Dienstag, 6. Juli 2010

EU will unbezahlte Praktika abschaffen: Sollen keinen "realen Arbeitsplatz" ersetzen

  • Mindestzuwendung sowie Sozialleistungen gefordert
  • Grund: Jugendliche sind einfach zu wenig abgesichert

Das Europaparlament will der Ausbeutung von Jugendlichen durch kostenlose Praktika einen Riegel vorschieben. In einer im Plenum angenommenen Resolution spricht sich die Straßburger Volksvertretung für die Schaffung einer Europäischen Qualitätscharta mit Mindestanforderungen für Praktika aus, darunter auch eine "Mindestzuwendung basierend auf den Lebenshaltungskosten am Praktikumsort". Verfasst wurde der Bericht von der jüngsten EU-Abgeordneten, der 26-jährigen dänischen Grünen Emilie Turunen.

Praktikanten sollen zudem einen Versicherungsschutz und Sozialleistungen erhalten. Praktika sollen Teil der Ausbildung sein "und keine realen Arbeitsplätze ersetzen", heißt es in der Resolution weiter. Daher sollten sie zeitlich begrenzt sein, die Tätigkeit und die zu erwerbenden Qualifikationen sollen klar ersichtlich sein. Die EU-Institutionen sollen diesbezüglich mit gutem Beispiel vorangehen und künftig allen ihren Praktikanten eine Mindestzuwendung zahlen sowie Sozialleistungen gewähren. Derzeit gibt es nämlich auch in der EU zwar befristete, aber unbezahlte Praktika.

Forderung nach "Jugendgarantie"
Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 21,4 Prozent in den EU-Staaten fordern die Europaparlamentarier die Schaffung einer "Europäischen Jugendgarantie", die allen Jugendlichen nach höchstens vier Monaten Arbeitslosigkeit entweder einen Job, eine Lehrstelle, eine Zusatzausbildung oder eine Kombination aus Arbeitsplatz und Ausbildung garantiert. Lobend hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang "die positiven Erfahrungen" mit dem dualen Berufsausbildungssystem "in Ländern wie Deutschland, Österreich und Dänemark". Die anderen EU-Staaten sollten ebenfalls Lehrstellenprogramme starten.

Viele nicht abgesichert
Junge Menschen seien schwerer von Wirtschaftskrisen betroffen, weil sie die letzten sind, die angestellt wurden, "und in vielen Fällen auch die ersten, die gekündigt werden", sagte Turunen. Die Zahl der Praktika nehme zu, während jene der Jobs sinke. "Das ist ein guter Hinweis dafür, dass Praktika in der Tat echte Jobs ersetzen. Und nicht nur ein paar Jobs, sondern Millionen", kritisierte die dänische Grüne. Die führe dazu, dass viele Jugendliche "zwischen dem Arbeitsmarkt und dem Studentenleben gefangen und durch nichts abgesichert" sind. (apa/red)

6.7.2010 13:34
derpradler, 15. 07. '10 16:14
Die Jugend wird permanent
beschissen. Mit jedem eingesparten Arbeitsplatz nimmt man einem jungen Mnschen seine Lebensperspektive!
mmeinung, 14. 07. '10 13:09
Praktika
Endlich einmal kommt man drauf, dass viele Jugendliche ausgenutzt und als vollwertige Arbeitskräfte in der Urlaubszeit eingesetzt werden