Weißrussland lenkt ein: Eskalation des Gasstreits mit Russland scheint abgewendet
- Schulden werden innerhalb von 2 Wochen beglichen
- Gazprom: Unbezahlte Rechnungen von 155 Mio. Euro

Im Gasstreit mit Russland lenkt das benachbarte Weißrussland ein: Die Schulden für russische Gaslieferungen sollen innerhalb von zwei Wochen beglichen werden, wie die weißrussische Regierung mitteilte. Wenige Stunden zuvor hatte Russland den Druck in dem seit Tagen andauernden Streit erhöht und eine schrittweise Drosselung der Lieferungen angekündigt.
Laut Gazprom schuldet Weißrussland dem Konzern noch 192 Mio. Dollar (155 Mio. Euro) für Gaslieferungen. Die weißrussische Regierung hingegen warf dem russischen Energieriesen vor, dieser habe 200 Mio. Dollar Gebühren für den Gastransit durch Weißrussland nicht bezahlt.
Konflikt um Schuldentilgung
Zuvor teilte Gazprom-Chef Miller noch mit: "Weißrussland erkennt seine Gasschulden an, schlägt aber vor, diese mit Maschinen, Ausrüstung und anderen Waren zu begleichen." Medwedew betonte, dass Russlands Gasrechnungen in "harter Währung" zu begleichen seien. Gazprom verlangt von Minsk 192 Mio. US-Dollar (155 Mio. Euro).
In der vergangenen Woche hatte Gazprom angekündigt, die Lieferungen um 85 Prozent zu drosseln. Daraufhin drohte Weißrussland am Wochenende mit einem Anzapfen der Transitleitungen nach Westen. Gazprom will dann sein Gas unter Umgehung Weißrusslands durch die Ukraine nach Polen pumpen.
"Illegal und unbegründet"
Weißrussland hat das Drosseln der Gas-Lieferungen als "illegal und unbegründet" kritisiert. Gazprom spreche stets nur von angeblichen Schulden Weißrusslands und "täusche" damit Medwedew, teilte der Gasversorger Beltransgas in Minsk mit. Gazprom schulde aber Weißrussland auch Geld, und zwar für den Transit von russischem Gas in den Westen.
Anfang des Jahres hatten Minsk und Moskau einen neuen Liefervertrag für Gas vereinbart, den Weißrussland aus Sicht des mächtigen Nachbarn nicht erfüllt. Der neue Streit gilt auch als politisch motiviert. Der autoritäre weißrussische Präsident Lukaschenko hatte den Kreml immer wieder mit politischen Angriffen gereizt.
Entwarnung von OMV
Der österreichische Mineralölkonzern OMV hat unterdessen Entwarnung gegeben. Die OMV beziehe Erdgas auch über langfristige Erdgaslieferverträge aus Russland. Diese Importe von Russland werden über die Brotherhood-Erdgaspipeline über die Ukraine und die Slowakei direkt zum Erdgasknotenpunkt Baumgarten geliefert. "Wir sind daher von möglichen Liefereinschränkungen von Erdgas nach oder durch Weißrussland nicht betroffen", heißt es in einer Erklärung des Unternehmens.
(apa/red)
