Freitag, 18. Juni 2010

Wie man sich am besten krank hungert: Internetseiten werben für Essstörungen

  • Motiviert User, Anorexie und Bulimie beizubehalten
  • Tipps, wie man die Magersucht am besten verbirgt

Hunderte Homepages werben im Internet für Essstörungen. Interessierte finden dort Tipps, wie sie möglichst schnell viel abnehmen, wie sie eine Magersucht vor der Familie verbergen, oder wie man am besten nach dem Essen erbricht.

"Einige Seiten enthalten gefährliche Ideen und verstörendes Material, die die Nutzer dazu motivieren sollen, essgestörtes Verhalten beizubehalten", sagt Studienautorin Dina Borzekowski von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, die mit Kollegen 180 Internetseiten systematisch unter die Lupe genommen hat.

Kranke Werbung
Anorexie oder Magersucht betrifft etwa ein Prozent junger Frauen. Bei der etwa doppelt so häufigen Bulimie erleiden die Betroffenen Essattacken und versuchen anschließend, das Gegessene zu erbrechen. Laut Studie waren 91 Prozent der Internetseiten frei zugänglich, 85 Prozent warben für Magersucht, etwa mit Fotos von dürren Prominenten. 83 Prozent gaben konkrete Tipps für Magersucht und Bulimie. Immerhin 38 Prozent der Seiten enthielten aber auch Hinweise für eine Abkehr von dem überzogenen Schlankheitsideal.

Die vielen Gesichter der Krankheit
"Diese Seiten sind ziemlich unterschiedlich", sagt Studienleiterin Rebecka Peebles von der Universität Stanford. Das spiegle die widersprüchlichen Gefühle der Betroffenen wider. "Viele Menschen mit Essstörungen haben Tage, an denen sie genesen wollen, und Tage, an denen sie daran überhaupt kein Interesse haben", erklärt sie. "Die Seiten reflektieren die individuellen Charaktere der Menschen, die sie besuchen." (apa/red)

18.6.2010 11:57