Dienstag, 15. Juni 2010

Ein Bauherr steuert Siemens Österreich:
Ederers Nachfolger wird Porr-Chef Hesoun

  • SPÖ-Nähe erleichtert Zuschläge für Großaufträge
  • Fünfjährige Vergangenheit im Siemens-Konzern

Brigitte Ederer hat einen Nachfolger: Wenn die Siemens Österreich-Chefin Anfang Juli in die Konzernzentrale nach München umzieht, hinterlässt sie ihr Büro dem derzeitigen Porr-Boss Wolfgang Hesoun. Der soll seinen neuen Job Anfang September antreten, als vorläufiger Nachfolger bei Porr wird Finanzvorstand Reinhard Pinzer gehandelt.

Ederer wie Hesoun kommen aus der SPÖ, was den Zuschlag bei Großaufträgen erleichtert: Die wichtigsten Auftraggeber des Technologiekonzerns sind die Stadt Wien und die ÖBB. Bei der Bahn hat gerade mit Christian Kern ein neuer Vorstandschef Platz genommen: Der ehemalige Verbund-Chef Kern kommt ebenfalls aus dem Umfeld der Kanzlerpartei. Personalvertreter hatten sich zuvor in München für eine "österreichische Lösung" stark gemacht. An der Spitze des Weltkonzerns steht der gebürtige Kärntner Peter Löscher.

Außer der Nähe zur SPÖ verbindet Ederer und Porr auch noch Vorwürfe, in ihren Unternehmen sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Siemens Österreich wurde immer wieder mit der Schmiergeldaffäre des Münchner Konzerns in Zusammenhang gebracht und Porr musste sich zuletzt gegen Korruptionsvorwürfe im Umfeld des Lobbyisten und Ex-FPÖ-Spitzenpolitikers Walter Meischberger wehren. Siemens wie Porr hatten sämtliche Vorwürfe immer vehement bestritten.

Hesoun mit Siemens-Vergangenheit
Hesoun ist jedenfalls mit Siemens gut vertraut. Er war bereits fünf Jahre lang Siemensianer in der deutschen Kraftwerkssparte. Der 50-Jährige Neffe des Ex-Sozialministers Josef Hesoun hatte vor drei Jahren Horst Pöchhacker an der Spitze von Österreichs zweitgrößtem Baukonzern abgelöst, Pöchhacker ist mittlerweile Aufsichtsratschef der ÖBB. Künftige Aufsichtsratspräsidentin von Siemens Österreich wird Ederer. Viel Zeit wird sie dafür aber nicht haben, die ehemalige SPÖ-Staatssekretärin wird mit 1. Juli Personalchefin von mehr als 400.000 Mitarbeitern und obendrein auch noch Vorstand für das Europa-Geschäft.

Hesoun selbst verabschiedet sich nicht gerade mit einer Erfolgsbilanz von Porr. Der Umsatz ist im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 von 2,7 auf 2,5 Mrd. Euro zurückgegangen (minus 7,6 Prozent). Das Konzernergebnis sank von 37,9 auf 31 Mio. Euro (minus 18,3 Prozent).

Der Porr-Generaldirektor wurde im niederösterreichischen Mödling geboren, ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Der HTL-Absolvent startete seine Karriere 1982 bei der Kraftwerke Union von Siemens. Von dort wechselte er 1987 zu Porr, wo er 1994 den Stuhl des Generaldirektor-Stellvertreters ergatterte und drei Jahre später Porr-Chef Pöchhacker ablöste. Hesoun ist unter anderem auch noch Mitglied des Vorstands der Industriellenvereinigung, von daher werden ihm auch gute Kontakte zur ÖVP nachgesagt.
(apa/red)

15.6.2010 15:11