samantha Geimer hat sich erfreut gezeigt über den Entscheid. Sie war 1977, als sie 13 Jahre alt war, von Polanski sexuell missbraucht worden. Geimer hatte schon früher gefordert, die Verfolgung von Polanski einzustellen. In einem ausgestrahlten Interview mit Europe 1 sagte sie, sie sei zufrieden. Sie hoffe jetzt, dass der Bezirksstaatsanwalt in Los Angeles die Akte endlich und für immer schließen werde.

Freude auch in Berlin, Paris und Warschau
Die Schweizer Behörden hatten entschieden, dass der Regisseur wegen des Jahrzehnte zurückliegenden Sexualdeliktes nicht an die USA ausgeliefert wird. Die USA könnten diese Entscheidung nicht anfechten, hieß es in Bern. In Berlin, Paris und Warschau gab es freudige Reaktionen auf die Freilassung des französisch-polnischen Filmemachers.

Missbrauchsvorwürfe
Die USA werfen dem Oscar-Preisträger vor, sich in den 70er Jahren an einer Minderjährigen vergangen und sich dann der US-Justiz entzogen zu haben. Er war Ende September 2009 aufgrund eines US-Haftbefehls in Zürich festgenommen worden und stand seit Dezember unter Hausarrest. (apa/red)

13.7.2010 16:37
maoist, 13. 07. '10 19:44
passt
endlich!

so etwas muss zum scheitern verurteilt sein - die gerechtigkeit hat gesiegt.


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