Afrikas Teams vor der Bankrotterklärung:
Schlimmstes WM-Debakel seit 1982 droht
- Nur Ghana kann aus eigener Kraft weiterkommen
- Mangelnde Kontinuität und Zerrissenheit als Probleme

Es sollte die Fußball-WM Afrikas werden. Pele prophezeite sogar einen afrikanischen Weltmeister. Aber noch bevor die Gruppenphase vorbei ist, droht den sechs afrikanischen Teams ein Desaster: Nur noch Deutschlands Gegner Ghana kann das Erreichen des Achtelfinales aus eigener Kraft schaffen. Und sollten am Ende alle sechs Mannschaften vom Mutterkontinent scheitern, dann wäre es das schlimmste Debakel seit 1982, als zuletzt kein afrikanisches Team die Gruppenphase überstanden hatte. Damals hatte Afrikas Verband aber nur zwei WM-Plätze gehabt.
Die Misere der Mannschaften mit ihren Superstars europäischer Spitzenvereine und einer Goldgrube von Talenten zu Hause weckt auch bei Afrikanern bittere Erinnerungen an alte Vorurteile. Dass auch der Fußball nicht unberührt bleibt von all der Zerstrittenheit, den Machenschaften und der Korruption, dem Mangel an Kooperation und an Disziplin auf dem afrikanischem Kontinent.
Manches, was dem Fußball abträglich scheint, kommt sympathisch daher: Als Südafrikas Team zum zweiten WM-Spiel gegen Uruguay am Nationalfeiertag im Stadion von Pretoria ankam, stiegen die Kicker, 90 Minuten vor dem Spiel, fröhlich tanzend und singend aus dem Bus. Vermutlich ein Alptraum für einen Trainer, der konzentrierte Hochleistungsträger braucht. Auf dem Platz war es dann aber vorbei mit lustig, die 0:3-Niederlage bedeutete praktisch das Aus für den Gastgeber.
Schleudersitz Traineramt
Wie viele Dachverbände in Afrika gilt auch der südafrikanische Fußballverband als korrupt. Zudem liefern sich hier seit langem der schwerreiche Unternehmer Irvin Khoza und WM-OK-Chef Danny Jordaan hinter den Kulissen einen erbitterten Machtkampf. Sicher trägt all das mit dazu bei, dass Südafrikas Team heute deutlich schlechter eingestuft wird als noch in den 1990er Jahren, als 1996 im eigenen Land der Afrika-Cup geholt wurde.
Was für Afrikas Politik gilt, wirkt auch im Fußball. Unstetigkeit und Richtungswechsel gehören zum Alltag. Beispiel Trainerwechsel, die zu den Markenzeichen afrikanischer Nationalmannschaften gehören: Im vergangenen Jahrzehnt gab es in Südafrika sieben, in Nigeria acht, in der Elfenbeinküste neun und in Kamerun sogar zehn Teamchef-Wechsel.
(apa/red)


















