Machtkampf um 'Krone' nach Dichands Tod?
WAZ will Anteile jetzt nicht mehr verkaufen
- Deutsche überlegen zweiten Chefredakteur in Wien
- Familie von Blattmacher will 'Verantwortung tragen'

·Wohin steuert jetzt die "Kronen Zeitung"?
Zukunft des Boulevard- blatts ist noch ungewiss
·"Der Tod, den er
sich gewünscht hat"
Talk of Town: Medien-
Macher über H. Dichand
·Experte: "Die 'Krone' droht zu implodieren"
Medienforscher Vitouch über das Erbe Dichands
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"Krone"-Lexikon von A wie Adabei bis Z wie Zilk
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Faymann: "Begnadeter Blattmacher & Journalist"
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·Dichands Kampf um die "Kronen Zeitung"
Skandalöser Beginn des heimischen Kleinformats
·"Krone"-Macher
Hans Dichand ist tot
Zeitungsherausgeber
mit 89 Jahren verstorben
Nach dem Tod des legendären "Krone"-Herausgebers Hans Dichand könnte bei Österreichs größter Tageszeitung in den kommenden Monaten ein neuer Machtkampf eröffnet werden. Die deutsche WAZ will ihren 50 Prozent-Anteil an der "Kronen Zeitung" nach Dichands Ableben jedenfalls nicht mehr verkaufen. Dies erklärte Bodo Hombach, einer der WAZ-Bosse, im "Handelsblatt".
"Nach dem Ableben des großen alten Verlegers Hans Dichand sind wir aufgrund der geänderten Machtverhältnisse nicht mehr an einem Verkauf interessiert", so Hombach. Die WAZ und Hans Dichand teilten sich bisher die "Krone"-Anteile im Verhältnis 50 zu 50. Nach dem Tod von Hälfteeigentümer Hans Dichand erhält die WAZ nun automatisch mehr Eigentümerrechte.
WAZ will zweiten Chefredakteur
Die Verlagsgruppe überlegt nun auch die Installation eines geschäftsführenden Chefredakteurs in der "Kronen Zeitung", wie WAZ-Geschäftsführer Nienhaus der APA sagte. Die WAZ wäre auch bereit, die Anteile der Familie Dichand zu übernehmen. Ein Ausstieg sei, wie schon vor Pfingsten betont, kein Thema für die WAZ. Unterdessen hat die WAZ bereits im Frühjahr wieder einen Geschäftsführer in der "Krone" eingesetzt. Gemeinsam mit dem für die Familie Dichand agierenden Wolfgang Altermann sei nun Axel Kroll, Justiziar der WAZ, Geschäftsführer für die Zeitung tätig. "Das entspricht der neuen vertraglichen Situation, dass die WAZ und die Familie Dichand jeweils einen Geschäftsführer entsenden dürfen", so Nienhaus. Hans Dichand hatte bis zu seinem Tod die Position des allein vertretungsberechtigten Geschäftsführers inne, eine Position, die nicht vererbbar war.
Die Geschäftsführung wird künftig paritätisch besetzt, Dichands Erben und die WAZ entscheiden in wirtschaftlichen und personellen Fragen gleichberechtigt. Das Vorschlagsrecht für den "Krone"-Chefredakteur - seit 2003 ist das der von Dichand senior eingesetzte Christoph Dichand - liegt allerdings weiter bei der Familie Dichand. Bei der Besetzung des Geschäftsführerpostens habe die WAZ aber ein Ablehnungsrecht, "wenn es berechtigte Gründe gibt", so Nienhaus.
Zuletzt hatte Dichand über Monate hinweg versucht, den 50 Prozent-Anteil der WAZ zurückzukaufen. Der deutsche Medienkonzern soll dafür um die 200 Millionen Euro verlangt haben, ein Preis, der Dichand zu hoch erschien. Beim Einstieg der WAZ 1987 soll diese etwa 100 Millionen Euro gezahlt haben.
Noch nichts über Begräbnis bekannt
Noch nichts bekannt war am Freitag über das Begräbnis Dichands. Der Zeitungsmacher soll auf dem Grinzinger Friedhof beerdigt werden. Den künstlerisch gemeißelten Grabstein, der dort schon bereit steht, soll Dichand übrigens selbst vor längerer Zeit ausgesucht haben. (apa/red)
