Donnerstag, 1. Juli 2010

Was die Traditionscafes vom Rauchverbot halten: "Ich würde mich einsperren lassen"

  • Wiener Hawelka: "Weg der Ungehorsamkeit" gehen
  • Viele Traditionscafes setzen aber auf Raumtrennung

Was lange unmöglich schien, ist nun Realität: Im Wiener Traditionscafe Hawelka darf ab sofort nicht mehr geraucht werden - zumindest bis auf weiteres. Der Familienbetrieb will bei den Behörden nämlich eine "Sondergenehmigung" erwirken, damit die Gäste künftig wieder im blauen Dunst sitzen dürfen. Ansonsten werde er den "Weg der Ungehorsamkeit" gehen, kündigte Günter Hawelka, Sohn des inzwischen 99-jährigen Kaffeehaus-Methusalem Leopold, an: "Ich würde mich auch einsperren lassen."

"Eine neue Ära hat begonnen", meinte Hawelka nicht ohne Verbitterung und mit einem Blick in das am Donnerstagvormittag leere Lokal. Das legendäre Cafe in der Dorotheergasse ist knapp 90 Quadratmeter groß und muss dank des Nichtraucherschutzgesetzes - "ein Schmarrn" - ab sofort nikotinfrei bleiben. Eine räumliche Trennung in Raucher-/Nichtraucherbereich sei nie infrage gekommen: "Das kann man bei einem Original-Jugendstilkaffeehaus nicht machen." Er hoffe nach wie vor auf eine einvernehmliche Lösung. Falls diese nicht zustande kommt, fürchtet Hawelka spätestens im Winter Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent. Derzeit kann im Schanigarten weiter gepofelt werden.

Nicht ganz so schlimm sieht es Christina Hummel, Chefin des gleichnamigen Kaffeehauses in der Josefstadt. Dort werkten am Donnerstag noch die Handwerker, um die Arbeiten an der neu eingezogenen, 10.000 Euro teuren Trennwand abzuschließen. "Ich habe mir geschworen, mir deswegen kein Magengeschwür mehr wachsen zu lassen und versuche es positiv zu sehen", erklärte sie. Das mehr als 70 Jahre alte Kaffeehaus ist 340 Quadratmeter groß, Qualmverbot herrscht nun in dem knapp größeren der beiden getrennten Bereiche.

Raumtrennung eine "Verschandelung"
Für Stammgast Eduard, der seit seiner Lehrlingszeit, also rund 60 Jahre, ins Hummel geht, gehört zum Kaffee "ein gutes Zigarrerl" dazu. Die Raumtrennung sieht er als "Verschandelung": "Man hat zwar die Tischler und Glaserer beschäftigt, aber ob die Sache sinnvoll und zweckmäßig ist, bezweifle ich." Er sei früher auch oft ins Griensteidl gegangen, seitdem das ehemalige Literatencafe vor einiger Zeit komplett auf Glimmstängelverbot umgestellt hat, müsse man dort aber auf ihn verzichten. Hans wiederum ist "toleranter Ex-Raucher" und besucht seit 35 Jahren das Hummel. Er werde auch künftig nicht im Nichtraucherraum sitzen, "sondern hier mit meinen Raucherfreunden an der Bar". In reinen Speiselokalen befürworte er das Rauchverbot hingegen schon. Auf Raumtrennung setzt man beispielsweise auch im Orient & Occident am Naschmarkt, im Cafe Weidinger gegenüber der Lugner City oder im Wirr in der Burggasse.

Gänzlich rauchfrei ist hingegen ab sofort das bekannte Cafe Eiles. Die Entscheidung habe weniger mit dem finanziellen Aufwand bei einem Umbau zu tun, man habe das Kaffeehaus nicht verunstalten wollen, versicherte eine Serviererin. Am Vormittag waren im 300 Personen fassenden Cafe nur wenige Plätze besetzt, was im Sommer aber normal sei. "Es wird sich erst im Winter zeigen, wie es funktioniert", hieß es. Auch im Cafe Sperl in Mariahilf darf ab sofort nicht mehr gequalmt werden.

"Relativ locker" ist man in Linz
Nicht nur in Wien, sondern etwa auch in der oberösterreichischen Landeshauptstadt, ist das neue Gesetz Thema: Im Linzer Traditionscafe Traxlmayr kümmerte sich allerdings keiner um das Ende der Übergangsfrist: Der Großteil der Gäste saß ob des schönen Wetters im Freien, selbst im Raucherbereich im Inneren qualmten nur zwei Personen. Chef Ulrich Traxlmayr sieht die Regelung "relativ locker", wie er im Gespräch mit der APA sagte: "Wir haben unsere Aufgaben gemacht." Raucher- und Nichtraucherbereich sind bereits seit Februar durch eine Glaswand getrennt, nun wurde noch eine Tür eingezogen. Die Umbauarbeiten inklusive Erneuerung der Lüftungsanlage hätten in Summe rund 20.000 Euro gekostet, so der Kaffeehausbesitzer.

