Samstag, 19. Juni 2010

"Wir waren immer nur eines - unabhängig":
Dichand junior in den Fußstapfen des Vaters

  • WAZ will ihren 50 Prozent-Anteil nicht verkaufen
  • Deutsche überlegen zweiten Chefredakteur in Wien

Christoph Dichand, Chefredakteur der "Kronen Zeitung" und Sohn des verstorbenen Hans Dichand, ist in der Samstag-Ausgabe der "Krone" schon einmal in die leitartiklerischen Fußstapfen seines Vaters getreten. In einem Kommentar für die Tageszeitung betonte der Chefredakteur die große Bedeutung der Unabhängigkeit für die Tageszeitung.

"Wenn wir eines in unser Herzblut aufgenommen haben, dann ist es Unabhängigkeit. Viel hat man uns nachgesagt, wir seien eine linke Zeitung, dann wieder zu weit rechts, zu konservativ, fast schon ein Kirchenblatt. In Wahrheit stimmt das alles nicht, denn wir waren immer nur eines - unabhängig", schreibt Dichand junior.

WAZ will Anteile behalten
Die deutsche WAZ will ihren 50 Prozent-Anteil an der "Kronen Zeitung" nach Hans Dichands Ableben jedenfalls nicht mehr verkaufen. Dies erklärte Bodo Hombach, einer der WAZ-Bosse, im "Handelsblatt". Die WAZ und Hans Dichand teilten sich bisher die "Krone"-Anteile im Verhältnis 50 zu 50. Nach dem Tod von Hälfteeigentümer Hans Dichand erhält die WAZ nun automatisch mehr Eigentümerrechte.

Zweiter Chefredakteur soll her
Die Verlagsgruppe überlegt nun auch die Installation eines geschäftsführenden Chefredakteurs in der "Kronen Zeitung", wie WAZ-Geschäftsführer Nienhaus der APA sagte. Unterdessen hat die WAZ bereits im Frühjahr wieder einen Geschäftsführer in der "Krone" eingesetzt. Gemeinsam mit dem für die Familie Dichand agierenden Wolfgang Altermann sei nun Axel Kroll, Justiziar der WAZ, Geschäftsführer für die Zeitung tätig. Hans Dichand hatte bis zu seinem Tod die Position des allein vertretungsberechtigten Geschäftsführers inne, eine Position, die nicht vererbbar war.

Die Geschäftsführung wird künftig paritätisch besetzt, Dichands Erben und die WAZ entscheiden in wirtschaftlichen und personellen Fragen gleichberechtigt. Das Vorschlagsrecht für den "Krone"-Chefredakteur - seit 2003 ist das der von Dichand senior eingesetzte Christoph Dichand - liegt allerdings weiter bei der Familie Dichand.

Zuletzt hatte Dichand über Monate hinweg versucht, den 50 Prozent-Anteil der WAZ zurückzukaufen. Der deutsche Medienkonzern soll dafür um die 200 Millionen Euro verlangt haben, ein Preis, der Dichand zu hoch erschien. Beim Einstieg der WAZ 1987 soll diese etwa 100 Millionen Euro gezahlt haben.

(apa/red)

19.6.2010 20:17