Luxusyacht statt Ölkatastrophe: BP-Boss
Hayward gönnt sich Auszeit bei Segelregatta
- Brite zieht Krisensitzungen einen Segelausflug vor
- Ölkonzern kratzt bereits seine Milliarden zusammen

·Musikstars rufen zum
Boykott von BP auf
Konzern strebt Anleihe von fünf Mrd. Dollar an
·Rückzugsbefehl für BP-Chef Tony Hayward
Robert Dudley löst ihn
als Krisenmanager ab
·Öl könnte noch vier Jahre lang sprudeln
"Kopfwäsche" für BP-Chef
vor dem US-Kongress
·Obama zwingt BP zu 20-Milliarden-Fonds
US-Präsident spricht sich für saubere Energie aus
·Bereits 70 Personen
in Louisiana erkrankt
Ölpest: Skurrile Wette - BP-Aktie bricht weiter ein
·Kampf gegen Ölpest dauert noch Monate an
Ende der Arbeiten erst im späten Herbst erwartet
"Meine Trauer wächst mit jedem Tag des Unglücks", war BP-Chef Tony Hayward vergangene Woche noch am Boden zerstört. Doch der Brite weiß eben, wie man einen durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verursachten seelischen Schmerz rasch lindert: Denn bei allem Mitgefühl für die von der Ölpest betroffenen amerikanischen Küstenbewohner - für ein entspanntes Yachtregatta-Wochenende mit der eigenen Luxusyacht muss immer Zeit sein.
Gerade einmal 700.000 Dollar ist "Bob" wert. Ein Taschengeld im Vergleich zu den Milliardenschäden, die die versunkene Ölbohrinsel im Golf von Mexiko verursacht hat. Und doch schlägt "Bob", die extravagante Luxusyacht von BP-Vorstandschef Tony Hayward derzeit hohe Wellen. Denn mit diesem Spielzeug hat der Brite vergangenes Wochenende allen Frust und Ärger schnell einmal hinter sich gelassen - um an einer exklusiven Yachtregatta teilzunehmen.
Ein nobler Zeitvertreib, dem die Fischer der amerikanischen Südküste allerdings weniger abgewinnen können. "Wir können nicht einmal mehr zum Fischen rausfahren, und er geht zu Yachtrennen", nimmt Küstenbewohner Bobby Pitre dem BP-Chef einiges übel. "Ich wünschte, wir könnten uns auch einmal einen Tag frei vom Öl nehmen."
Auch in der Politik ist man wenig begeistert von Haywards Yachtausflug. Rahm Emanuel, Stabschef von Barack Obama, ätzt nun: "Das ist eine lange Liste an PR-Patzern und Fehlern. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass Tony Hayward keine zweite Karriere als PR-Berater anstreben sollte." In Wirklichkeit sollte es nämlich um wichtigere Fragen gehen: "Können wir das Öl stoppen? Bereiten wir uns auf den Schadenersatz vor? Biegen wir das Dilemma wieder gerade?", wünscht sich Emanuel Antworten von Haywards.
Konzern steht hinter seinem Boss
Obwohl BP mit Haywards PR-Supergau keine rechte Freude haben dürfte, hält man dem Vorstandsboss nach außen hin die Stange. Ein Konzernsprecher betont, dass Hayward nur etwas Zeit mit seinem Sohn verbracht habe, gleichzeitig aber über die neuesten Ereignisse in Kenntnis gesetzt wurde und volles Kommando über die Konzernaktivitäten hatte.
Inzwischen aber hat sich auch beim Konzern die Erkenntnis durchgesetzt, dass man sich für Schadenersatz wappnen müsse: Von allen Seiten kratzt der Ölmulti nun Geld zusammen. Satte 50 Milliarden Dollar sollen bereitgestellt werden, um Geschädigte zufriedenzustellen. Doch vermutlich wird selbst alles Geld dieser Welt nicht reichen, um das Image von BP zu retten - wenn sich der Konzernboss weiterhin auf Yachten statt bei Krisensitzungen fotografieren lässt.
(mei)