(apa/red)

1.7.2010 13:53
einWiener, 08. 08. '10 14:52
Rauchergesetz
...finde es schlimm als raucher in meinem eigenen lokal nicht rauchen zu dürfen, sollte jedem lokal besitzer selbst überlassen werden was er macht....habe mehr raucher gäste als nicht raucher, also wer den rauch nicht mag muss ja nicht in mein lokal kommen hab es nicht notwendig!!
einWiener, 08. 08. '10 14:47
Rauchergesetz
...als nächstes kommt dann alkohol verbot was genauso zu bewerten ist wie die raucher und dann??? nennt man das nicht diktatur ??!!
skorpion1100, 01. 07. '10 19:57
an@alfredfritz
Das ist mit Sicherheit keine Ignoranz der Gastronomie!! Auch scheinen Sie zu vergessen das genau DIE es ist die die Umsätze bringt in den Turisten-Zentren; zum einen, und Stadt und Staat Kassiert zB. Getränke-Alkohol-Mehrwert etc Steuern. Nur aber eine Frage noch. Was wäre wenn in Österreich JEDER zum Rauchen und Autofahren aufhören würde? Dann wären wir das nächste Griechenland !! Ist zwar etwas überspizt aber sicher nicht weit davon entfernt. Ich für meinen Teil lasse mir meine Zigaretten nicht von einem Militanten Nichtraucher vermießen, ich weiß sehr wohl selber was ich schon seit mehr als 30 Jahren TUE!! Bei mir gehört zu einem Guten Kaffee nach dem Essen eine Zigarette, kann ich das nicht brauch ich auch das Essen im Rest. NICHT und Esse zu Hause. Kommt Nebenbei noch BILLIGER !!
Viennese, 01. 07. '10 19:52
Als Nichtraucher...
verstehe ich diese selbernannten " rauchersheriffs" nicht. Denn manchesmal habe ich das Gefühl daß man wieder in Zeiten zurückkehrt welche eigentlich seit 65 Jahren vorbei sein sollten. Der " Blockwart" feiert Auferstehung! Warum macht man es nicht einfach und gibt jedem das Recht das Lokal zu besuchen das er möchte. Einfach groß und deutlich bekanntgeben daß man ein Raucher-oder ein Nichtraucherlokal sei. Denn wenn ich ein Lokal aus bestimmten gründen nicht besuchen will, dann gehe ich auch nicht hinein. Alle Befürworter haben nämlich auf eines vergessen: auf ca €200 Millionen pro jahr an Steuergelder die durch die Tabakprodukte lukriert wurden. Von irgendwo holt sich der Finanzminister doch dieses Geld. Das heißt höhere Steuern, vielleicht auf die Speisen im Nichtraucherlokal.
founder, 01. 07. '10 16:18
Was macht ein Raucher im Hawelka
neilich sitz' i umma hoiba zwa im hawelka
bei a poa wuchtel'n und bei an bier
auf amoi gibt's beim eingang vuan an mord's trara
weu a Raucher kummt eine bei der tür'
da oide hawelka sagt: "suach ma an platz"
owa sie macht an patz'n bahö'
weu sie mant, dass sowas da net geht
und er soll si schleich'n, aber schnö

jö schau, so a sau, jössas na
was macht a Raucher im hawelka
geh wui, oiso pfui, meiner söh
hörst i schenierat mi an seiner stöh
einer ruaft: "a wahnsinn,
gebt's eam was zum ausdämpfen!"
jö schau, so a sau, jössas na
was macht a Raucher im hawelka

der ober fritz sagt: "wir sind hier ein stadtcafé
und was sie da mach'n is a schweinerei"
alfredfritz, 01. 07. '10 16:47
Re: Was macht ein Raucher im Hawelka
Sehr gelungene Idee. Vielen Dank dafür!
Dantine, 01. 07. '10 18:00
Re: Was macht ein Raucher im Hawelka
S U U U U U P E R !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gratuliere! Sehr gut!
alfredfritz, 01. 07. '10 15:44
Die Ignoranz bedeutender Teile der Gastronomie ist ein Skandal...
...vor allem aber die teils übergriffigen Stellungnahmen vieler Raucher, wie z.B.:
- Die Nichtraucher sollen halt woanders...
- wir belästigen die Nichtraucher ja auch nicht

Zu letzterer Aussage: Nein, Sie verehrte Raucher, die sich so verhalten, belästigen nicht sondern, bringen gleich um.

Und wenn Teile der Gastronomie Angst vor dieser eklatanten Rücksichtslosigkeit haben, gibt es nur eine Antwort:
BOYKOTT
kommerzialrat, 01. 07. '10 17:18
Re: Die Ignoranz bedeutender Teile der Gastronomie ist ein Skandal...
Endlich ein Kommentar als Kontrast zur natürlich stets tendenziösen Berichterstattung von News zu dem Thema.
Dantine, 01. 07. '10 18:07
Re: Die Ignoranz bedeutender Teile der Gastronomie ist ein Skandal...
Sehr intelligenter Einwand!
Chapeu - Sie sind wirklich eine Intelligenzbestie!

Was stört Sie daran, wenn Raucher - mit Recht - sagen, dass keiner einen Nichtraucher zwingt, in ein Lokal zu gehen und sih zu Rauchern an den Tisch zu setzen? (Machen übrigens sehr viele Nichtraucher, weils bei Rauchern gemütlicher ist!)

Ihr Einwand ist fürn OA................! Der zeigt nur, dass Sie Menschen, die vielleicht nur das eine Laster haben, oder einfach rauchen, weils ihnen schmeckt, bevormunden und ihnen ein Recht beschneiden!
Ich schlage vor, Sie sellen sich im Winter jeder Stunde, oder 2 vor die Tür bei -15°, oder sie verschwinden iregndwo im Wald, oder auf der Heide, da gibts keine Raucher, die Sie ärgern können!

Ich habe die Nase gestrichen voll von solchen aggressiven Antirauchern!
Dantine, 01. 07. '10 18:08
Re: Die Ignoranz bedeutender Teile der Gastronomie ist ein Skandal...
Ah ja, sind Sie bereit, die ausfallenden Steuern zu bezahlen? Wahrscheinlich sind Sie eh so einer, der von den Steuern lebt!
Viennese, 01. 07. '10 23:07
Re: Die Ignoranz bedeutender Teile der Gastronomie ist ein Skandal...
Boykott? na gut, dann bleiben Sie eben zuhause! Wird wahrscheinlich niemandem auffallen!