Büffeln statt Sommerferien: Bei jedem sechsten Schüler stehen Fünfer im Zeugnis
- Wien: Rund ein Drittel schafft die Nachprüfung nicht
- In Mathematik hagelt es die meisten "Nicht genügend"

·Nachhilfe kommt Eltern teuer zu stehen
Pro Stunde muss man
bis zu 32 Euro bezahlen
·Religionsunterricht stark im Wackeln
Zu wenige Katholiken an den Wiener Schulen
·Jeder Sechste hat Fünfer im Zeugnis
Wien: Schüler fallen vor allem in Mathe durch
Die Ferien stehen vor der Tür, doch nicht für alle Schüler: Viele müssen im Sommer büffeln, um nicht sitzen zu bleiben. Bei immerhin 17 Prozent der Schüler an höheren Schulen in Wien steht mindestens ein Fünfer im Zeugnis. "Insgesamt haben wir hochgerechnet eine Zahl von rund 14.000 Schülern in Wien mit einem oder mehreren Nicht genügend", so ein Sprecher der Wiener Stadtschulrätin.
Während in der Volksschule ein Fünfer kaum eine Rolle spielt, ist für viele der AHS-, HAK- oder HTL-Schüler die Nachprüfung der letzte Ausweg. "83 Prozent aller Kinder haben positive Noten, 4 Pozent haben einen Fünfer, aber mit Aufstiegsklausel, weitere vier Prozent haben einen Fünfer, aber keine Aufstiegsklausel und neun Prozent haben zwei oder mehr Nichtgenügend", so die Bilanz des Sprechers.
Österreichweit sieht die Situation ähnlich aus. In der Oberstufe der AHS hatten im Schuljahr 2007/2008 laut Berechnungen von Statistik Austria rund 12 Prozent mindestens ein "Nicht genügend" im Zeugnis. In berufsbildenden höheren Schulen schlossen rund 12,5 Prozent mit einem oder mehreren Fünfern ab.
Ein Drittel schafft Nachprüfung nicht
Rund ein Drittel der Schüler in Wien, die zu einer Nachprüfung antreten, fallen durch und müssen die Klasse wiederholen. Genaue Zahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, denn einige Schüler treten erst gar nicht zur Prüfung an.
Wie sinnvoll ist Sitzenbleiben?
Das Sitzenbleiben ist unter Pädagogen schon lange umstritten. Im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur wird derzeit an einer alternativen Lösung gebastelt: "Es wurde eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema initiiert", bestätigt die Pressesprecherin von Ministerin Schmied, Sigrid Wilhelm.
Auch im Büro der Wiener Stadtschulrätin steht man der Wiederholung einer Klasse skeptisch gegenüber: "Tatsache ist natürlich, dass überall dort, wo wir Kursmodelle haben - zum Beispiel in den Oberstufen der AHS -, es sich zeigt, dass es viel besser ist, wenn jemand einen Kurs negativ belegt und nur diesen Kurs wiederholt anstatt das ganze Schuljahr. Es liegt kein pädagogischer Mehrwert darin, wenn man beispielsweise in Chemie durchgefallen ist, das gesamte Programm noch einmal durchzuziehen. In Wahrheit ist es pädagogisch nicht sinnvoll und auch volkswirtschaftlich hoch schädlich durchzufallen. Ein Übergang zu modularen Schulen wäre aus unserer Sicht daher vernünftig", erklärt der Sprecher.
Angstfach Mathematik
Mathematik ist das Fach, das am meisten Probleme bereitet. Hier hagelt es am öftesten ein "Nicht genügend". Danach folgen Fremdsprachen wie Englisch und Französisch. Bei den berufsbildenden Schulen fallen viele in berufsspezifischen Fächern, wie zum Beispiel Rechnungswesen durch.
Mädchen sind besser als Buben
Unterschiede gibt es auch zwischen Mädchen und Buben: Während bei den Burschen 53 Prozent einen "Fleck" abstauben, sind es bei den Mädchen nur 47 Prozent.
(pc)
