Donnerstag, 24. Juni 2010

Jeder Hund sollte eine Hundeschule besuchen. Doch diese zu finden ist nicht immer einfach.

  • So erkennt auch eine Laie eine seriöse Hundeschule
  • Hilfsmittel und Methoden, die man nicht zulassen darf

Googelt man das Wort „Hundeschule“, findet man nicht weniger als 720.000 Einträge. Da stellt man sich unweigerlich die Frage: Welche ist die Richtige für meinen Hund und mich? Die Gefahr, bei der Auswahl der Hundeschule danebenzugreifen, ist nicht unerheblich. Schließlich gibt es bis heute keine gesetzlichen Richtlinien zu diesem Berufsbild. Das bedeutet zwangsläufig: Jeder, der sich berufen fühlt, kann – ganz ohne entsprechende Ausbildung – eine Hundeschule gründen. Wie aber lässt sich nun die Spreu vom Weizen trennen? Wie unterscheidet man einen seriösen Hundeexperten von einem „selbst erkorenen Hundetrainer“, der nicht selten dauerhafte Schäden in die Beziehung zwischen Hund und Halter bringen kann? Hier die wichtigsten Kriterien, mit denen man auch als Laie fest­stellen kann, ob eine Hundeschule und ihre Trainer zuverlässig und vertrauenswürdig arbeiten:

Der erste Kontakt
Beim ersten Besuch in der Hundeschule sollte sich der Trainer Zeit für eine Einzelstunde nehmen. Zum einen, um sich gegen­seitig kennen zu lernen, zum anderen, um individuell auf Hund und Herrchen eingehen zu können. Nur so kann der Trainer die Bedürfnisse der beiden richtig einschätzen und sie entsprechend einstufen. Ein seriöser Trainer sollte dar­über hinaus über eine fundierte Ausbildung und Praxis­erfahrung verfügen, die er seinen Kunden gerne und unaufgefordert vorweist.

Das Angebot
Eine gute Hundeschule zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie nicht nur klassischen Einzel- und lukrativen Gruppenunterricht bietet. Auch Hausbesuche und Trainingseinheiten in Alltagssituationen (nur kleine Gruppen), wie etwa ein Stadtausflug, ein Besuch im Kaffeehaus oder im Einkaufszentrum, sollten offeriert werden. Denn wie die geprüfte Hundetrainerin Ursula Aigner vom Verein Pfoten mit Herz (www.pfotenmitherz.at) aus langjähriger Erfahrung weiß, können viele Hundehalter am Hundeplatz Gelerntes im Alltag oft nicht umsetzen. Dies und die Tatsache, dass Hunde durchwegs schlecht generalisieren, lässt das allseits bekannte Phänomen entstehen: Der Hund folgt in der Hundeschule, aber sonst nicht.

Die Unterrichtsgestaltung
„Um auf Hund und Halter richtig eingehen zu können, sollte der Gruppenunterricht aus nicht mehr als fünf Hunden pro Trainer bestehen“, so Hundeexpertin Aigner. Darüber hinaus müssen die Gruppen (vor allem Welpen- und Junghundegruppen) auf Größe und Entwicklungsstadium der Tiere abgestimmt werden, um etwa Mobbing zu vermeiden. Drill, grobe körperliche Einwirkungen oder Hilfsmittel wie Würge- und Stachelhalsbänder haben am Hundeplatz absolut nichts verloren. „Erziehung steht immer in Verbindung mit Beziehung“, sagt der Hundeprofi Martin Rütter (bekannt vom TV-Sender VOX). Durch beziehungsorientiertes Arbeiten kann nachhaltig und vor allem mit Freude (für Hund und Halter) gelernt werden.

Fazit
Wer sich in einer Hundeschule nicht wohl fühlt oder unsicher ist, sollte es bleiben lassen. Eine schlechte Hundeschule kann in der Hund-Mensch-Beziehung nachhaltigen Schaden anrichten.

Was Sie keinesfalls zulassen sollten:
■ Ferndiagnosen.  Ohne Hund, Halter und die Umstände zu kennen, lässt sich eine Situation nicht seriös einschätzen.
■ Internatsangebote.  Von Trainingscamps ohne das Beisein der Hundehalter ist dringend abzuraten. Denn Hunde lernen beziehungsorientiert.
■ Strafreize.  Finger weg von Schulen, die mit Gewalt, psychischem Druck oder Hilfsmitteln wie Würge- oder Sprühhalsbändern arbeiten.

Isabel Finsterwalder

Bei Fragen schicken Sie ein Mail an Tierweltexpertin Isabel Finsterwalder unter tierwelt@news.at

24.6.2010 11:07